BVB-Keeper Roman Bürki (l.) und Jan-Pascal Reckert. © Noah Wedel/Kirchner-Media
Borussia Dortmund

BVB-Torwart Reckert: „Ich bin da, wenn alle Stricke reißen“

Jan-Pascal Reckert wurde nie zum Vielspieler beim BVB, er erlebte Höhen und Tiefen - und ist doch rundum zufrieden. Wie es nach der Fußball-Karriere weitergehen soll, verrät er im Interview.

Jan-Pascal Reckert startet 2021 ins sein elftes Jahr beim BVB. Zum Vielspieler wurde der 23 Jahre junge Torwart nie, doch er ist zufrieden mit seinem sportlichen Schaffen, unterstützt derzeit die Profi-Keeper im Training. Reckert will den Dortmundern noch lange erhalten bleiben – und überlegt, in den Trainerjob einzusteigen. Darüber spricht er in diesem Interview mit den Ruhr Nachrichten – und blickt zurück auf die lange Beziehung mit seinem Herzensklub.

Herr Reckert, was ging dem vierzehn Jahre jungen Jan durch den Kopf, als er 2011 als Gastspieler erstmals zur Borussia kam?

Ganz ehrlich, das hätte ich mir nie erträumt. Es kam aus heiterem Himmel. Daniel Rios (aktuell bei der U19 des BVB, d. Red.) hatte mich gesehen und den Kontakt zur Borussia hergestellt, das erste Training habe ich bei Massimo Mariotti gemacht – später war der ja noch Übersetzer bei den Profis. Weil die Torhüterplätze damals alle besetzt waren, Thomas Feldhoff (der jetzige U23-Torwarttrainer, d. Red.) mich aber trotzdem halten wollte, war ich ein Jahr als Gastspieler beim BVB. Zweimal die Woche habe ich dort trainiert – und die restlichen Tage war ich beim TuS Eving-Lindenhorst. Zur U15 hat mich die Borussia dann übernommen.

War ein wenig Ehrfurcht dabei?

So würde ich es nicht nennen, eher war es eine Aufgeregtheit, die ich gespürt habe. Es war einfach eine coole Sache, die schwarzgelben Klamotten mit dem BVB-Logo tragen zu dürfen. Ich bin durch und durch Dortmunder – da ist das natürlich umso schöner. Nur: Die Freude musste ich natürlich irgendwann überwinden und mir klar machen, dass ich hier wirklich was tun musste. Um nicht nur das Trikot zu tragen, sondern auch etwas zu erreichen.

Das hat dann auch geklappt. Mit der B-Jugend gewannen Sie 2014 die Deutsche Meisterschaft, wechselten sich mit Dominik Reimann – jetzt bei Zweitligist Holstein Kiel – im Tor ab.

Das war meine erfolgreichste Zeit beim BVB. Am Anfang der Saison hat keiner mit uns gerechnet – die B-Jugend wurde noch mal aufgeteilt, wir waren anfangs nur Endjahrgänge und Leverkusen war das Maß aller Dinge. Wir haben uns vorgenommen, sie zu jagen – und das hat am Ende funktioniert. Weil wir eben nicht favorisiert waren, war es wohl ein so tolles Gefühl. Für mich persönlich lief es natürlich auch gut: Ich hatte in dieser Saison viele Spielanteile, war außerdem bei der Nationalmannschaft.

In der U19 war es dann komplett gegensätzlich, Sie haben in zwei Jahren kein einziges Spiel gemacht.Im privaten Bereich hatte ich ein paar Dinge zu regeln – und dann kam noch eine Verletzung hinzu.

Das Patellaspitzensyndrom.

Richtig. Die Auswirkung war bei mir richtig heftig. Ich konnte teilweise nicht die Treppe hochlaufen, musste meine Fahrschultermine streichen. Das Gehen ist mir richtig schwer gefallen. Ich musste mein Bein komplett ruhig stellen – das war natürlich Mist. Andererseits hatte ich immer noch Kontakt zu den Leuten im Verein. Ich wurde nie vergessen – das macht den BVB auch aus.

Sie haben trotz dieser Rückschläge einen U23-Vertrag erhalten, kämpften dort immer wieder um den Platz als Stammtorwart. Immer wieder wurde Ihnen aber ein Konkurrent vor die Nase gesetzt. Hat Sie das nie zur Weißglut getrieben?

