Borussia Dortmund gegen den FC Bayern, das ist auch ein Duell zweier spezieller Trainertypen. Wir haben Lucien Favre und Niko Kovac miteinander verglichen - mit einem deutlichen Ergebnis.

Dortmund

, 03.04.2019 / Lesedauer: 4 min

In 45 Tagen gibt es eine Premiere. Das ist sicher. Ein Trainer darf mit seiner Hand zum ersten Mal die Schale greifen. Wird es BVB-Trainer Lucien Favre sein? Oder Bayerns Coach Niko Kovac? Welcher Schmied – Kovac ist kroatisch für Schmied, Favre die französische Entsprechung – fertigt sein Meisterwerk? In unserer Analyse liegt Favre vorne.

1. Die Ausgangslage:

Eine Mannschaft, die ihren Zenit längst überschritten hat, erbte Niko Kovac im Sommer bei den Bayern. Frisches Blut? Gab es nicht. Als „Trainer einer Ruine“ (Die Zeit) musste er, erstmals bei einem Topklub angestellt, Respekt einfordern und sportlich überzeugen. In der Hinrunde gelang das nur bedingt.

Aber der Kroate durfte trotz Ergebnis- und Identitätskrise weitermachen, weil Präsident Uli Hoeneß sagte: „Ich werde Niko verteidigen bis aufs Blut.“ Die Champions League ist passé. Wenn in Liga und DFB-Pokal nichts herausspringt für die Bayern, hat Kovac ausgedient.

BVB-Trainer Favre oder Bayern-Coach Kovac - Welcher Schmied fertigt sein Meisterwerk?

© Deltatre

Als Wunschtrainer von Kapitän Marco Reus und Sportdirektor Michael Zorc („Er hat alle seine Mannschaften besser gemacht“) durfte Lucien Favre den BVB nach einer Katastrophensaison neu gestalten. Der Umbruch gelang schneller, die Erwartungen hat der Schweizer übererfüllt.

Schöner und meist erfolgreicher Fußball, eine Mannschaft, mit der sich die Fans identifizieren können, das ist Favres Werk. Auch die Krise im Februar, als einige Spiele ihre Konzentration verloren hatten, meisterte er. Jetzt liegt die Borussia zwei Zähler vorne.

Kovac : Favre 0:1

2. Die Erfahrung

Favre ist 61, Kovac 47 Jahre alt. Selbstredend hat der Schweizer mehr Spiele gecoacht (711:154). Er hat von Abstiegs- bis Titelkampf alles erlebt. Was ihm fehlt, sind die großen zählbaren Erfolge, der BVB ist seine erste Trainerstation auf Top-Niveau.

Trophäen kann Kovac vorweisen, als Spieler wurde er Meister und DFB-Pokalsieger mit den Bayern, mit Eintracht Frankfurt holte er als Coach den Cup. Hinzu kommen satte 83 Länderspiele für Kroatien.

Kovac : Favre 0,5:0,5

3. Die Taktik

Egal ob er als Perfektionist oder Nerd beschrieben wird, Fußballtaktik ist das Steckenpferd von Lucien Favre. Ihn interessieren die Gesamtheiten beim Gegner, mühelos referiert er unterschiedliche Spielsysteme der Gegner der vergangenen Wochen.

Pausenlos beschäftigt er sich mit der Aufstellungslehre. Die Unwägbarkeiten des Spiels sind eben nicht zu planen, er wünscht sich das Spiel aber so klinisch wie möglich.

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Niko Kovac geht einen anderen Weg. In ihm steckt immer noch der Mittelfeldkämpfer von damals. Klare Aufgaben schreibt er seinen Spielern hinter die Ohren, Systemfragen bilden nur einen Aspekt unter vielen. Als der FC Bayern in der Königsklasse nach zögerlichem, passivem Spiel gegen Liverpool ausschied, gab es aus der Mannschaft Kritik an der Ausrichtung.

Am Wochenende beim 1:1 in Freiburg flog Kovac seine Aufstellung (Boateng statt Süle, Müller statt Gnabry) um die Ohren. Handwerklich leistet er sich noch zu viele Fehler.

Kovac : Favre 0:1

4. Die Persönlichkeit:

Neulich wurde es lustig in der BVB-Kabine, Lucien Favre musste Lacher über sich ergehen lassen. Der Einfachheit halber diktierte er Axel Witsel seine Aufforderungen auf Französisch und machte in dieser Sprache weiter – bis ihm das perplexe Gesicht von Marco Reus auffiel. Der verstand nichts. Alle feixten.

Favre ist kein Entertainer, kein Menschenfänger, kein Einpeitscher. Laut wird er nur, wenn ein Spieler nicht pariert. Favre liebt Fußball und verfolgt unbeirrt seinen Plan. Auch in der Woche vor dem Topspiel? Sportdirektor Michael Zorc: „Wer Lucien Favre kennt, der weiß, dass die Vorbereitung nicht von äußeren Einflüssen oder der Gesamtkonstellation abhängt.“

In der Kabine mit der ligaweit größten Ego-Ansammlung in München muss sich Niko Kovac weiter profilieren. Er gilt als feiner Mensch, der nichts Böses im Sinn hat.

Ob er zu brav, zu unautoritär für die Chefrolle beim Starensemble des FC Bayern ist, lässt sich nicht final beantworten. Bei seinen vorigen Stationen fruchtete der freundschaftliche Führungsstil.

Kovac : Favre 0,5 : 0,5

Das Fazit

Im direkten Vergelich der beiden Trainer hat BVB-Coach Lucien Favre mit 3:1 Punkten die Nase vor seinem FCB-Kollegen Niko Kovac.

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