BVB-Verteidiger Zagadou vor Rückkehr nach Paris: „Wir fürchten niemanden“

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Bei Paris Saint-Germain hat Dan-Axel Zagadou das Fußballspielen gelernt. Doch der Zugang zu den Profis blieb ihm verwehrt. Mit dem BVB will er sich nun revanchieren.

Dortmund

, 11.03.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine knappe Stunde muss man einkalkulieren, mehr nicht. Am schnellsten geht es wohl über den äußeren Ring, an Versailles vorbei, um den zäh fließenden Verkehr in Frankreichs Hauptstadt halbwegs zu umkurven. Es ist kein weiter Weg von Creteil im Süden der Metropole in den Camp des Loges weit im Westen vor den Toren von Paris. Knapp 50 Kilometer pro Fahrt, doch es sind Welten, die beide Orte trennen: Hier die Bolzplätze im Multikulti-Vorort, auf denen Dan-Axel Zagadou von seinen Brüdern das Fußballspielen kennen und lieben gelernt hat, dort die elitäre Akademie des Paris Saint-Germain Football Club.

Zwölf Jahre alt war der damals noch kleine Dan-Axel, Zweitjüngster von sechs Geschwistern, als er vom kleinen lokalen Klub US Creteil in die Jugendabteilung von PSG wechselte. Dort durchlief er alle Nachwuchsteams des Großklubs und gehörte zu den herausragenden Talenten. 2014 debütierte er in der U16 Frankreichs, seitdem gehörte er stets zu den Auswahlspielern in Blau-Weiß-Rot. „Ich freue mich sehr auf das Spiel in Paris. Ich habe noch viele Kontakte zu PSG, vor allem zu Spielern, die ich noch aus den Jugendmannschaften kenne“, sagte Borussia Dortmunds „Big Man“ im Gespräch mit dieser Redaktion.

Dan-Axel Zagadou hat sich ganz bewusst für den BVB entschieden

Seine profunde fußballerische Ausbildung verdankt Zagadou, Franzose mit Wurzen in der Elfenbeinküste, also der Talentschmiede von PSG. Doch als mit dem Einstieg von Qatar Sports Investments Luftschlösser gebaut und namhafte Stars verpflichtet wurden, blieb der Zugang zu den Profis für Zagadou und andere wie Moussa Diaby (Bayer Leverkusen) oder Jonathan Ikone (OSC Lille) versperrt. Zagadou kam in der Saison 2016/17 noch neunmal für PSG B in der vierten Liga zum Einsatz, dann lockte Borussia Dortmund. Zagadou schlug zu. Weil er sich den Gegenentwurf zum PSG-Modell erhoffte. Von seinem alten Klub war er „enttäuscht“.

„Ich habe mich ganz bewusst für den BVB entschieden, weil es immer wieder gelingt, junge Spieler ins Profiteam zu integrieren und sie auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln“, erklärt der 20-Jährige. Es sei „ganz klar die beste Entscheidung“ gewesen, nach Dortmund zu wechseln, „die Vorstellungen und Wünsche haben sich für mich ganz klar bewahrheitet und erfüllt.“

BVB-Sportdirektor Zorc lobt Zagadous besondere Gabe

Als leicht lassen sich diese Lehrjahre nicht einstufen. In seiner ersten Spielzeit für die Schwarzgelben taumelte der BVB unter den Trainern Peter Bosz und Peter Stöger durch die Saison, Zagadou musste erst auf der ungewohnten linken Abwehrseite aushelfen und saß später, als etablierte Kräfte bevorzugt wurden, auf der Bank. Im Herbst 2018 ging sein Stern unter Coach Lucien Favre auf, im Nu avancierte der 1,96 Meter große Hüne zum Publikumsliebling. Weil er so cool bleibt auf dem Rasen, sich auch in schwierigen Momenten durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. „Eine besondere Gabe“, nennt das Sportdirektor Michael Zorc.

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Doch sein wuchtiger Körper, der ihm auf dem Rasen in harten Zweikämpfen manchen Vorteil beschert und beim Kopfballspiel nahezu unbezwingbar macht, bringt auch Nachteile mit sich. „Daxo“ wird immer mal wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Das Ende der Saison 2017/18 und die zweite Saisonhälfte 2018/19 verpasste er fast komplett wegen diverser Malaisen. Es wirken große Kräfte in dem kräftigen Mann - mal spüren es die Gegenspieler, mal seine Muskeln und Gelenke.

Zagadou musste nach der Hummels-Rückkehr geduldig bleiben

Als auch noch Mats Hummels zurückkehrte zum BVB im Sommer 2019, wurde der Weg in die Startelf noch weiter. Auf der Position des linken Innenverteidigers ist der Weltmeister von 2014 klar die Nummer eins, Zagadou musste sich hinten anstellen. „Es war schwierig für mich, geduldig zu bleiben, absolut“, gesteht er selber. Doch die Chance kam.

„Wir sind Borussia Dortmund. Wir fürchten niemanden.“
Dan-Axel Zagadou

Mit der Umstellung auf eine Dreierkette benötigte das Dortmunder Team einen weiteren Innenverteidiger. Die Rolle passt perfekt zu Zagadou. Im Zweifel weiß er eine weitere Absicherung hinter sich, er kann offensiv in die Zweikämpfe gehen, er darf auch mit einem gewissen Risiko die Pässe nach vorne spielen oder selbst die Gegner andribbeln. „Mir gefällt es, wie wir spielen“, sagt er. Seit Ende November gehört Zagadou zum Dortmunder Stammpersonal und sieht nun der gewaltigen Aufgabe entgegen, „gegen die vielen guten Spieler von PSG“ zu bestehen.

Zagadou-Ausrutscher begünstigt PSG-Ausgleich in Dortmund

Im Hinspiel gelang ihm das lange Zeit bemerkenswert gut, bis er in einem unachtsamen Moment ausrutschte und hinfiel. Die Lücke nutzte Kylian Mbappe für einen beherzten Antritt, dessen Querpass versenkte Neymar zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Komplett aus dem Spiel nehmen könne man die Pariser Offensive nicht, meint Zagadou, „wir müssen mit der ganzen Mannschaft verteidigen“, dann könne man den Stars die Laune verderben.

Ob er, der sich in Paris und mit der Pariser Mannschaft so gut auskennt, besorgt ist? Da zieht Zagadou nur die Augenbrauen hoch und wundert sich über diese Frage. „Nein“, entgegnet er, „wir sind Borussia Dortmund. Wir fürchten niemanden.“

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