Thomas Meunier (r.) © imago / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

BVB-Routinier Piszczek erhält neue Chance – Ohrfeige für Meunier

Auf seiner BVB-Abschiedstournee darf Lukasz Piszczek auf weitere Einsatzmöglichkeiten hoffen. Die Einwechslung gegen Bremen ist aber auch eine schallende Ohrfeige für Thomas Meunier.

Jahrelang war man dieses Bild gewohnt. Lukasz Piszczek, rechte Abwehrseite, in einem Trikot mit der Nummer 26. Piszczek spielt seit 2010 für den BVB, das ist im schnelllebigen Sport eine gefühlte Ewigkeit. Seine Vereinstreue, sein bescheidenes Auftreten, seine Zuverlässigkeit – das sind und waren die Gründe dafür, warum der mittlerweile 35-Jährige sich in Fankreisen äußerster Beliebtheit erfreut.

Lukasz Piszczek kommt beim BVB nur noch sporadisch zum Zug

Sportlich verlief sein zuvor schon ausgerufenes Abschiedsjahr bislang doch sehr durchwachsen, er spielte allenfalls sporadisch, was sich auch in den nur zwölf Pflichtspielen ausdrückt, die er in dieser Spielzeit bestreiten durfte. Länger als die 45 Minuten gegen Bremen am Sonntag stand er in keiner Bundesliga-Partie in dieser Saison auf dem Rasen.

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Doch mit dem nahenden Ende fast schon in Blickweite darf Piszczek nun auf weitere Bewährungschancen hoffen. Seine Einwechslung am Sonntag war eine Überraschung, sie war vor allem aber auch eine schallende Ohrfeige für Thomas Meunier. Im belgischen Nationalspieler sah der BVB im Corona-Sommer 2020 einen ziemlich guten Ersatz für den zu Juventus Turin abgewanderten Achraf Hakimi. Keine Eins-zu-Eins-Kopie, aber einen Rechtsverteidiger im besten Fußball-Alter, gestählt in mehr als 40 Länderspielen und 128 Pflichtspielen für das Starensemble von Paris Saint-Germain.

Piszczek-Konkurrent Meunier tut sich schwer im BVB-Trikot

Dazu kam Meunier auch noch ablösefrei, was ihm zwar die Option auf ein stattliches Salär und ein Handgeld als willkommenen Bonus verschaffte, der Dortmunder Borussia aber allemal billiger kam als einen Spieler mit dieser Vita aus einem laufenden Vertrag herauskaufen zu müssen.

Meunier passte in vielerlei Hinsicht. Weil er positionstreuer spielt als Hakimi das tat, weil er gleichzeitig aber durchaus offensiv denkt und niemand ist, der nur seine Position hält. Es war ein guter Deal für den BVB – niemand aber konnte voraussehen, dass sich Thomas Meunier im Dortmunder Trikot so schwertun würde.

BVB-Rechtsverteidiger Thomas Meunier und die Werte des Schreckens

Sein Stellungsspiel: dürftig. Seine Abspielfehler: zum Teil haarsträubend. Seine offensiven Impulse: sehr überschaubar mit einem Tor (beim 1:1 gegen Mainz) und zwei Assists in 28 Pflichtspielen. Werte des Schreckens, die selbst ein Michael Zorc nicht ignorieren kann, der Meunier im Herbst bei der ersten Welle der Kritik vehement verteidigte.

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Mittlerweile würde Dortmunds Sportdirektor wohl eher die Frage stellen, warum Meunier sich so quält in Dortmund, warum ihm das abhandengekommen ist, was ihn für Paris und nun auch den BVB so interessant gemacht hat. Auch Edin Terzic hat Meunier die Stange gehalten, ehe er sich zuletzt immer häufiger für Mateu Morey entschied.

Meunier hat nun auch gegen Piszczek das Nachsehen beim BVB

Und jetzt Piszczek. Dessen Einwechselung ist in dieser Beziehung ein kleines Politikum, denn Meunier war zwar ablösefrei, ist aber einer der Top-Verdiener im Team. Im April stand der Belgier nur neun Minuten auf dem Rasen, das war beim Hinspiel in Manchester. Die vergangenen drei Bundesliga-Partien verfolgte er über 90 Minuten von der Bank aus, auch das Rückspiel gegen Manchester ging ohne ihn über die Bühne.

Meunier droht sich zum sündhaft teuren Missverständnis zu entwickeln, denn sein Vertrag läuft noch bis 2024. Es war wohl an der Zeit für einen laut vernehmbaren Weckruf – der dürfte beim 29-Jährigen wie eine schallende Ohrfeige angekommen sein.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe
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