BVB-Spieler Julian Brandt wird im Homeoffice zum Grillmeister und DJ

Borussia Dortmund

BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt nutzt die Bundesliga-Zwangspause, um sich als Grillmeister und DJ zu beweisen - mit mehr oder weniger großem Erfolg.

Dortmund

, 31.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 6 min
Versucht sich als Grillmeister und DJ: BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt.

Versucht sich als Grillmeister und DJ: BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt. © Groeger

Im Vereins-Podcast sprach Julian Brandt über ...


… über Langeweile während der Bundesliga-Pause: „Ich habe zum Glück das Talent, dass ich mich zu Hause immer gut beschäftigen kann. Ich habe mir - Gott sei Dank - einen Grill gekauft, bevor die Corona-Krise begann. Ich habe mich zum Grillmeister ausbilden lassen. Von mir selbst. Und ich habe angefangen, am Computer selber Musik zu mixen, was allerdings zunächst ein totaler Schuss in den Ofen war.“


… übers Grillen: „Ich hatte vorher noch nie einen eigenen Grill. Das Wetter war gut in den vergangenen Wochen. Mein Grill ist jetzt auch nichts Besonderes. Ich grille alles Mögliche. Burger gab’s schon. Die waren richtig gut. Wenn ich das professionell machen würde, könnte Five Guys in Dortmund dicht machen.“


… über seine DJ-Künste: „Ich habe versucht, einen Mix, den es schon gibt, den ich cool fand, nachzubasteln, bin aber relativ schnell an meine Grenzen gestoßen. Aber ich habe mich weiterentwickelt. Daraus hat sich dann entwickelt, dass ich das trotzdem fortgeführt habe.“

… über Training in Zweiergruppen: „Für mich ist das definitiv ein Schritt nach vorne. Es läuft so ab, dass wir in Zweiergruppen eingeteilt werden, die zu verschiedenen Zeiten kommen und an verschiedenen Stationen arbeiten. Wir haben ja ein sehr, sehr großes Trainingsgelände und sehr viel Platz, weil in den Jugendabteilungen im Moment auch nicht trainiert wird. Wir haben uns komplett über das gesamte Trainingsgelände verteilt. Den Footbonauten haben wir ja auch noch. So bekommt man die Zweiergruppen gut durch den Tag. Ich selbst war zuletzt mit Tobi Raschl in einer Gruppe. Und zwei Stunden in so einer Zweiergruppe auf dem Trainingsgelände sind schon anders, als wenn du für dich alleine zu Hause trainierst. Für uns ist es so definitiv besser. Zu Hause spulst du dein Programm ab, aber nach einer guten Stunde bist du damit durch. In den Zweiergruppen haben wir über zwei Stunden gearbeitet. Es ist deutlich intensiver so. Außerdem kannst Du mehr mit dem Ball machen. Zu Hause schieße ich alle Gläser kaputt, in Brackel habe ich einen riesigen Platz für mich alleine. Für uns ist es besser so, als wenn wir zu Hause versuchen, uns individuell fit zu halten.“


… über den Wunsch, wie es jetzt weitergehen sollte in der Bundesliga: „Natürlich würde ich mir wünschen, dass das mit dem Coronavirus aufhört und alle Menschen wieder zur Normalität zurückkehren können. Einfach, dass alles wieder läuft und die Ängste in der Bevölkerung verschwinden. Da geht’s nicht um uns Fußballer, da geht’s um alle. Wir Fußballer meckern auf ganz hohem Niveau. Trotzdem lebe ich natürlich für den Fußball. Ich mache mein ganzes Leben lang fast nichts anderes. Natürlich will ich wieder spielen - und am liebsten vor einer großen Kulisse. Dass das in absehbarer Zeit erstmal nicht mehr möglich ist, haben wir, glaube ich, alle akzeptiert. Ich würde mir einfach wünschen, dass es ganz allgemein wieder nach vorne geht. Es wäre schön, wenn die Leute wieder in ihren Alltag zurückkehren könnten, wieder raus gehen könnten - und jeder wieder das machen könnte, wonach er sich sehnt.“


