BVB-Profi Julian Brandt: Ein bisschen Demut steht uns ganz gut

Nationalmannschaft

BVB-Profi Julian Brandt will beim Umbruch des DFB-Teams eine wichtige Rolle spielen. Der 23-Jährige sieht noch viel Arbeit auf das Team zukommen - und warnt vor zu großer Erwartungshaltung.

Mönchengladbach

, 17.11.2019, 12:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Profi Julian Brandt: Ein bisschen Demut steht uns ganz gut

Julian Brandt hat sich mit dem DFB-Team vorzeitig für die Europameisterschaft qualifiziert. © imago / Nordphoto

Die EM-Qualifikation ist geschafft. Ein gutes Gefühl?

Es ist schon eine schöne Sache, auch wenn es in unserem Land zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist - aber man merkt, dass die Mannschaft Lust hat.


Was fehlt der Mannschaft noch?

Wir müssen uns noch weiterentwickeln, noch weiter zusammen reifen. Wir sind noch keine perfekte Mannschaft, das ist doch klar. Viel ist passiert in den vergangenen Wochen und Monaten, ich will da gar nicht ins Detail gehen. Aber es ist noch nicht perfekt, es passt noch nicht alles zusammen, es gibt immer wieder Spiele, die nicht so gut sind - daran wachsen wir. Wir haben ja noch ein paar Monate Zeit, aber ich habe ein gutes Gefühl bei der Truppe.

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Woran muss noch gearbeitet werden?

Gerade in der zweiten Halbzeit waren wir etwas nachlässig in der Verteidigung und haben den Weißrussen einige Chancen ermöglicht - das müssen wir abstellen. Aber wenn man 3:0 führt, dann ist die Konzentration manchmal nicht mehr bei hundert Prozent.


Wie bewerten Sie die Entwicklung seit Beginn der Qualifikation?

Ich finde schon, dass eine Entwicklung zu sehen ist. Nach der Weltmeisterschaft wurden wir sehr kritisch gesehen, es wurde genau hingeguckt, wie die Spiele laufen. Nach der Niederlage gegen die Niederlande stand im Raum, ob überhaupt eine Entwicklung stattfindet. Wir haben uns mit der Qualifikation jetzt in eine sehr gute Ausgangsposition gebracht. Wir dürfen die Geduld nicht verlieren.


Wie sehen Sie Ihre Position?

Ich fühle mich in der Mannschaft gut aufgehoben, werde meine Chancen bekommen und will sie auch nutzen - aber ich kann mich auch gut in die Rolle des Trainers versetzen: In der Offensive haben wir viele gute, fantastische Spieler - da ist es manchmal nicht so einfach und muss ab und zu sein Ego etwas zurückstellen.


In der Offensive wird viel rochiert ...

Das ist der Tatsache geschuldet, dass wir keine richtige Neun haben - dadurch sind wir immer wieder in Bewegung. Das ist definitiv auch ein Vorteil für uns, so kann man uns nicht richtig greifen. Natürlich hat jeder Spieler seine bevorzugten Positionen, aber ich finde das nicht schlimm.

BVB-Profi Julian Brandt: Ein bisschen Demut steht uns ganz gut

Brandt (l.) will beim Umbruch des DFB-Teams eine wichtige Rolle einnehmen. © dpa

Bis zum Turnier sind es noch gut sechs Monate: Wie bewerten Sie die Chancen auf den EM-Titel?

Puh, das muss man abwarten. Wir sollten nicht daran denken, wie groß die Chance ist, sondern erstmal zusehen, dass wir das Spiel gegen Nordirland gewinnen, die beiden Tests im März erfolgreich gestalten und eine gute Vorbereitung absolvieren. Das Turnier ist noch so weit hin. Natürlich haben wir eine gute Mannschaft, uns werden in Europa immer gute Chancen eingeräumt - dennoch steht uns ein bisschen Demut ganz gut.


Welche Mannschaften imponieren Ihnen?

Frankreich ist als Weltmeister natürlich hoch im Kurs, Belgien macht es kontinuierlich sehr gut seit Jahren. Auch die Spanier wollen mal wieder weiter kommen, als es in den vergangenen Jahren der Fall war. England hat viele junge Spieler, die sehr gut drauf sind. Viel Mannschaften haben den Umbruch schon hinter sich: Die Niederländer finde ich sehr, sehr gut - sie sind uns ein, zwei Jahre voraus. Das wird interessant.

Aufgezeichnet von Florian Groeger in der Mixed Zone.
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