Blickt positiv in die Zukunft: BVB-Profi Mateu Morey. © Mareen Meyer
Borussia Dortmund

BVB-Spieler Morey im Exklusiv-Interview: „Ich habe gelernt, so etwas zu schätzen“

Eine schwere Knieverletzung wird BVB-Spieler Mateu Morey noch viele Monate außer Gefecht setzen. Im Exklusiv-Interview spricht der 21-Jährige über seinen Comeback-Plan und einen großen Traum.

Wissen Sie eigentlich, wer Marco Rose ist?

Trainer, oder? (lacht)



Richtig. Er ist jetzt schon ein halbes Jahr da, Sie haben seitdem aber noch nicht mit ihm arbeiten können. Wie ist der Kontakt zu ihm?

Als ich verletzt war, hatten wir viel Kontakt über WhatsApp. Er hat mir häufig geschrieben und mich gefragt, wie es mir geht und mir Mut gemacht. Seitdem ich wieder hier in Dortmund bin, sehe ich ihn jeden Tag, und wir sprechen viel miteinander.

Sie sehen Ihn jeden Tag, die Mannschaft jeden Tag, wie sie auf dem Platz arbeitet. Wie sehr juckt es in den Füßen, endlich wieder dabei zu sein?
Ich habe große Lust, wieder dabei zu sein. Aber meine Herangehensweise ist jetzt eine andere. Ich setze mir kein großes, fernes Ziel. Ich gehe immer nur die nächste Teiletappe an und will das Etappenziel erreichen.

Wie gefällt Ihnen der Fußball, den der BVB unter Marco Rose spielt?

Er ist ein Trainer, dem attraktiver Fußball mit schnellen Kombinationen und viel Pressing gefällt. Natürlich gibt es immer Dinge, die man verbessern muss. Aber grundsätzlich ist die Mannschaft auf einem sehr guten Weg.

Passt dieser Spielstil auch zu Ihnen?

Ja, ich fühle mich persönlich sehr wohl mit diesem Spielstil. Ich war in der Jugend beim FC Barcelona, dort wird auch sehr aktiv und offensiv gespielt. Deswegen kann ich mich sehr gut damit identifizieren.

Sie haben offenbar alle Spiele des BVB angeschaut. Tut es nicht weh, nur zugucken zu können und nicht selbst auf dem Platz zu stehen?

Natürlich. Leider habe ich als Spieler schon mehrere Verletzungen gehabt. Ich kenne das Gefühl also. Ich versuche trotzdem, aus den Spielen etwas mitzunehmen und zu lernen.

Sie sagen es: Es war nicht die erste schlimme Verletzung in Ihrer Karriere. Auch beim FC Barcelona sind Sie mit einem Meniskusriss fast ein Jahr lang ausgefallen. Was braucht es, um trotz der Rückschläge positiv zu bleiben – und nicht an ein Karriereende zu denken?

Ich bin jung und habe noch viel Zeit in meiner Karriere vor mir. Und ich habe grundsätzlich eine sehr positive Einstellung und Mentalität. Wenn man negativ denkt, zieht einen das nur runter und verschlechtert die Gesamtsituation. Außerdem – wie schon betont – setze ich mir keine langfristigen Ziele. Wenn ich mir jetzt die ganze Zeit sagen würde, ich will unbedingt spielen und es klappt dann nicht so schnell, wirft es mich nur zurück. Kurzfristige Ziele sind besser, dann kommt man auch weiter.

Sie sind den langen und beschwerlichen Weg der Reha schon einmal gegangen. Macht es das jetzt beim zweiten Mal leichter?

Als ich im Krankenhaus war, wusste ich sofort, dass es eine schlimme Verletzung ist. Aber ich wusste auch, dass es einen Weg zurück gibt und wie dieser aussieht. Es ist zwar nicht die gleiche Verletzung, aber eine ähnliche Situation. Ich wusste sofort, was auf mich zukommt. Das hat mir geholfen, mit positiven Gedanken die Situation anzunehmen.

Wer hat Ihnen in den schwersten Momenten am meisten geholfen?

Alle, die in meiner Nähe waren. Meine Familie, meine besten Freunde, meine Freundin. Auf der anderen Seite aber auch die Fans, die mich über die sozialen Netzwerke unterstützt und mir Mut gemacht haben. Sie haben mir geschrieben, dass sie sich freuen, wenn ich wieder zurückkomme. Das hat mir sehr viel positive Energie gegeben.

