Pokern oder powern: Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann muss sich entscheiden. © imago / motivio

BVB trifft zweimal auf RB Leipzig: Was Nagelsmann planen könnte

Zwei brisante Duelle in sechs Tagen: Für den BVB geht es zweimal um alles, für RB Leipzig ist das DFB-Pokalfinale wichtiger. Zeit für Taktieren, Julian Nagelsmann?

Der Name Sepp Herberger macht die Runde in Leipzig. Gleich fünf Stammspieler schonte der Bundestrainer bei der Fußball-WM 1954 im Vorrundenspiel gegen die favorisierten Ungarn. Das Ergebnis lautete 3:8. Doch die in diesem Spiel geschonten Kräfte verhalfen der DFB-Auswahl im Turnierverlauf bis ins Endspiel. Und da siegte Deutschland bekanntlich mit 3:2. Gegen Ungarn.

Für den BVB steht mehr auf dem Spiel als für Leipzig

„Ich weiß, worauf sie hinauswollen“, sagte RB-Trainer Julian Nagelsmann am Donnerstag in einer Medienrunde. Leipzigs Chefcoach hatte die Analogie vor dem doppelten Aufeinandertreffen seiner Mannschaft mit Borussia Dortmund parat. Am Samstag in der Bundesliga (15.30 Uhr, live bei Sky) steht für den BVB mit der vakanten Champions-League-Qualifikation wesentlich mehr auf dem Spiel als für RB, das die Vizemeisterschaft beinahe sicher hat. Und am Donnerstag drauf steigt das DFB-Pokalfinale (20.45 Uhr) – für beide Klubs die Chance auf einen großen Titel.

Vollgas oder Schongang also für die Leipziger? „Das Spiel am Samstag hat definitiv Einfluss auf das Spiel am Donnerstag. Wir werden es mit voller Inbrunst angehen und wollen gewinnen, um unseren zweiten Platz zu sichern. Wir müssen besser sein als im Hinspiel und wollen ein besseres Ergebnis. Damit können wir Selbstvertrauen sammeln.“ Er werde, betonte der zukünftige Bayern-Trainer, der für die Rekordablöse von 25 Millionen Euro nach München wechselt, keinen Spieler vorsichtshalber schonen, sondern „alles reinwerfen. Das Spiel hat größte Relevanz.“

RB Leipzig hat sich seit der letzten Niederlage gegen den BVB weiterentwickelt

Nach dem 1:3 im Januar, als die Dortmunder RB nach der ersten halben Stunde das Spiel aus der Hand rissen und eine der besten zweiten Hälften der Saison auf den Rasen legten, sieht Nagelsmann viel mehr die Zeit gekommen für taktische Anpassungen. Man dürfe die Borussia „nicht in ihre Tempoaktionen kommen lassen“ und „nicht unnötig aus der Struktur herausrennen“. Unter ihrem bald scheidenden Trainer haben sich die Leipziger von einer reinen Pressing-Mannschaft mit überbetontem Umschaltspiel zu einer flexiblen, variablen Elf entwickelt. Das soll auch der Doppelgegner zu spüren bekommen.

„Wir wollen“, verriet Nagelsmann dann doch, „am Samstag manches anders machen, aber definitiv nicht über das gesamte Spiel.“ Der Begriff „Testen“ sei dafür aber das falsche Wort und zu hoch gegriffen. „Wir wollen unseren Plan durchziehen und das zeigen, was uns stark macht, was wir gut können. So viel Spielraum gibt es da nicht für Experimente.“ Mit ausdrücklichem Gruß an seinen Trainerkollegen Edin Terzic in Dortmund schob er außerdem nach: „Wir werden nichts machen, was noch nie da war.“ Da gehe es auch um den nötigen Rhythmus und die Abläufe im Spiel.

Borussia Dortmund steht mehr unter Druck als RB Leipzig

Dass die Borussia auf Platz fünf mehr unter Druck stehe als seine Mannschaft, der Platz zwei kaum noch zu nehmen ist, das sieht auch der 33-jährige RB-Coach so. Er wisse aber auch um die Folgen des Ausgangs der Partie am Samstag. „Davon wird für das Pokalfinale eine extreme Spannung ausgehen.“

Pokern oder powern? Von einer Herberger-Taktik will in Leipzig bislang niemand etwas wissen. Aber auch das kann ein Bluff sein.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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Jürgen Koers

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