Champions League

BVB trotzt den Umständen: Piszczek-Premiere ebnet Weg zum Gruppensieg

Der BVB macht den Gruppensieg in der Champions League perfekt - und trotzt in Sankt Petersburg den Umständen. Die Piszczek-Premiere ebnet den Weg zum 2:1-Erfolg.
BVB-Routinier Lukasz Piszczek staubt zum 1:1 ab. © dpa

Es lag nicht an den bitterkalten minus sieben Grad Celsius in Sankt Petersburg, dass der BVB nicht auf Temperaturen kam. Im erwärmten, hoch modernen WM-Stadion von 2018 leisteten sich die Dortmunder selbst verschuldet den mittlerweile leider obligatorischen Dämmer-Start und lag früh mit 0:1 hinten.

Der BVB agiert in den ersten 45 Minuten zu passiv

Den Russen reichten ein Einwurf und eine Verlagerung, um gegen die in der Anfangsphase komplett passiven Borussen zum Abschluss und zum Tor zu kommen: Sebastian Driussis Schuss, den Mats Hummels noch abfälschte, zischte neben dem chancenlosen Marwin Hitz ins Netz (16.). Weil im Parallelspiel Lazio gegen den FC Brügge seinerseits in Führung ging, war der Weg zu Gruppenplatz eins in diesem Moment bereits so weit und beschwerlich wie die Reise nach Russland selber.

Nach drei sieglosen Spielen geriet der BVB einmal mehr früh in Rückstand, das gestaltete die auch wegen der neun verletzungsbedingten Ausfälle komplizierte Aufgabe zum Kehraus der Vorrunde noch anspruchsvoller. Die Gastgeber, in der Gruppe aussichtslos im Hintertreffen, wollten sich vor 15.700 Zuschauern nicht sieglos verabschieden aus der Königsklasse.

Haaland-Ersatz: Reus und Hazard bilden den BVB-Sturm

Dortmund fing sich nach dem Gegentreffer zwar, verteidigte etwas konsequenter und deutete auch ein offensives Pressing an. Bis die Abläufe Wirkung zeigten, dauerte es jedoch, weil der BVB im Spielaufbau das Tempo verschleppte. Im Angriff, wo sich Marco Reus und Thorgan Hazard tummelten, fehlten die Angebote durch Läufe in die Tiefe. Was der BVB mit Kombinationen und Querpässen versuchte, konnte Zenit mit vielen Beinen rund um den eigenen Strafraum recht leicht verteidigen.

Eine Reaktion kam dennoch zustande, weil sich vor allem über die linke Seite immer wieder Räume auftaten. Hazard versuche es aus der Distanz (19.), dann brachte der engagierte Jude Bellingham nach einer Flanke von Nico Schulz keinen Druck hinter seinen Kopfball (43.). Mit dem Pausenpfiff hatte dann Kapitän Reus den Ausgleich auf dem Fuß. Aus 18 Metern halblinker Position nahm er genau Maß – zu genau, vom Pfosten klatschte der Ball zurück ins Feld.

Torhüter Marwin Hitz hält Borussia Dortmund im Spiel

Während sich über die Wahrscheinlichkeit eines leichteren Gegners im Achtelfinale für die Gruppenersten sinnieren lässt, benötigte der BVB, wie Spieler und Verantwortliche vorab eingestehen mussten, auch mal wieder ein Erfolgserlebnis. Dem näherten sich auch zu Beginn des zweiten Durchgangs eher die Russen. Marwin Hitz hielt den BVB nach totaler Konfusion im eigenen Strafraum geistesgegenwärtig im Spiel (47.).

Weil die Angriffsbemühungen seiner Mannschaft ohne Esprit und Überzeugung dahinplätscherten, reagierte Trainer Lucien Favre früher als gewohnt: In der 58. Minute schickte der Schweizer Giovanni Reyna und Youssoufa Moukoko auf den Rasen, mit 16 Jahren und 18 Tagen nun der jüngste Champions-League-Spieler der Historie. Die Umstellung auf eine Viererkette sollte eine weitere Anspielstationen in der Offensive schaffen.

BVB-Routinier Piszczek erzielt sein erstes Champions-League-Tor

Am mangels Anspielstationen im Sturm immer wieder trägen Ballvortrag änderte sich jedoch wenig. Spätestens am Sechzehner zog ein Borusse die Fußbremse. Eine Standardsituation musste her für den Ausgleichstreffer, der sich bis dahin in Hälfte zwei nicht angebahnt hatte: Nach einer Ecke von der rechten Seite machte Reus den Ball wieder scharf, den folgenden Abpraller stocherte Lukasz Piszczek über die Linie – das erste Champions-League-Tor für den 35-jährigen BVB-Oldie auf seiner Abschiedstournee (68.).

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Champions League, 6. Spieltag: Zenit St. Petersburg – BVB 1:2 (1:0)

Für die Schlussphase brachte Favre in Jadon Sancho noch einen weiteren Mann mit Torgefahr, doch den Siegtreffer erzielte einer, mit dem keiner gerechnet hatte: Kein Gegendruck 18 Meter vor dem Tor, da zog Axel Witsel – an alter Wirkungsstätte – mit links einfach mal ab. Unten rechts, unhaltbar, unglaublich (78.)! Den knappen und gegen viele Widerstände ertrotzten (Gruppen-)Sieg retteten die Borussen, bei denen zum Schlusspfiff in Moukoko, Bellingham, Reyna und Ansgar Knauff gleich vier Teenager auf dem Platz standen, über die Zeit. So fand der Abend in Russland doch noch ein erwärmendes Ende.

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