Der BVB geht mit einer desaströsen Defensivquote in die Länderspielpause

dzBorussia Dortmund

Borussia Dortmund kassiert in sieben Bundesligaspielen elf Gegentore - eine desaströse Quote. Unerklärliche Defensiv-Aussetzer kosten immer wieder Punkte. Der BVB hat eine Sicherheitslücke.

Freiburg

, 07.10.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Besonders bitter lief es für Marcel Schmelzer. Wochenlang durfte der frühere Kapitän des BVB seinen Kollegen nur von der Ersatzbank beim Fußballspielen zusehen. In Freiburg aber, da schlug plötzlich seine Stunde. Kurz vor Schluss wechselte ihn Trainer Lucien Favre ein, Schmelzer sollte als gelernte Defensivkraft dabei helfen, das wacklige 2:1 über die Zeit zu retten. Drei Minuten später aber fiel der Ausgleich. Schmelzer konnte eine Flanke nicht verhindern, vor dem eigenen Tor patzte Manuel Akanji - und der nächste Tiefschlag war besiegelt.

Akanji ist komplett von der Rolle

Allerdings hatte sich dieses Gegentor schon lange vor Schmelzers Einwechslung angekündigt. Denn die Borussen hatten es im Schwarzwaldstadion erneut nicht geschafft, in einem Spiel über volle 90 Minuten konsequent zu verteidigen. „Flanken verhindern, Zweikämpfe führen, gemeinsam verteidigen und dagegenhalten, das hätten wir in der einen oder anderen Situation besser machen können“, gestand Sebastian Kehl, der Leiter der Dortmunder Lizenzspieler, ein.

„Im Kampfmodus gibt es andere Mannschaften, die besser sind als wir.“
Julian Brandt

In der Tat, es gab in Freiburg zu viele Situationen, in denen sich der BVB im Defensivverhalten nicht clever anstellte. Manuel Akanji, meilenweit entfernt von seiner Bestform, leistete sich Stellungsfehler, die durchaus mehr Schaden hätten anrichten können, wenn Freiburg nicht Chancen liegen gelassen hätte. Und Achraf Hakimi bewies zwar erneut seine offensiven Qualitäten, doch defensiv brannte es über seine rechte Seite nicht nur einmal. Der Marokkaner schenkte zu lässig den Ball her, ließ sich im Zweikampf mehrmals zu einfach abkochen. Zwei Drittel seiner direkten Duelle verlor er.

Auch Raphael Guerreiro erwischte auf der linken Seite der Abwehrkette keinen guten Tag. Zumindest auf Mats Hummels war erneut Verlass, am Boden und in der Luft war er robustester Dortmunder. Nur das allein langte nicht, um Stabilität ins BVB-Spiel zu bringen. Wenn Freiburg mal zur Attacke ansetzte, wurde es meist sogleich gefährlich in der Nähe des Dortmunder Tores. Auch, weil die Schwarzgelben eben nicht so verbissen dagegenhielten und den Gegner längst nicht so giftig bekämpften, wie es sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke („Mit Zähnen und Klauen verteidigen“) gewünscht hatte. Freiburgs Luca Waldschmidt durfte gleich fünfmal aus aussichtsreicher Position abziehen, ohne dabei ernsthaft vom BVB-Personal gestört zu werden.

Desaströse BVB-Quote nach sieben Liga-Spielen

„Im Kampfmodus gibt es andere Mannschaften, die besser sind als wir“, sagte Julian Brandt, der die brenzligen Geschehnisse am und im eigenen Strafraum gern vermieden hätte. „Wir hätten Freiburg mit einer perfekten Raumaufteilung laufen lassen müssen, dann wären wir erst gar nicht in diese Situationen gekommen“, erklärte er. Da aber offensiv gegen leidenschaftliche Freiburger vieles Stückwerk blieb und zu viele Bälle früh verloren gingen, lief es am Ende wieder schief. Wie schon bei Union Berlin, gegen Frankfurt und Bremen. „Wir müssen die Bälle besser halten, auch körperlich besser dagegenhalten“, mahnte Mats Hummels.

Der BVB geht mit einer desaströsen Defensivquote in die Länderspielpause

Sebastian Kehl fordert: „Jeder muss an sich arbeiten, wir müssen lernen zu verteidigen.“ © imago

Elf Gegentreffer nach sieben Bundesligaspielen ist für die Ansprüche des BVB eine desaströse Quote. Vor allem, weil die defensiven Probleme der Vorsaison dank der Verpflichtungen von Hummels und Linksverteidiger Nico Schulz eigentlich behoben sein sollten. Schulz allerdings fehlt verletzt, und in Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek (Adduktorenprobleme) ist in Freiburg ein weiterer Ausfall hinzugekommen, der die Sicherheitslücke des BVB noch verschärfen könnte. Klagen aber hilft nicht. Lösungen müssen her. „Jeder muss an sich arbeiten“, betonte Sebastian Kehl, „wir müssen lernen zu verteidigen.“

Nur ein Rumpfkader verbleibt in Dortmund

Gebremst wird dieser nötige Lernprozess allerdings von den aktuellen Länderspielreisen, nur ein Rumpfkader verbleibt bis kurz vor dem Duell gegen den neuen Spitzenreiter Borussia M’gladbach (19. Oktober, 18.30 Uhr) in Dortmund. Und dann kommen die Englischen Wochen, in denen nur wenige Trainingseinheiten möglich sind. „Mit einem 2:1 hätten wir ein bisschen Ruhe bekommen“, bekannte Kehl. Der späte Ausgleich bedient nun das Gegenteil.

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