… über sein persönliches Umfeld in Zeiten des Coronavirus: „Viele meiner Freunde sind Studenten. Da läuft vieles über Video-Konferenzen. Ich sehe das auch bei meinem Bruder, da ist schon einiges möglich. Natürlich ist es auch etwas anderes, als wenn man in der Uni sitzt. Zu Hause lässt man sich sicher etwas leichter ablenken, aber für Studenten ist es sicherlich nicht so krass. Aber klar, wenn Du Autos verkaufst oder Wirt bist, dann ist es etwas ganz anderes.“

… über Spendenbereitschaft und den Umgang damit in der Öffentlichkeit: „Ich bevorzuge eher die Variante, etwas zu spenden, aber nicht so viel darüber zu reden. Ich mache jetzt auch bei „We kick Corona“ mit. In gewisser Weise ist das für mich eine Selbstverständlichkeit, so wie es ja auch viele Menschen fordern. Trotzdem bin ich kein Freund davon, dass öffentlichkeitswirksam zu nutzen. Ich behalte das lieber für mich, wenn es geht. Ich bin kein Held oder sowas. Jetzt ist es von „We kick Corona“ veröffentlicht worden, dass ich dabei bin. Der Betrag bleibt aber geheim. Ich habe mitgemacht, auch bei der Spende der Nationalmannschaft, das ist eine gute Sache, darum geht’s. Am Ende geht’s darum, den Menschen zu helfen. Das ist wichtig - und nicht, sich selbst zu inszenieren.“



… über das, was ihm derzeit am meisten fehlt:
„Am meisten fehlt mir das Gequatsche, einfach unter Menschen zu sein, zu kommunizieren. Ich glaube, jeder versucht, gerade viel zu Hause zu sein. Ich wohne alleine. Mein Vorteil ist, dass ich sogar ganz gerne alleine bin. Irgendwann hat man aber auch mal wieder Lust, jemanden zu treffen oder beim Training ein paar Jungs Quatsch zu erzählen. Das sind so Sachen, die man mit der Zeit einfach vermisst. Und ich bin mir sicher, dass es ganz vielen so geht. Nicht nur Fußballern, sondern allen. Gerade älteren Menschen ist es ja wichtig, ihre Kinder oder ihre Enkel zu sehen. Das fehlt schon sehr. Aber wir hängen halt alle mit drin - und was befolgt werden muss, das muss befolgt werden.“


… über den Spieler, den er derzeit am meisten vermisst: „Ich sitze in der Kabine sonst neben Marco (Reus, Anm. d. Red.). Er hat mich schon oft genervt, aber jetzt fehlt es mir tatsächlich ein bisschen. Der ist schon ein Spinner. Wir versuchen schon, uns bei Laune zu halten. Was ich wirklich gefeiert habe, obwohl ich eigentlich selbst der Leidtragende war: Ich habe mal mein Handy am Platz liegen lassen, als ich duschen gegangen bin. Marco hat das Handy dann voller Tape an meinen Spind gehangen, es auf Video gestellt, das Video laufen lassen und ist dann abgehauen. Es hat also einfach alles gefilmt. Meistens bringen diese Aktionen überhaupt gar nichts, aber es fehlt einem ab und zu schon. Ansonsten würde ich natürlich auch noch den einen oder anderen aus Leverkusener Tagen wieder sehen. Auch in meiner Heimat Bremen gibt es viele, die ich lange nicht getroffen habe. Es ist leider so im Moment. Das ist schon schade.“