Und die Jungs aus dem Team?

Marco Reus und Edin Terzic haben mich nach der Verletzung sofort im Krankenhaus besucht. Wir verstehen uns aber alle ziemlich gut, alle klopfen mir auf die Schulter und sind für mich da. Das hilft.

Sie waren während der Corona-Zeit verletzt. War das besonders schwer?

Eigentlich war es genau andersherum, es war sogar leichter. Ich war sowieso ans Sofa gebunden und alle anderen durften auch nicht groß raus. So konnten sie dann häufig bei mir sein.

Die ersten Monate nach der Verletzung haben Sie auf Mallorca verbracht. Wie sehr hat die mallorquinische Sonne beim Heilungsprozess geholfen?

Die konnte ich leider nicht ganz so oft genießen, da ich die meiste Zeit drinbleiben musste. Es ging mir nicht schlecht in der Zeit, aber der Super-Sommer war es jetzt auch nicht.

Teile Ihrer Reha haben Sie beim RCD Mallorca absolviert. Gab es schon ein Angebot?

Nein, es gab noch keins (lacht). Aber ich habe einen guten Kontakt zum Verein und erinnere mich gerne an die Zeit dort zurück. Ich habe schöne Jahre in der Jugend erlebt, habe noch viele Freunde auf Mallorca. Der Verein hat mir geholfen, dass ich meine Reha auf der Insel fortsetzen und trainieren konnte. Drei- bis viermal in der Woche war ich dort. Ich bin sehr dankbar dafür, dass man mir die Möglichkeit dazu gegeben hat.

Wie sieht aktuell der typische Morey-Tag aus?

Ich stehe früh auf und gehe zum Training, um so viel wie möglich zu trainieren und das Maximum rauszuholen. Aber natürlich nur in dem Rahmen, wie es das Knie zulässt. Danach verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie und meiner Freundin. Ich versuche auch, einfach mal abzuschalten vom Fußball, um die Batterie für den nächsten Tag wieder voll aufzuladen.

Beim Pokal-Halbfinale gegen Holstein Kiel zog sich Mateu Morey eine schwerwiegende Knieverletzung zu. © dpa © dpa

Der Kopf spielt eine wichtige Rolle. Wie schaffen Sie es, die Gedanken auszublenden, dass Sie sich nach Ihrer Rückkehr wieder verletzen könnten?

Es gibt zwei Seiten: Die eine kann ich kontrollieren, die andere leider nicht. Was die erste Seite angeht, versuche ich alles zu machen, was ich machen kann: Das Knie stärken, gut trainieren, die Angst loswerden. Und was die andere Seite angeht, hoffe ich einfach auf etwas Glück, dass ich nach meiner Rückkehr verletzungsfrei bleibe.

Ihr verletztes Bein sieht mittlerweile schon wieder richtig gut aus. Was ist das Geheimnis?

Das Geheimnis? Ich bin Mallorquiner (lacht). Spaß. Natürlich ist es wichtig, sich voll reinzuhängen. Aber man muss die Dinge auch annehmen, wie sie kommen – und das Beste draus machen. Das Leben hat mir jetzt nun mal diese Verletzung gegeben. Aber eben auch einen Sommer, in dem ich nach sieben Jahren Abstinenz mal wieder für drei Monate in meiner Heimat bei meiner Familie war. Ich habe gelernt, so etwas zu schätzen. Wenn man richtig im Fußball-Modus ist, bleibt dafür manchmal keine Zeit.

Machen Sie sich manchmal selbst Druck, dass es schneller gehen muss?

Mein Kopf weiß, dass ich verletzt bin. Deswegen gibt es keinen Druck. Mein Ziel ist es, mich jeden Tag zu verbessern – eben Schritt für Schritt. Schmelle (Marcel Schmelzer, Anm. d. Red.) sagt immer zu mir: „Besser als gestern sein, aber schlechter als morgen.“ Man kommt dem Ziel also immer ein bisschen näher, und das macht den Weg leichter. Wenn ich abends im Bett liege, denke ich aber natürlich schon daran, irgendwann wieder im Signal Iduna Park aufzulaufen.

Wie viel Geduld werden Sie noch brauchen?

Das weiß ich nicht. Aber ich werde Geduld genug haben und einfach froh sein, wenn ich endlich wieder spielen darf.

