BVB-Stürmersuche: Favres „Ja“ zu einem neuen Angreifer mit viel Anlauf

dzBorussia Dortmund

Die BVB-Stürmersuche läuft. Die Qualitäten, die der neue Knipser mitbringen soll, lassen sich leicht beschreiben – nun gibt auch der Trainer seinen Segen für noch einen gelernten Stürmer.

Dortmund

, 05.12.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Lucien Favre sagte einfach „ja“. Es ging fast ein bisschen unter auf der Pressekonferenz vor Borussia Dortmunds Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. So, wie auch das Spiel gegen den Tabellen-15. der Bundesliga fast ein bisschen unterging.

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Es dominierten andere Themen am Donnerstag. Die Formkrise des Kapitäns Marco Reus zum Beispiel, vor allem aber Borussia Dortmunds Stürmersuche. Es soll ein neuer Knipser her im Winter, Marke bulliges Strafraumungeheuer mit gutem Kopfballspiel und einem Herz für Soforthilfe.

Auf die Frage, ob der neue Stürmer, mit dem der BVB seinen Kader in der Winterpause frisieren möchte, bullig, groß und kopfballstark sein müsse, ob all das entscheidende Faktoren seien, weil es so einen Spieler im Dortmunder Kader derzeit nicht gebe, sagte Favre kurz und schmerzlos „ja“.

Neue Sichtweise bei BVB-Trainer Lucien Favre?

Diese zwei Buchstaben gingen nicht nur fast ein bisschen unter, sie entglitten auch durchaus überraschend aus Favres Mund. Bislang stand der BVB-Trainer nie im Verdacht, genau solche Spielertypen sonderlich zu mögen, geschweige denn sie liebend gerne aufzustellen.

BVB-Stürmersuche: Favres „Ja“ zu einem neuen Angreifer mit viel Anlauf

Wechsel im Sturm? Lucien Favre scheint einem neuen Stürmer nicht abgeneigt. © imago images/Matthias Koch

Der Schweizer stand eher im Verdacht, sie zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Borussia Mönchengladbach hatte 2012 mal viel Geld für Luuk de Jong ausgegeben, als Favre dort Trainer war. Der Niederländer wurde nie glücklich am Niederrhein – und die Vermutung liegt bis heute nahe, dass dieser Umstand auch mit Favre und seiner Idee vom Fußball zusammenhing.

Im Sommer sah Lucien Favre keine wirkliche Not

In Dortmund, so ist zu hören, hat sich der 62-Jährige ziemlich lange erfolgreich gegen die Verpflichtung eines großen, bulligen und kopfballstarken Stürmers gewehrt. Im Sommer 2018, kurz nach seinem Amtsantritt in Dortmund, sprach Favre sich für Paco Alcacer als neuen BVB-Stürmer aus.

Kein Mario Mandzukic, kein Olivier Giroud, kein Divock Origi. Er wollte einen mitspielenden Stürmer, keinen Leuchtturm im gegnerischen Sechzehnmeterraum, keinen, für den Kombinationsfußball womöglich so etwas wie ein Fremdwort sein könnte.

Im vergangenen Sommer dann, als das Thema Strafraumstürmer erneut auf der Dortmunder Agenda auftauchte, sah Favre keine wirkliche Not für einen weiteren Angreifer in seinem Aufgebot. Außer Alcacer könne Jacob Bruun Larsen ganz vorne spielen, Mario Götze auch, Thorgan Hazard, Julian Brandt.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke erklärte Ende Juli, er verstehe die Diskussion nicht. Borussia Dortmund habe schließlich genauso viele gelernte Stürmer im Kader wie Bayern München, nämlich einen. „Wenn es nach Größe geht, hätten Uwe Seeler und Gerd Müller auch nie den Ansprüchen genügt. Paco ist dieses Jahr deutlich straffer, weil er die gesamte Vorbereitung mitmachen kann. Deswegen muss niemand so tun, als ob wir keine Stürmer hätten.“

Jacob Bruun Larsen spielt kaum, Mario Götze nur selten

Gut vier Monate später, Ende November, hat Watzke auf der BVB-Mitgliederversammlung ganz offen eingeräumt, dass er und die sportliche Führungsriege der Borussia mit dieser Einschätzung danebengelegen haben. Es sei ein Fehler gewesen, im Sommer keinen weiteren gelernten Stürmer verpflichtet zu haben.

Favres Argumente, sofern er noch immer von ihnen überzeugt ist, finden kein Gehör mehr. Bruun Larsen spielt eigentlich gar nicht, Götz nur sehr selten, Hazard hat seine Möglichkeiten als falscher Neuner trotz des guten Auftritts in Berlin am vergangenen Wochenende zu selten aufblitzen lassen, Brandt spielt, wie er selbst sagt, deutlich lieber im Mittelfeldzentrum als im Sturm oder auf dem Flügel, Alcacer ist nicht so straff wie erhofft.

„Wahrscheinlich sind wir an mehreren Spielern interessiert“

Und deswegen wird jetzt an der Fehler-Korrektur gearbeitet. Der Name des französischen Weltmeisters Olivier Giroud, nur Ersatz beim FC Chelsea, hält sich hartnäckig in Dortmund, der Name Erling Haaland, ein 19-jähriger Norweger, der für Red Bull Salzburg in dieser Saison 27 Tore in 20 Pflichtspielen erzielte, darunter acht in der Champions League, elektrisiert die Entscheidungsträger mit seiner unglaublichen Trefferquote.

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„Wahrscheinlich“, sagte Favre am Donnerstag noch, „sind wir an mehreren Spielern interessiert. Man weiß, dass es im Winter sehr schwer ist, einen Transfer zu realisieren.“ Man werde sehen, wie es ausgeht.

Michael Zorc, der auf der Pressekonferenz fehlte, lotet derzeit Borussia Dortmunds Optionen auf dem Transfermarkt aus. Über den Stand der Dinge wollte er am Donnerstag im Gespräch mit dieser Redaktion naturgemäß und nachvollziehbarer Weise nicht reden. Zumindest das „Ja“ von Favre zu einem neuen Stürmer aber, davon ist auszugehen, wird er gerne vernommen haben. Es kann beileibe nicht schaden in den Verhandlungen.

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