Gladbach-Coach Marco Rose hat Edin Terzic und den BVB ausgetrickst. © imago images/Uwe Kraft
Borussia Dortmund

Der BVB in Gladbach: Wie Marco Rose seinen künftigen Co-Trainer austrickste

Bei Borussia Dortmunds 2:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach vor fünf Wochen trickste Marco Rose seinen künftigen Co-Trainer aus. Was Edin Terzic diesmal besser machen muss.

90 Minuten mit fast allen Facetten – die Bundesliga-Partie zwischen den beiden Borussias am 22. Januar bot allerbeste Fußball-Unterhaltung. Rasante Strafraumszenen, strittige Entscheidungen, haarsträubende individuelle Fehler und, nicht zuletzt, taktische Finessen, die einen wesentlichen Anteil daran hatten, dass am Ende verdientermaßen die Gladbacher die Partie mit 4:2 (2:2) für sich entschieden. Am Dienstag treffen die beiden Teams im DFB-Pokal (Anpfiff: 20.45 Uhr / live im Free-TV) erneut aufeinander. Diesmal muss BVB-Coach Edin Terzic etwas besser machen. Wir werfen einen Blick zurück: So trickste VfL-Coach Marco Rose seinen künftigen Co-Trainer aus.

Gladbach überraschte den BVB mit einer taktischen Variante

Die Startphase: Gladbach überraschte, beeindruckt von der großen individuellen Stärke der Dortmunder Offensivkräfte, mit einer taktischen Variante, die Trainer Marco Rose auch in den vorherigen Aufeinandertreffen schon – erfolglos – ausprobiert hatte: Mittelfeldspieler Denis Zakaria zog sich zwischen die Innenverteidiger Matthias Ginter und Nico Elvedi zurück. Im 3-4-1-2 attackierte der VfL den BVB weit vorne, dort hatten sich die Dortmunder wenige Tage zuvor beim 1:2 in Leverkusen extrem anfällig gezeigt. Der von Edin Terzic geplante Spielaufbau über Innen- und Außenverteidiger wurde erstickt.

In der Anfangsviertelstunde überrollten die Gladbacher die Dortmunder, die im 4-2-3-1 keine Verbindungen zwischen den Ketten herstellen konnten. Ein aberkanntes Tor, ein Treffer nach einer Freistoßflanke – der Auftakt ging klar an die Borussia vom Niederrhein. „Die Idee war gut, wir haben Dortmund damals überrascht“, sagte Marco Rose auf Nachfrage der Ruhr Nachrichten.

Der BVB suchte den Raum hinter der ersten Gladbacher Pressinglinie

Die Reaktion: Dortmund reagierte auf den frühen Rückstand mit mehr Mut und Durchsetzungsvermögen im Ballvortrag und belohnte sich umgehend. Denn sobald die erste Gladbacher Pressinglinie Lücken offenbarte oder überspielt war, bot sich den BVB-Angreifern viel Raum zum Kombinieren und Wege, um den eigenen Geschwindigkeitsvorteil einzusetzen.

Roses Elf konnte das Zentrum nicht schließen, der Raum vor dem Gladbacher Strafraum wurde zur Spielwiese für die Gäste. Dortmund dribbelte, passte und kombinierte sich in einen (kurzen) Rausch und führte nach einer halben Stunde seinerseits verdient mit 2:1. Rose: „Als wir den Druck auf den Ball nicht mehr hoch genug halten konnten, ist Dortmunds Spielstärke zum Tragen gekommen.“ Gladbach taumelte, bis der Trainer den richtigen Schachzug wählte.