… über den Gehaltsverzicht: „Wir haben uns letzte Woche Montag getroffen. In zwei Gruppen, nicht mit der gesamten Mannschaft. Die Gruppe, die Deutsch spricht, und die Gruppe, die primär Englisch spricht. Mit Mindestabstand natürlich. Wir haben dann über die Lage gesprochen. Wir können ja im Moment auch nicht so weit in die Zukunft planen. Wir schauen von Montag bis Donnerstag. Und dann von Donnerstag bis Montag. Es gab auch medizinische Aufklärung für die Jungs, die nicht aus Deutschland kommen. Das ist schon wichtig für die Spieler, die aus anderen Ländern kommen. Zu wissen, dass die medizinischen Standards hier sehr gut sind. Das beruhigt natürlich. Und dann haben wir eben auch über das Thema Gehaltsverzicht gesprochen. Aki Watzke hat uns was vorgeschlagen - und es war relativ schnell klar, dass wir da alle mitmachen. Am Ende ist es ja ganz einfach: Grundsätzlich sind wir Spieler dafür da, dem Verein auf dem Platz zu helfen. Tore schießen, Tore verhindern, Titel gewinnen. Aber im Grunde sind wir auch dafür da, dem Verein allgemein zu helfen. Jetzt helfen wir ihm eben finanziell. In ein paar Wochen oder Monaten helfen wir dann hoffentlich wieder auf dem Platz.“

… über die Verlegung der EM: „Für mich macht es keinen riesigen Unterschied, ob wir das Turnier dieses oder nächstes Jahr spielen. Ich finde die Entscheidung gut, so haben wir wenigstens ein bisschen Puffer für die Liga. Meine Meinung ist: Ich finde es wichtig, dass man die Bundesliga zu Ende spielt, falls es irgendwie möglich ist und die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Wenn sich alles hoffentlich zum Positiven entwickelt und die Gesundheitsämter das bewilligen, dann finde ich das wichtig. Nicht, weil ich gerne wieder Fußball spielen will, sondern weil es wichtig ist, dass die Liga erhalten bleibt und dass die Mannschaften erhalten bleiben. Natürlich steht die Gesundheit über dem Fußball, aber ich glaube schon, dass es wichtig ist, dass die Bundesliga irgendwann nicht mit acht Vereinen dasteht, weil die anderen es nicht geschafft haben. Deswegen ist es richtig, dass die EM verschoben wurde, damit wir die Liga zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende spielen können.“


… über Musicals: „Ich bin ein großer Fan. Der König der Löwen ist das beste Musical, das ich je gesehen habe. Und ich bin mir auch sicher, dass es das beste Musical ist, das es überhaupt gibt. Jetzt kommt das Harry-Potter-Musical nach Hamburg. Das werde ich mir ganz sicher auch ansehen.“


... über nicht vorhandene Tattoos: „Das ist korrekt, ich habe keine. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Vielleicht komme ich irgendwann auf wilde Ideen, aber ich habe bislang nichts geplant. Ich denke mal, dass es eher so bleiben wird, dass ich keine Tattoos habe. Warum? Weil meine Mutter mir im Nacken sitzt. Sie sagt zwar, ich könne machen, was ich will, aber sie sagt auch sehr deutlich, dass sie von Tattoos gar nichts hält. Sie sagt: Alle lassen sich gerade tätowieren, also bist du irgendwann der, der aus der Reihe tanzt, wenn du keine Tattoos hast. Deswegen: Bis jetzt ist nichts in Planung, mal unabhängig von der Frage, ob es mir überhaupt stehen würde.“


… über Sonnenbrand-Gefahr: „Es ist ja fast schon ein Running Gag geworden, dass Marco (Reus, Anm. d. Red.) und ich nicht zu den Spielern gehören, die im Sommer besonders braun werden. Ich krieg erst Sonnenbrand und dann pelle ich mich. Das war’s. Ich bin mal mit Bernd Leno nach Mallorca geflogen, als wir mit Leverkusen zwei Spieltage vor Saisonende die Champions League fix gemacht hatten und ein paar Tage frei bekommen hatten - und dann bin ich am Strand eingepennt. Ich war nicht eingecremt. Mein Fuß hat sowas von gebrannt, ich konnte drei Tage in keinen Schuh rein und bin barfuß auf Mallorca rumgelaufen. Irgendwann ging das Training wieder los. Da musste ich erst durch meinen Pell-Rhythmus durch - und dann ging’s wieder. Zum Glück saß mein damaliger Trainer Roger Schmidt im gleichen Flieger zurück.“


… über seinen Lieblingsplatz in Dortmund: „Ich mag den Phoenix-See. Das ist schon cool, was da entstanden ist.“

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