Der BVB geht beim FC Barcelona auf Identitätssuche

Champions League

Lucien Favre steht massiv unter Druck, auch seine Mannschaft ist in der Bringschuld. Der BVB hätte sich bessere Voraussetzungen für die Dienstreise nach Barcelona gewünscht. Gelingt die Wende?

Barcelona

, 27.11.2019, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der BVB geht beim FC Barcelona auf Identitätssuche

Gelingt dem BVB ausgerechnet im Camp Nou die Wende? © dpa

Lucien Favre, Trainer auf Bewährung bei Borussia Dortmund, rang sich ein Lächeln ab, als er die Ankunftshalle am Dortmunder Flughafen betrat. Etwas gequält wirkte sein Gesichtsausdruck, was niemanden verwundert haben dürfte, schließlich ist die Situation in Dortmund extrem angespannt und es vergeht kaum ein Tag, an dem Favre nicht über das mögliche Ende seiner Mission bei Borussia Dortmund lesen muss.

BVB-Kapitän Reus: „Ein geiles Stadion, ein geiler Verein“

Doch die kleine Verunsicherung beim Schweizer verging schnell. Favre durfte die Anwesenheit der rund 50 Fans am Dortmunder Flughafen vor dem Abflug nach Barcelona durchaus als wohlwollende Unterstützung werten. Pfiffe für ihn und das Team gab es hier nicht. Und die guten Wünsche, die den BVB in die katalanische Metropole begleiteten, kann der Klub sehr gut gebrauchen.

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Das Abschlusstraining des BVB im Camp Nou

Das vorletzte Gruppenspiel in der Champions League heute Abend (21 Uhr/Sky) sorgte beim vereinseigenen Reisebüro für einen Ansturm von Buchungs-Anfragen. Barcelona gilt als eine der aufregendsten Millionen-Städte der Welt. Auch für die Mannschaft ist ein Spiel im beeindruckenden Camp Nou gegen eine der besten Mannschaften Europas keine alltägliche Angelegenheit. „Es ist ein geiles Stadion, ein geiler Verein“, schwärmte Marco Reus. Von großer Vorfreude aber war nur wenig zu spüren. Das Spiel gegen Messi und Co. steht unter dem alles überdeckenden Eindruck des Schock-Auftritts vom vergangenen Freitag.

BVB-Boss Watzke verbreitet Optimismus

Ausgerechnet der als Zweifler bekannte Hans-Joachim Watzke versuchte sich in den Versammlungen des eingetragenen Vereins und der KGaA am Sonntag und Montag in Optimismus. „Die Spieler waren schockiert von der ersten Hälfte“, meinte der BVB-Boss. „Irgendetwas hat sich danach getan, das habe ich gespürt.“

Mit klaren Worten hatte Watzke Trainer und Team öffentlich in die Pflicht genommen. Auch ohne die besonderen Umstände mit einer Mannschaft, die ihre Identität ebenso sucht wie ihre verloren gegangene Spielfreude, und einem Trainer, der in den beiden Spielen dieser Woche die Wende herbeiführen muss, wenn er seinen Job behalten will, erfordert die Aufgabe in Barcelona eine Top-Leistung von allen.

BVB-Wiedersehen mit Ousmane Dembele

Es könnte helfen, dass sich die Katalanen ähnlich schwer tun wie der BVB. Am Wochenende mühte sich Barca zu einem 2:1 bei Schlusslicht CD Leganes, in der Champions League gab es zuletzt ein 0:0 gegen Prag. Es läuft nicht besonders rund bei den stolzen Katalanen, in deren Offensive Antoine Griezmann noch wie ein Fremdkörper wirkt, und in deren Defensive Alarmstufe Rot herrscht ob der großen Personalnot. Gerard Piqué wird auch am Mittwoch an allen Ecken und Enden fehlen, der Abwehrchef ist gesperrt. Jordi Alba und Nelson Semedo sind verletzt. Immerhin gibt es das BVB-Wiedersehen mit Ousmane Dembélé, der im Hinspiel fehlte und die Partie zum „wichtgsten Spiel der ersten Halbserie“ erkoren hat. Seine Wiedersehensfreude wird sicher nicht von allen geteilt.

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Dortmund reiste am Dienstag ohne Paco Alcacer nach Spanien. Ihm bleibt die Rückkehr zu seinem Ex-Klub wegen eines Magen-Darm-Infekts verwehrt. Auch Jacob Bruun Larsen (Knieprobleme) fehlt, Thomas Delaney wird ohnehin erst im Januar zurückerwartet.

Neue Chance für Brandt oder Götze

Dass Trainer Favre auf die ersten 45 Minuten gegen Paderborn personell reagieren wird, davon ist auszugehen. Von zu vielen Spielern ist er in dieser Partie enttäuscht worden. Manuel Akanji winkt nach Julian Weigls schwarzem Abend die Rückkehr in die Innenverteidigung, auch auf der linken Abwehrseite, wo Nico Schulz kein Bein an den Boden bekam, ist mit einer Änderung zu rechnen. Alcacers Fehlen eröffnet Julian Brandt oder Mario Götze eine neue Chance.

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Bildergalerie

Das Abschlusstraining des BVB im Camp Nou

Hier gibt's die Bilder des BVB-Abschlusstrainings vor dem Champions-League-Spiel beim FC Barcelona.
26.11.2019
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Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© dpa
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© dpa
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© dpa
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© dpa
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© imago images/Agencia EFE
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© imago images/Agencia EFE
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© imago images/Agencia EFE
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© imago images/Agencia EFE
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© imago images/Agencia EFE
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© imago images/Agencia EFE
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© dpa
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© dpa
Impressionen des BVB-Abschlusstrainings im Camp Nou.© dpa

Vielleicht ja sogar beiden. Ob er plant, in Barcelona auch taktisch forscher aufzutreten als zunächst gegen den Letzten der Bundesliga, mochte Favre nicht bestätigen. Möglich, dass er jetzt, mit dem Rücken zur Wand, den Forderungen aus der Mannschaft nach einer Umstellung auf ein 4-1-4-1 folgt. So oder so sei das Ziel, „Punkte zu machen.“ Das würde auch Favres Position stärken.

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