Das Mädchen für alles: Wilhelm Sturm erledigte beim BVB die Drecksarbeit

dzBorussia Dortmund

Wilhelm Sturm stand nie im Vordergrund bei Borussia Dortmund. Er glänzte trotzdem. Heute wäre die BVB-Legende 80 Jahre alt geworden.

von Dennis Winterhagen

Dortmund

, 08.02.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 5. Mai 1966, da waren sie alle endgültig auf der Welt bekannt, die Dortmunder Borussen. Erneut hatten sie einen Titel gewonnen. Doch diesmal war es einer, mit dem keiner gerechnet hatte. Sensationell besiegten die Schwarzgelben den FC Liverpool im Finale des Europapokals mit 2:1 nach Verlängerung. Mit dabei: Wilhelm „Willi“ Sturm.

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Am grenzenlosen Jubel, der mit dem Abpfiff des Unparteiischen Pierre Schwinte ausbrach, hatte auch Wilhelm Sturm maßgeblichen Anteil dran. „Das Mädchen für alles“, wie ihn sein langjähriger Teamkollege Siggi Held nannte, hatte mal wieder aufgeräumt. Eine Geschichte, an die rund 26 Jahre niemand gedacht hatte. Am 8. Februar 1940 erblickte Sturm in Bochum das Licht der Welt. Das Kicken lernte er dort, der Weg zum BVB war allerdings noch in weiter Ferne.

Sturm räumt auf - auch im größten Spiel des BVB

Im Sommer 1961 - als Angestellter einer Brauerei, der seine Mannschaft auch mal mit Freibier beschenkte - schloss sich der damals 21-Jährige Borussia Dortmund an. In der Elf des damaligen Oberligisten wurde er schnell unersetzlich, machte sich in über 250 Spielen für den BVB einen Namen - und half dabei, dass sich der Verein auf der großen Bühne des Fußballs etablierte. Denn nur knapp zwei Jahre später wurde die Borussia Deutscher Meister, zwei weitere Jahre danach auch Deutscher Pokalsieger.

Das Mädchen für alles: Wilhelm Sturm erledigte beim BVB die Drecksarbeit

Wilhelm Sturm spielte von 196 bis 1971 für Borussia Dortmund. © imago/Horstmüller

Gegen Liverpool blieb Sturm wieder unter dem Radar, war aus dem Team aber nicht wegzudenken. Die Nummer 8 der Borussia, sie hatte „sauber gemacht“ wie sie es in jedem anderen Spiel auch tat - und stand dabei nicht im Vordergrund. Sturm spielte unauffällig, war nicht der Mann für das entscheidende Tor oder den entscheidenden Pass. Aber er war mindestens genauso wichtig. Auf ihn war stets Verlass, er stellte sich stets in den Dienst der Mannschaft und akzeptierte die Rolle im Hintergrund.

Willi Sturm war beim BVB für jeden Spaß zu haben

„Einmal“, erinnerte sich Held, „holte unser Trainer Willi Multhaup alles raus, auf das ein Fußballer keine Lust hat. Stangen, Pilonen, Medizinbälle. Ein Raunen machte sich breit, ehe Willi Sturm eine Idee hatte. Er ging zum Trainer, hatte einen Deal parat. Er sagte: Wenn ich jetzt die Latte treffe, dann kommt das alles wieder weg und wir machen ein Spiel. Der Trainer stimmte zu, und er hat tatsächlich die Latte getroffen.“ Dies habe ihn ganz gut beschrieben, meinte Held. Er sei ein witziger Typ gewesen, einer, der für jeden Spaß zu haben gewesen sei, aber eben auch einer, der wusste, wann es nötig ist, ernst zu sein.

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Und für manch einen im Team war er mehr als das. Vor allem für den jahrelangen Kapitän der Borussia, Wolfgang Paul. Wenn Paul in Erinnerung an den 1996 verstorbenen Bochumer schwelgt, blickt er auf einen besonderen Menschen zurück. „Wir waren Brüder im Geiste. Die gleichen Typen.“ Wilhelm „Willi“ Sturm war kein Mann der großen Worte, kein Mann, der sich in den Vordergrund drängen wollte, kein Mann, der es allen unbedingt beweisen wollte - er war das Mädchen für alles.

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