Wie Gladbach erneut für Kompaktheit gegen den BVB sorgte

Das Gegenmittel: Rose erkannte, dass seiner Mannschaft vor der Abwehrkette die nötige Kompaktheit fehlte, um Dortmunds zentrumsorientierte Offensivspieler (Sancho, Reus, Brandt) zu kontrollieren. Der Kniff: Gladbach schob den zentralen Innenverteidiger Zakaria nach vorne auf seinen angestammten Platz im defensiven Mittelfeld und hatte dort mit dem Schweizer sowie Florian Neuhaus und Christoph Kramer häufiger Überzahl. Die Gastgeber orientierten sich defensiver und stoppten die Dortmunder Bemühungen fortan erst vor dem letzten Angriffsdrittel. Zudem wurden durch die Verdichtung in der Mitte die Spielzüge auf die Außenbahnen geleitet, wo dem BVB an diesem Abend kaum ein Durchkommen gelang.

Die in ihrer Entstehung von Dortmunder Fehlern begünstigten Treffer zum 2:2 vor der Pause und zum 3:2 kurz nach Wiederanpfiff bestärkten die Gladbacher in ihrem Anliegen, den Gegner durch mehr Kontrolle zu dominieren. Roses Elf stand sicher in der eigenen Hälfte und setzte eine Reihe gefährlicher Konter.

Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund: Die schwarzgelbe Scheinüberlegenheit

Nur Scheinüberlegenheit: Dortmund kam insgesamt zwar auf 56 Prozent Spielanteile, 16:10 Torschüsse, 7:3 Ecken und 11:1 Flanken – in Schwierigkeiten gerieten die Gladbacher aber nach der Phase Mitte der ersten Hälfte, in der auch die beiden BVB-Tore fielen, nicht mehr.

Außerdem problematisch für die Terzic-Elf: Von der guten Zweikampfquote vor dem Seitenwechsel (58 Prozent gewonnen) sank der Wert auf 48 Prozent. Roses Borussia hielt besser dagegen, stellte die Räume besser zu, lief in Summe sechs Kilometer mehr – und Terzic und seiner Elf fielen weder individuell noch taktisch ausreichende Mittel ein, der Partie eine neuerliche Wende zu verleihen.

BVB nutzte das eigene Potenzial nur phasenweise

Das Fazit: Die individuellen BVB-Fehler bei den Gegentoren, von denen allein drei nach Standardsituationen fielen, waren für Dortmund eine zu große Hypothek, um aus Gladbach etwas Zählbares mitzubringen. Nur phasenweise gelang es, das eigene Potenzial in der Offensive auszuspielen. Die Automatismen in den Pressingsituationen fehlten dem BVB damals noch, oder Gladbach hebelte diese Variante ballsicher aus. Bei Konterabsicherung und Restverteidigung zeigten die Dortmunder große Schwachstellen.

Der Ausblick: Nur etwas mehr als fünf Wochen später kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen der Borussias, diesmal unter völlig anderen Vorzeichen. Die Elf vom Niederrhein ist seit fünf Spielen sieglos (ein Remis, vier Niederlagen) und kommt nach dem angekündigten Abschied von Trainer Marco Rose nicht mehr zur Ruhe. Bei der westfälischen Borussia ist das Selbstvertrauen nach drei Siegen in Serie gestiegen, die taktischen Vorgaben von Trainer Edin Terzic kann die Mannschaft immer sicherer umsetzen. Dortmund spielt aggressiver, schneller nach vorne und agiert kompakter in der Abwehrarbeit. Auch an der notorischen Schwäche bei Standards scheint das Trainerteam zielführend zu arbeiten. „Wir müssen auf einiges vorbereitet sein“, sagte BVB-Coach Edin Terzic auf Nachfrage zu den Gladbacher Systemumstellungen. „Wir sind aber guter Dinge, dass wir uns genug Automatismen erarbeitet haben, dass wir darauf eine gute Antwort finden.“

Dortmund braucht gegen Gladbach Druck über die Außenbahnen

Gelingt es dem BVB, Gladbach in der Defensive mit Tiefe und Tempo mehr zu beschäftigen und zu binden, ohne die eigene Absicherung aus den Augen zu verlieren, wird sich die höhere Qualität der Dortmunder Borussia durchsetzen. Zusätzlich braucht es auch Druck über die Außenbahnen, um flexibler agieren zu können.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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Jürgen Koers
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