Abdou Diallo beschreibt sich als Perfektionisten. Er schaut Videos seiner Konkurrenten, wählt bewusst den schwierigen Weg, um besser zu werden. Ein Portrait des neuen BVB-Innenverteidigers.

PITTSBURGH

, 24.07.2018, 08:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht lange nach seiner Ankunft in Dortmund hat sich Abdou Diallo Respekt verschafft. Nicht auf dem Fußballplatz, obwohl er in den ersten Tagen der Vorbereitung auch dort einen guten Eindruck hinterlässt.

Deutschkenntnisse verbessern

Diallo hatte gerade seine Wohnung bezogen, als er einen Mitarbeiter der Borussia nach einem Sprachkurs für sich und seine Ehefrau fragte. Das könne man natürlich arrangieren, bekam er zur Antwort, auch mit einem Privatlehrer, der die beiden daheim besuchen würde. Diallo schüttelte den Kopf. Menschen und auch die noch fremde Sprache kennenzulernen, gab er zur Antwort, das ginge doch viel besser in einer Gruppe. Nein, er sei nicht schüchtern, sagt der 22-Jährige Franzose. Diallo hat senegalesischen Wurzeln und ein einnehmendes Lächeln.

Einfache Kommandos gehen ihm schon jetzt leicht von den Lippen. „Links, rechts“, zählt er auf, die Kommunikation sei ohnehin einfach in Dortmund. „Die Leute und Mitspieler machen es mir sehr einfach.“ Der Rest soll nun dazukommen, nachdem die Verbesserung seiner Deutschkenntnisse in Mainz zuletzt stockte, weil im Abstiegskampf nur wenig Zeit für Sprachunterricht blieb.

Rasante Entwicklung

Diallo hat sich schnell entschieden, in diesem Sommer den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. Er kann erst auf 27 Bundesliga-Spiele zurückblicken. Doch seine Entwicklung verlief rasant, nachdem er sich im vergangenen Sommer für Mainz 05 entschieden hatte. Sehr schnell war klar, dass die Mainzer nur eine Zwischenstation sein konnten. Schon im Winter fragte der FC Arsenal an, im Frühjahr meldeten sich immer mehr Vereine.

Diallos schnelle Gewöhnung an die Bundesliga, seine körperlichen und spielerischen Fähigkeiten und seine Vielseitigkeit machten auch den BVB aufmerksam. Im Spiel in Dortmund und gegen die Bayern, ausgerechnet den beiden schwierigsten des Jahres, spielte er auf ungewohnter Position als Linksverteidiger - aber mit einer Ruhe und Abgeklärtheit, die verblüffte. Diallo sagt, er werde dort spielen, wo er gebraucht werde. Er sagt aber auch klar: „Ich bin ein Innenverteidiger.“

Die Nationalmannschaft ist das Ziel

Herausforderungen habe er nie gescheut. „Ich bin gewechselt, um auf ein höheres Niveau zu kommen, ich will mich gegen Widerstände beweisen.“ Erst der Sprung in die Bundesliga, jetzt der Wechsel zu einem der Top-Klubs dieser Liga. Für Diallo ein logischer Weg. Er glaubt an das Potenzial dieser Mannschaft: „Warum sollen wir nicht sogar um Platz eins spielen?“

Auch das nächste persönliche Ziel hat er klar vor Augen: Nationalspieler werden. „Als französischer Spieler musst du in den besten Ligen bei den größten Klubs spielen. Ansonsten wirst du nicht eingeladen.“

BVB-Neuzugang wählt bewusst den schwierigen Weg

Abdou Diallo (l.) im Gespräch mit BVB-Sportdirektor Michael Zorc. © Kirchner/Inderlied

An guten Innenverteidigern mangelt es nicht in Frankreich, das weiß er auch. Aber Abdou Diallo will alles daran setzen, sich Didier Deschamps zu empfehlen. Kennen tun sich die beiden nicht, „obwohl er in der Nähe von Monaco lebt.“ Dort spielte Abdou Diallo vor seinem Wechsel nach Mainz, dort traf er bereits auf Lucien Favre, der unweit in Nizza Trainer war. Diallo lacht: „Wir haben oft verloren.“

„Da konnte ich nicht nein sagen“

Favre imponiert ihm. „Er achtet auf viele kleine Details, die er mit jedem Spieler bespricht.“ Bei Diallo war das zum Beispiel die Frage, wie er seinen Körper in den Zweikampf stellt, wie dabei seine Hand- und Fußhaltung sein sollte. So etwas kannte er bislang nicht.

Die Entscheidung pro Borussia Dortmund fiel Abdou Diallo nicht schwer. „Als die Anfrage kam, konnte ich nicht nein sagen.“ Der letzte Schub kam dann ausgerechnet von Ousmane Dembele. „Er hat mir sofort gesagt, dass ich das machen muss!“ Diallo grinst bei diesen Worten. Weil er natürlich weiß, unter welch besonderen Begleitumständen Dembeles Zeit beim BVB endete. „Ousmane“, das ist ihm abschließend wichtig zu betonen, „spricht voller Respekt vom BVB.“

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