Zu Weihnachten blühen in Dortmund die Meisterschaftsträume. 42 Punkte, die zweitbeste Marke der Vereinsgeschichte. Die Bilanz zur Winterpause ist beeindruckend. Dirk Krampe kommentiert.

Dortmund

, 22.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Borussia Dortmund geht als Herbstmeister in die Winterpause der Fußball-Bundesliga. Allein dieser Satz erübrigt fast schon eine Bewertung der großen Umwälzungen, die der Klub im Sommer mit großer Konsequenz angestoßen hat. Sie kann nur überaus positiv ausfallen.

Nach der Enttäuschung vom Dienstag in Düsseldorf hat der BVB gegen Gladbach wieder in die Spur gefunden. Unterm Strich steht eine beeindruckende Hinrunde, in der die Borussia nur eine Bundesliga-Niederlage kassiert hat, in der sie eine zwar lösbare, aber durchaus auch anspruchsvolle Champions-League-Gruppe als Gruppenerster abgeschlossen hat, und in der sie auch im Pokal noch im Rennen ist. Nur einmal in der Vereinsgeschichte hat Borussia Dortmund in einer Hinrunde mehr als diese nun 42 Punkte geholt. Es war ein Halbjahr, gespickt mit vielen Superlativen.

Neben der Partie in Düsseldorf hat Dortmund nur noch das Spiel bei Atletico Madrid verloren - ähnlich konstant und erfolgreich sind in den führenden Ligen Europas nur Jürgen Klopps FC Liverpool und Manchester City in England, Juventus Turin in Italien und Thomas Tuchels Millionen-Truppe aus Paris in Frankreich unterwegs.

Ambitioniertes Vorgehen

Es war ein durchaus ambitioniertes Vorgehen, nach der enttäuschenden Vorsaison an mehreren Stellen gleichzeitig massive Veränderungen vorzunehmen. Ein neuer Trainer, mehr als ein halbes Dutzend neuer Spieler, dazu die Umgestaltung auch auf der Ebene der sportlichen Leitung mit der Installation von Sebastian Kehl an einer wichtigen Schnittstelle - das hätte zum Zusammenwachsen auch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen können als es dann in der Realität der Fall war.

Der BVB hat den dringend benötigten Umbruch mit Bravour bewältigt

Lucien Favre (r.) sammelte mit dem BVB in der Hinrunde 42 Punkte ein. © dpa

Rückblickend hat es erstaunlich schnell funktioniert. Und ab dem 1:1 in Hoffenheim am vierten Spieltag, einem sehr glücklichen Unentschieden, hat Dortmund in den folgenden Wochen und Monaten auch sehr ansehnlichen Fußball gespielt. Mit jeder nicht verlorenen Partie wuchs das Selbstvertrauen und der Glaube an sich selbst, mit jeder Partie griffen die Automatismen besser.

Harte Arbeit erforderlich

Allerdings hat der BVB trotz der beeindruckenden Zahlen die Gegner nicht permanent an die Wand gespielt. Die Ergebnisse waren eng, wenn man mal die Spiele gegen Nürnberg (7:0) und Atletico Madrid (4:0) ausnimmt. Viele Siege bedurften harter Arbeit, einige kamen glücklich zustande. Das ist allerdings auch nicht verwerflich und hat dem immer selbstkritischen Trainer für viele Partien als Blaupause für mahnende Worte gedient.

Mit Prognosen an dieser Stelle sollte man vorsichtig sein, auch wenn sich beinahe ausschließen lässt, dass diese Mannschaft im neuen Jahr einen kapitalen Einbruch erleben wird. Dafür tritt Borussia Dortmund viel zu gefestigt auf. Geführt von einem Trainer, der klare Vorgaben proklamiert, und Anführern auf dem Feld wie der sehr konstant spielende Torhüter Roman Bürki, wie Manuel Akanji in der Abwehrzentrale, Axel Witsel als Chef im defensiven Mittelfeld und Marco Reus, der endlich einmal eine gesamte Hinrunde lang gesund geblieben ist. Wie wertvoll er dann ist, das hat er eindrucksvoll gezeigt.

Erstaunliche Leistungssprünge

Um diese Achse herum haben die meisten Mitspieler erstaunliche Leistungssprünge hinter sich. Und bei allem Konkurrenzdruck angesichts von 26 Feldspielern im Kader ist es immer ruhig geblieben. Das ist sowohl das Verdienst des Trainers als auch das von Kehl.

So viel lässt sich zu Weihnachten 2018 auf jeden Fall sagen: Borussia Dortmund hat den dringend benötigten Umbruch mit Bravour bewältigt. Die Perspektiven sind glänzend, auch wenn ein Bundesliga-Kader einer permanenten Überprüfung und regelmäßiger Blutauffrischung bedarf. Doch der gezeigte Fußball war nicht nur erfolgreich, sondern oft auch erfrischend, neue Idole wurden geboren und das arg gestörte Verhältnis zu den Fans ist mehr als gekittet. Und das ist für die Rückrunde mehr als nur eine gesunde Basis.

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