BVB-Torhüter Luca Unbehaun überzeugt – und bekommt Lob vom DFB

dzBorussia Dortmund

Borussia Dortmunds Luca Unbehaun hat inzwischen zehn Regionalliga-Spiele absolviert. Zu großen Teilen überzeugt das Top-Talent - und erhält Lob vom DFB.

Dortmund

, 07.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es gibt zufriedenstellende, schöne Tage. Und es gibt Tage, die schnell verfliegen sollen. So einen erlebte Luca Unbehaun am vorvergangenen Sonntag. Beim 1:1 gegen den Regionalligisten Bonner SC konnte er sich weder auszeichnen noch sonderlich viele Ballaktionen sammeln. Stattdessen kassierte er einen Treffer – und seine BVB-II-Mitspieler verpassten es trotz zigfacher Versuche und vieler Chancen, den insgesamt biederen Gegner zu besiegen.

BVB-U23-Keeper Unbehaun hadert mit vergangenen Ergebnissen

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Als „eher unglückliches Ergebnis“ beschreibt Unbehaun dieses Spiel gegenüber den Ruhr Nachrichten. Schon in der ersten Hälfte hätten seine Vorderleute die Partie „safe machen können. Wir haben das aber nicht hinbekommen“. Und: „Bei der Ecke haben wir nicht richtig verteidigt.“ Vor dem Gegentreffer war der Ball in Richtung des Fünfmeterraums geflogen, weder ein Dortmunder Feldspieler noch Unbehaun gelangte an die Kugel – schon war es passiert.

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Ob er die Hereingabe aggressiv-offensiv hätte klären können? „Ich habe mir das Gegentor noch mal auf Video angesehen“, sagt Unbehaun. „Es war recht schwierig für mich. Am ersten Pfosten gehen mehrere Leute hoch zum Kopfball, die springen knapp unter dem Ball durch. Wenn ich aus dem Tor gehe und einer erwischt den Ball, sehe ich doof aus. So bin ich auf der Linie geblieben – und der Ball fällt quasi auf den Kopf des Torschützen.“

BVB-Keeper Luca Unbehaun: Zeit für ein Zwischenfazit

Der hätte nicht mal hochspringen müssen, bemerkt Dortmunds Profi-Keeper Nummer drei. „Eine unglückliche Situation, für die Mannschaft und auch für mich persönlich“, so Unbehaun, der in fünf von sechs Partien in der Spielzeit 2020/2021 im Tor des BVB II stand – und jetzt insgesamt zehn Regionalliga-Partien unter seinem Bilanzstrich weiß. Zeit für eine Reflexion. Was sagen diese ersten Arbeitsnachweise im Seniorenbereich über seinen Leistungsstand aus?

Unbehaun kam Anfang Januar 2020 ins Team. Intern wurde der nun beim FC Utrecht unter Vertrag stehende und rund fünf Jahre ältere Eric Oelschlägel zwar minimal stärker eingestuft. Das Top-Talent sollte aber Spielpraxis sammeln – und machte seine Sache zunächst gut. Unbehaun zeigte sich reaktionsstark mit den Händen und behände mit dem Ball am Fuß. Allein: Dieses grundpositive Bild bekam leichte Kratzer. Einerseits nach dem 3:3 bei Fortuna Düsseldorf II, andererseits nach dem 2:2 beim VfB Homberg.

BVB-U23-Torwart Unbehaun: „Fehler gehören zum Fußball“

Dort, im Duisburger Stadtteil, ließ Unbehaun in der 90. Minute einen haltbaren Distanzschuss fallen. Der Ball flutschte ihm durch die Finger, ein Homberger staubte ab. „Fehler gehören zum Fußball und sorgen für einen Lernprozess“, sagt Unbehaun. An dem Patzer habe er sich nicht lange aufgehalten. „Klar nervt es mich in der Situation und ein paar Tage danach. Dann kommt aber schon das nächste Spiel – und dann fokussiere ich mich darauf.“

Das gelang dem Youngster äußerst ansprechend. Von außerhalb wurden nie kritische Stimmen laut. Und innerhalb des Klubs halten sie weiterhin viel von ihrem Eigengewächs, das seit 2016 bei der Borussia gefördert und gefordert wird. In den vergangen fünf Spielen der neuen Spielzeit knüpfte Unbehaun an diese guten Leistungen des Saisonfinales an. Gegen die Sportfreunde Lotte (2:0) rettete er zweifach, gegen Wiedenbrück war er einmal auf dem Posten (4:1).

