Die BVB-Woche der Wahrheitet startet mit einer Niederlage in Madrid. Für den Dortmunder Weg kann dieses 0:2 aber sehr nützlich sein. Jetzt warten die Bayern. Sascha Klaverkamp kommentiert.

Madrid

, 07.11.2018, 09:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Enttäuscht zu sein, ja diesen Eindruck vermittelten die Borussen, als sie nach der 0:2-Niederlage bei Atletico Madrid aus der Kabine im Estadio Metropolitano um kurz vor Mitternacht Richtung Mannschaftsbus schritten. Aber am Boden zerstört, niedergeschlagen? Nein, so heftig traf das bittere Ende der stolzen Erfolgsserie von 15 Partien ohne Pleite keinen im BVB-Tross an diesem kalten November-Dienstag. Warum auch? Denn es waren an diesem Champions-League-Abend in Madrid schlichtweg zwei entscheidende Dinge zusammengetroffen: Ein schwacher BVB und ein starkes Atletico.

Vor dem gegnerischen Strafraum ist Schluss

Die Borussen bewiesen nach der Niederlage eine beruhigend realistische Sicht auf das Geschehen. Man habe verdient verloren und Madrid habe die Fehler der Borussia eben effizient ausgenutzt. Treffender kann man es nicht zusammenfassen. Atletico bremste das in dieser Saison zuvor so spektakuläre Dortmunder Angriffsspiel klug aus, stellte die Räume perfekt zu und verteidigte diszipliniert. Der BVB besaß zwar häufiger den Ball, wusste mit diesem aber nichts Gefahr bringendes anzustellen. Vor dem Madrider Strafraum war Schluss. Eine eigene Torchance binnen 90 Minuten, das war es.

Ja, das junge Dortmunder Team bekam an diesem Abend seine Grenzen aufgezeigt. Für den Weg, auf den sich dieses so verheißungsvolle Ensemble gemacht hat, wird das aber womöglich sogar sehr nützlich sein. Denn zum einen ist der BVB nun wieder geerdet. Jeder Spieler weiß spätestens jetzt, dass die Bäume nicht binnen weniger Wochen in den Himmel wachsen und man nun jeden Gegner mühelos vom Rasen wirbelt. Solch eine Erkenntnis hält wach.

Perfekte Balance

Zum anderen hat Atletico vorgemacht, was es auch benötigt, um irgendwann zu einer solch großen Mannschaft zu reifen: eine perfekte Balance aus Bollwerk und effizienter Attacke. Die vielen Fehler, die sich die Schwarzgelben in Madrid erlaubt haben, waren auf diesem fußballerischen Niveau schlichtweg selbstmörderisch. Wenn dann auch noch die Ideen fehlen, wie Atletico in Schwierigkeiten zu bringen ist, dann mündet das am Ende in der Erkenntnis: Keine Chance gehabt.

Für den jungen BVB ist es gar nicht schlimm, dass er am Dienstagabend Lehrgeld zahlen musste. Im Gegenteil, nur durch die Erfahrungen aus solchen Partien, aus Rückschlägen, wächst das Team weiter. Es ist ja nichts kaputt gegangen durch den allerersten Patzer dieser Saison. Das Ticket für das Achtelfinale der Königsklasse werden die Borussen trotzdem in Kürze sicher eintüten.

Voller Fokus auf das Bayern-Spiel

Und wie gut, dass sie sich gar nicht lange den Kopf darüber zerbrechen können, wie sie denn das an diesem Abend so überzeugende Atletico nun hätten bezwingen können. Und was sie alles falsch gemacht haben. Denn ab sofort rückt der Abend von Madrid nach hinten und die kurze Vorbereitung auf das Top-Duell gegen diue Bayern am Samstag erfährt Priorität. Da wird nicht viel an Motivationskraft nötig sein, um wieder alle PS aus der Mannschaft zu kitzeln. PS, die am Dienstag zwar leider zum Großteil fehlten. Deren ungebremste Entfaltung aber am Samstag in Dortmund deutlich wertvoller wäre.

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