Gibt es denn trotzdem eine Restchance, dass Sie diese Saison noch für den BVB auflaufen?

Es wäre natürlich super, im letzten Spiel in der letzten Minute eingewechselt zu werden und ein Tor zu machen. Am besten im Pokalfinale (lacht). Aber ich mache mir nicht den Druck, dass es so kommen muss.

Sie haben jetzt monatelang als Fan auf den BVB geschaut. Was macht den Verein für Sie aus?

Die ganz besondere Verbindung zwischen den Fans und den Spielern, die Nähe, die es emotional gibt. Die Fans unterstützen die Mannschaft in guten und schlechten Phasen. Das ist unglaublich.

Unter ihren Bildern bei Instagram gibt es tausende Kommentare mit Genesungswünschen von den Fans. Gibt das diesen Tick an Extra-Motivation?

Es pusht mich sehr, zu sehen, dass die Fans sich freuen, wenn ich Fortschritte mache. Wir spielen für sie. Sie sind es, die uns zum Sieg führen. Und deswegen will ich unbedingt wieder vor ihnen spielen und Tore erzielen. Ich möchte den Fans danken für die Unterstützung, die sie mir ab dem ersten Tag der Verletzung entgegengebracht haben. Ich bin stolz, mich als einer von ihnen zu fühlen.

Wie oft ist Ihnen eigentlich schon Nobby Dickel im Traum erschienen und hat Ihren Namen bei der Mannschaftsaufstellung ins Mikrofon geschrien?

(lacht) Das ist schon viele Male passiert. Manchmal mache ich die Augen zu und denke daran, wie er vor der Südtribüne steht. Wenn ich wieder für den BVB spiele, will ich den Moment auf Video aufnehmen und für immer festhalten.

Bei Ihrer Ankunft in Dortmund haben Sie gesagt, Sie freuen sich auf das „Abenteuer BVB“ – wie spannend wird es noch?

Ich will dieses Abenteuer natürlich wieder im Stadion erleben. Ich habe vor meiner Verletzung hart gearbeitet und mache das auch jetzt wieder. Ich will immer das Beste geben. Es sind viele Leute daran beteiligt, die mit mir jeden Tag daran arbeiten und die Bedingungen für mein Comeback schaffen. Diesen Menschen möchte ich auch etwas zurückgeben, indem ich wieder spielen kann.

Sie sind erst 21 Jahre jung und haben schon viel durchgemacht.

Ich fühle mich wirklich privilegiert, in meinem Alter schon so viele Erfahrungen gemacht haben zu dürfen. Sowohl positive Erfahrungen wie Erfolge, aber auch negative wie die Verletzungen. Aber am Ende ist es all das, was mich als Person ausmacht und es mir ermöglicht, mich weiterzuentwickeln.

Im besten Fall natürlich mit Ihnen auf dem Platz – was kann der BVB in dieser Saison noch erreichen?

Ich sehe mich als Spieler, auch wenn ich gerade nichts auf dem Spielfeld beitragen kann. Aber natürlich außerhalb des Platzes. Deswegen: Als Mannschaft müssen wir alles geben, werden alles geben und so viel gewinnen wie möglich.

Den Pokalsieg widmeten die BVB-Profis – hier Thorgan Hazard – dem verletzten Mateu Morey. © imago / Witters © imago / Witters

So viel gewinnen wie möglich. Was heißt das konkret? Ist der Pokalsieg wieder drin?

Ich wünsche es mir sehr. Es ist möglich. Ich bin sehr motiviert, wir alle sind sehr motiviert. Es wäre das perfekte Saisonende. Perfekt für das Ende meiner Verletzung.

Ein Finale gibt es schon nächste Woche. Der BVB muss in der Champions League in Lissabon möglichst gewinnen, wenn er sicher weiterkommen will.

Wir sind Borussia. Wir werden gewinnen und uns die drei Punkte holen.

Sprechen Sie noch einmal mit der Mannschaft vor dem Spiel?

Das mache ich. Aber nicht in Lissabon, da bin ich nicht dabei. Ich werde dem einen oder anderen aber vorher auf jeden Fall noch positive Worte mit auf den Weg geben. Wir sehen uns ja immer irgendwo, in der Umkleide oder beim Essen.

Ihre Autoren
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
Zur Autorenseite
Sascha Klaverkamp

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.