Das Pokalspiel gegen Mönchengladbach als BVB-Chance - Kredit oder K.o?

Borussia Dortmund

Im Borussen-Duell kämpft der BVB um den Einzug in die nächste Pokal-Runde. Die Schwarzgelben und ihr Trainer Lucien Favre brauchen dringend ein Erfolgserlebnis. Aber wer soll Tore schießen?

Dortmund

, 30.10.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das Pokalspiel gegen Mönchengladbach als BVB-Chance - Kredit oder K.o?

Befindet sich im Leistungsloch: BVB-Kapitän Marco Reus. © Kirchner/David Inderlied

Einer schien ganz, ganz sicher zu sein. „Das schaffen wir“, sagte Michael Zorc. Borussia Dortmunds Sportdirektor strahlte bei seinen Worten größte Zuversicht aus, beinahe Gewissheit. Es ging um das DFB-Pokalspiel seines BVB am Mittwochabend gegen Borussia Mönchengladbach (20.45 Uhr, ARD und Sky). Allerdings nicht um ein schwarzgelbes Erfolgserlebnis auf dem Rasen, sondern auf den Tribünen.

Pokalhit zum Auftakt des Heimspiel-Dreierpacks

79.000 Karten sind für die Partie in der zweiten Hauptrunde verkauft, die bisherige Bestmarke liegt bei 79.037 Zuschauern, aufgestellt bei der Begegnung zwischen Borussia Dortmund und Union Berlin (1:1, 3:0 i.E.) am 26. Oktober 2016. Dieser Rekord winkt dem BVB also.

Das Pokalspiel gegen Mönchengladbach als BVB-Chance - Kredit oder K.o?

Sportdirektor Michael Zorc fordert, den Vorteil des Pokal-Heimspiels zu nutzen. © dpa

Bei einer Wette auf einen Sieg gegen Gladbach hätte sich Zorc wohl auch nicht so zuversichtlich geäußert. Es ist das erste Heimspiel eines Dreierpacks, den die Dortmunder dringlichst nutzen müssen, um sich etwas Zeit und Ruhe zu erkaufen. Spätestens nach dem Luschen-Derby ist der Kredit bei einer Vielzahl der Fans verspielt. „Das ist ein K.o.-Spiel, wir haben ein Heimspiel und damit einen Vorteil“, sagte Zorc am Dienstag. „Diesen Vorteil sollten wir nutzen, denn eine Niederlage könnten wir nicht mehr reparieren.“

BVB-Trainer Lucien Facre fordert ein schnelleres Passspiel

Bislang kann sich die Dortmunder Führungsriege noch öffentlich vor ihre Mannschaft und den Trainer stellen. In der Bundesliga ist kein Konkurrent enteilt, in den beiden Cup-Wettbewerben liegt der BVB auf Kurs. Alle Saisonziele sind greifbar. Noch.

Damit diese Bestandsaufnahme auch nach dem Borussen-Duell hält, hat Favre seinen Spielern vor allem eines eingebläut: Sie müssten gegen die Gladbacher, die auf ein ähnlich aggressives Pressing setzen wie Schalke 04, schneller und sicherer passen und öfter mit einem Kontakt spielen, um dem Gegner nicht in die Falle zu laufen.

Das Pokalspiel gegen Mönchengladbach als BVB-Chance - Kredit oder K.o?

Lucien Favre war mit dem Passspiel seiner Mannschaft gegen Schalke 04 nicht zufrieden. © dpa

Im Derby habe man da „gelitten“, analysierte Favre. Außerdem könne es nicht schaden, in den Abschlusssituationen effizienter zu werden, meinte der Schweizer. Wohl wahr bei den wenigen Chancen, die sich die Dortmunder derzeit herausspielen. Ein entscheidender Grund für die kollektive Harmlosigkeit in Schwarz und Gelb: Paco Alcacer (muskuläre Probleme) fehlt, auch gegen Gladbach.

Bisher gibt es keine Alternative zu BVB-Stürmer Paco Alcacer

Mit dem spanischen Torjäger im Team kamen die Borussen in den ersten sieben Saisonspielen auf 17 Treffer - ohne ihn in fünf Begegnungen nur noch auf fünf weitere.

Ohne Alcacer, so abwesend er manchmal agiert, fehlen dem BVB Präsenz im gegnerischen Strafraum und Torgefahr. Keine von Favres vier Alternativen Julian Brandt, Mario Götze, Thorgan Hazard oder Jacob Bruun Larsen versetzt die Gegenspieler auch nur im Ansatz in ähnliche Angstzustände wie der einzige gelernte Mittelstürmer im Kader. Außer Alcacer gibt es nur noch faule Kompromisse.

Bei der Besetzung der Angriffsspitze im Sommer nicht auf mehr Optionen bestanden zu haben, mag Zorc im Nachhinein nicht als Fehler eingestehen. Insgesamt habe man genügend Tore geschossen, und im Sommer sei es auch „um Verfügbarkeiten und Möglichkeiten“ gegangen. Darüber jetzt zu diskutieren, ist dann wohl müßig.

BVB-Gegner Mönchengladbach fehlen gleich elf Profis

Fakt ist, dass Borussia Dortmund mit einem substanziell besseren Kader unverkennbar schlechter Fußball spielt. Der Druck, der sich vor allem auf Favre konzentriert, obwohl sich auch eine Handvoll Spieler ernsthaft hinterfragen sollte, steigt und steigt. „Ich konzentriere mich total auf meinen Job“, sagte der Coach. Er könne sich vorstellen, was medial los sei, „aber ich habe nicht viel Zeit, das zu lesen“.

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Gladbachs Stürmer Breel Embolo (l.) fällt gegen den BVB verletzt aus. © dpa

Favres Mitarbeiter hingegen werden für ihre Spielvorbereitung sehr wohl registriert haben, dass den Gladbachern elf Profis nicht zur Verfügung stehen.

BVB-Torhüter Roman Bürki muss wohl passen

Nach den ersten Englischen Wochen geht der Europa-League-Starter personell am Stock. Bestärkt durch den guten Saisonstart reicht es beim Liga-Spitzenreiter trotzdem für selbstbewusste Ansagen vor der Partie: „Wir haben schon vorletzte Woche ein gutes Spiel in Dortmund gemacht. Wir fahren dahin, um weiterzukommen“, sagte VfL-Trainer Marco Rose.

Vor zehn Tagen beim 1:0 verhinderte ein überragender Roman Bürki im BVB-Tor einen Rückstand - heute muss der Keeper wohl grippebedingt passen. Vielleicht birgt das ein gutes Omen: Ersatztorhüter Marwin Hitz ist im BVB-Trikot ungeschlagen.

So könnten Sie spielen:
BVB: Hitz - Hakimi, Akanji, Hummels, Schulz - Weigl, Witsel - Sancho, Reus, Guerreiro - Hazard
M’Gladbach: Sommer - Lainer, Beyer, Elvedi, Bensebaini - Kramer, Zakaria - Benes - Herrmann, Stindl, Thuram
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