Natürlich war ich unzufrieden, allerdings bin ich der Meinung, dass man seine schlechte Laune für sich behalten sollte und sich in den Dienst des Team stellen muss. Ich kenne meine Schwächen sehr gut, kann mich realistisch einschätzen. Wenn die Argumente des Trainers passen und er mir seine Entscheidung gut erklärt, kann ich damit leben. Dann mache ich weiterhin so gut es geht meine Arbeit.

20 Mal durften Sie in der Regionalliga auflaufen, verteilt auf vier Regionalliga-Spielzeiten. In der aktuellen sind Ihre Einsatzchancen weiter gesunken, Sie trainieren stattdessen fast durchweg bei den Profis. Füllt Sie das vollkommen aus?

Auf jeden Fall. Man sagt ja: Die Torhüter sind ihre eigene Gruppe. Und das stimmt wohl auch. Im Training kann ich ganz viel helfen, es geht um die Stimmung, es geht darum, die anderen Keeper zu unterstützen. Außerdem ist es wichtig, die Qualität im Training der Profis hochzuhalten. Der BVB weiß, dass es für mich nicht für ganz oben reicht, ich aber genug Qualität besitze, um das Torwartteam im Training zu unterstützen. Ich kenne Roman Bürki jetzt schon fünf Jahre – ich glaube, es ist gut, dass ich als Konstante dabei bin.

Fehlt es Ihnen gar nicht, mal wieder ein Pflichtspiel zu machen? Ihr letztes datiert vom 14. Dezember 2019, als der BVB II in Lotte 1:1 spielte.

Nein, das fehlt mir nicht. Wenn es noch mal dazu kommen sollte, dann wird es ein tolles Gefühl und dreifach so schön sein. Ich bin da, wenn alle Stricke reißen. Das ist meine Aufgabe – und damit bin ich voll und ganz zufrieden.

Wohl auch, weil Sie sich in Zusammenarbeit mit den Profis immer noch einiges abschauen können.

Absolut.

In der täglichen Arbeit unterstützen Sie Roman Bürki und Marwin Hitz, sind noch bis Sommer 2022 als Spieler angestellt. Wie geht es dann weiter? Sie denken schon an die zweite Karriere.

Erst mal bin ich noch Spieler, das ist Fakt. Nebenbei möchte ich aber bald mit der B-Lizenz anfangen und in den Trainerberuf reinschauen. Aktuell geht es in Richtung Torwarttrainer.

Dortmunds Torhüter Jan-Pascal Reckert blockt im Training einen Schuss von Marcel Schmelzer. © Guido Kirchner © Guido Kirchner

Sie wollen hospitieren in den Juniorenteams des BVB.

Genau, wegen der Pandemie konnte ich damit noch nicht anfangen. Schlimm ist das allerdings nicht – denn wie gesagt: Ich habe ja noch anderthalb Jahre Vertrag und deshalb gar keinen Zeitdruck.

Was reizt Sie am Trainerberuf?Beim TV Brechten habe ich ab und an die Mannschaft von meinem Bruder trainiert und mich dort um die Keeper gekümmert. Ich habe gemerkt, dass ich gerne mit jüngeren Menschen zusammenarbeite – das macht mir Spaß. In den vergangenen Jahren konnte ich beim BVB viel lernen, vor allem im Torwartbereich. Das kann und möchte ich weitergeben.

Welche Fähigkeiten braucht denn Ihrer Ansicht nach ein moderner Torhüter? Worauf geben Sie Acht?

Die grundlegende Basis ist das Fußballspielen mit links und rechts, er muss technisch gut sein. Die Größe muss nicht zwingend 1,95 Meter betragen, es gibt ja mittlerweile einige Keeper, die kleiner sind – Keylor Navas zum Beispiel. Er macht es mit einer guten Sprungkraft und einem guten Stellungsspiel. Dazu gehört die richtige Fangtechnik und eine gute Raumbeherrschung.

Und ein guter Torwarttrainer – was braucht der?

Das fachliche Wissen muss vorhanden sein. Darüber hinaus entscheidet sich im Tor aber vieles im Kopf. Auf der Torwartposition ist das ein ganz wichtiges Element. Und der Torwarttrainer muss sich dessen bewusst sein, muss mal ein Gespräch mit dem Keeper führen können, ihn verstehen – und wissen, was er gerade braucht. Das halte ich für ganz wichtig.

Abschließend gefragt: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie den BVB noch vor Ablauf Ihres Vertrages verlassen?

Das kann ich ausschließen. Beim BVB fühle ich mich wohl – die Borussia ist mein Verein. Ich möchte noch lange Teil des Klubs bleiben und mich weiter fortbilden – als Spieler und Trainer.

Über den Autor
Volontär
Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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Leon Elspaß
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