BVB-U23: Luca Unbehaun sieht „überall“ Verbesserungspotenzial

„Wenn man wenige Gegentore bekommt, freut man sich immer. Natürlich will man zu Null spielen, das geht aber leider nicht immer“, sagt der Ballfänger, der seit Saisonstart viermal hinter sich greifen musste. Zum aktuellen Zeitpunkt sei er „ganz zufrieden“ mit sich, so Unbehaun. Wenngleich der 1,85 Meter große Mann im Nachsatz bekräftigt, dass „überall“ noch Verbesserungspotenzial bestehe. Zum Beispiel in der Verteidigung des Luftraums.

Da sei zuvorderst das Timing wichtig, „die Abläufe müssen stimmen. Und man braucht Mut. Man darf sich nicht verstecken, musst mutig aus seinem Tor kommen – und darf nicht jeden Flankenball über sich ergehen lassen“. Im Vergleich zum Jugendbereich hat Unbehaun zwei Unterschiede in diesen Situationen festgestellt: „In der Seniorenliga sind robustere Spieler auf dem Feld“, sagt er, „viele können Flanken außerdem besser einschätzen als die Spieler im Juniorenfußball“.

BVB-Torhüter Unbehaun gehört fußballerisch zur Elite

Daran habe er sich gewöhnen müssen. Das gibt Unbehaun unumwunden zu. Fußballerisch gehört der geborene Bochumer derweil schon zur Liga-Elite. In diesem Bereich sei er „sehr, sehr gut“, befand U23-Coach Enrico Maaßen kürzlich – und freute sich über einen wohldosierten Flugball, mit dem Unbehaun seinem Kollegen Taylan Duman in Wiedenbrück einen Treffer ermöglichen konnte. Über 60, 70 Meter servierte er die Kugel da in den Rücken der gegnerischen Abwehr.

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„Taylan hat mir seinen Laufweg angezeigt und gerufen“, erklärt Unbehaun. „Und dann habe ich den Ball einfach mal dort hineingespielt. Das hat gut geklappt.“ In der Tat. Es war eine dieser Szenen, die Unbehaun unweigerlich von der Masse abheben. „Im Moment“, sagt der bis Juli 2022 an den BVB gebundene Keeper, passe es ihm „sehr gut“, dass er im Training bei den Profis mitmischen und am Wochenende in der Regionalliga auflaufen dürfe.

BVB-U23-Keeper Luca Unbehaun kann sich dem DFB präsentieren

So kann er weitere Entwicklungsschritte vollziehen – und sich dem DFB präsentieren. In der vergangenen Woche erst wurde er für einen U20-Lehrgang eingeladen, trifft am 7. Oktober auf die Schweiz. Dort will sich Unbehaun in Position bringen, um das Startelf-Mandat zu erhalten, wenn die EM-Qualifikation der U19 im November ansteht. „Das sollte immer der Anspruch sein“, sagt der Torhüter. „Ich versuche, im Training alles zu geben – und will dann als Nummer eins starten.“

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Marc Ziegler, von 2007 bis 2010 bei Borussia Dortmund aktiv und inzwischen als DFB-Torwartkoordinator tätig, meint gegenüber dieser Redaktion: „Es ist immer gut, wenn unsere Talente selbstbewusst auf einen Stammplatz drängen und dies auch mit Leistung untermauern. Luca gehört im Jahrgang 2001 momentan zu den Top-Torhütern in Deutschland.“ Ebenso wie die anderen Spitzentalente in Unbehauns Alter „begleiten wir ihn sehr eng in seiner Entwicklung“.

BVB-Keeper Unbehaun für Länderspiel nominiert

DFB-Coach Guido Streichsbier hat den BVB-Tormann neben Diant Ramaj aus Heidenheim für das Länderspiel und die Trainingsphase nominiert. Dieser Lehrgang, so Ziegler, „gilt als Generalprobe für die U19-EM-Quali im November“. Unbehaun habe jetzt die Möglichkeit, „sich für weitere Maßnahmen zu empfehlen“. Freilich: Es zählt vor allem die derzeitige Leistungsfähigkeit, nicht die generell hohe Wertschätzung, die Ziegler im Namen des Deutschen Fußball-Bundes noch mal unterstreicht.

„Luca ist ein sehr talentierter Torhüter, der seit der U16 sämtliche U-Nationalmannschaften durchlaufen hat“, meint der inzwischen 44-jährige Ex-Profi. Unbehaun besitze eine „sehr gute Zielverteidigung und arbeitet auch permanent daran, ein stets mitspielender Torwart zu sein“. Er habe „grundsätzlich das Potenzial, oben anzukommen, und ist sich bewusst, dass er dafür noch weitere Schritte gehen muss“. In jedem Training und in jedem Spiel. Bei der Borussia und beim DFB.

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