BVB-Offensive lahmt ohne Reus und Alcacer - Götze bleibt ein Dauerthema

dzBorussia Dortmund

Bei Borussia Dortmund entwickelt die Offensive nach den Ausfällen von Marco Reus und Paco Alcacer kaum Durchschlagskraft. Die Personalie Mario Götze bleibt ein Dauerthema.

Mailand

, 25.10.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fußball ist einfach. Es geht um Tore. Wer mehr davon erzielt, gewinnt das Spiel. Klar. Wenn eine Elf aber partout nicht aufs Tor schießt? Dann passiert eben das, was Borussia Dortmund in Mailand erleben musste. Es setzt eine verdiente Niederlage. Nur mickrige fünf Schüsse feuerten die BVB-Profis binnen 92 Minuten am Mittwochabend auf das Gehäuse Inters ab. Davon nur zwei innerhalb des Strafraums. Diese unterirdische Quote belegt, woran die Dortmunder Offensive nicht erst seit der schwachen Vorstellung im Giuseppe-Meazza-Stadion krankt: Der Torjäger-Instinkt fehlt.

Ohne Reus und Alcacer geht beim BVB sehr wenig

Die Ausrede lag eigentlich ja auf der Hand. In Mailand fehlten der Borussia in Paco Alcacer und Marco Reus die beiden treffsichersten Akteure. Doch bei aller Schönrederei wollten die Verantwortlichen ihr Team dann noch nicht so billig davonkommen lassen. „Es wäre zu einfach, nur damit zu argumentieren. Wir wissen natürlich um die Wichtigkeit von torgefährlichen Spielern wie Marco und Paco. Wir müssen es aber trotzdem schaffen, mit unserer Qualität gerade in den Umschaltphasen mehr Torgefahr auszustrahlen“, betonte Sebastian Kehl.

„Das ist zu wenig für eine Mannschaft, die eigentlich das Mindestziel hat, die Gruppenphase zu überstehen.“
Lothar Matthäus

Der Leiter der Lizenzspieler legte den Finger in die Wunde, die für jeden Beobachter der Partie am Mittwochabend offen vor Augen lag. Jadon Sancho, Thorgan Hazard und Julian Brandt passten und dribbelten mitunter ideenlos um den Mailänder Strafraum herum. Doch den direkten Zug zum Tor, den Weg in die Sturmspitze, den wählte keiner von ihnen. Wie sollen Tore per Pass oder Flanke fallen, wenn kein Angreifer in der gefährlichen Zone anspielbar oder bereit ist, sich womöglich auch schmerzhaft durchzutanken?

Bleiben noch die ruhenden Bälle. Doch die Eckstöße Hazards und Freistöße der Borussia reichten in ihrer Präzision nicht einmal für leiseste Alarmrufe in Inters kompakter Deckung. „Ohne einen Stoßstürmer kann man auch keine großen Chancen herausspielen. Das ist zu wenig für eine Mannschaft, die eigentlich das Mindestziel hat, die Gruppenphase zu überstehen“, bilanzierte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus bei „Sky“.

Desaströse Champions-League-Bilanz des BVB

Auf europäischem Top-Niveau wird der Mangel des BVB an Kaltschnäuzigkeit besonders deutlich. Lediglich zwei Tore haben die Borussen in drei Vorrundenspielen in der aktuellen Kampagne der Königsklasse zustande gebracht. In den jüngsten acht Partien in der Champions League blieb Schwarzgelb satte sechsmal ohne eigenen Treffer. Nur gegen Prag und Monaco gab es Grund zum Jubeln. 180 Minuten benötigt der BVB im Schnitt also für ein Tor in Europa. Keine Frage, die Ambitionen des Klubs sind andere. Höhere. Der vor dieser Saison noch einmal teuer verstärkte Offensiv-Motor stottert gewaltig.

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Brandt, Hazard und Sancho wussten sich trotz ihrer technischen Fähigkeiten in Mailand nicht durchzusetzen. Auch die zusätzlich für die Abteilung Attacke eingewechselten Mahmoud Dahoud und Jacob Bruun Larsen zündeten nicht. Die ständigen Positionswechsel, die Trainer Lucien Favre seinen angreifenden Mannen gegen Inter verordnet hatte, verunsicherten den Gegner nicht wirklich. Sie sorgten eher für Konfusion in der BVB-Elf, es wirkte sogar, als seien Favres Schützlinge damit kräftig überfordert. Auch ein leidenschaftlicher Sturmlauf in der Schlussphase blieb aus. Weil das Signal dafür von der Trainerbank nicht kam?

Mario Götze wird beim BVB selten berücksichtigt

Und was war eigentlich mit Mario Götze? Der Mann, der nachweislich mehr Qualität als Sturmspitze und vollstreckender Alcacer-Vertreter mitbringt als Brandt, Sancho oder Hazard, schmorte 90 Minuten auf der Ersatzbank. Der stattdessen eingewechselte junge Däne Jacob Bruun Larsen, so erklärte es Favre nach dem Schlusspfiff, habe „mehr Power“ als Mario Götze. Von 270 Minuten Champions League in dieser Saison durfte das Dortmunder Eigengewächs nur eine einzige Minute mitspielen. Wenn seine Angriffskollegen so limitiert agieren wie gegen Inter Mailand, fällt es schwer, dafür eine logische Begründung zu finden.

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