BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt: Ich zweifle nie an mir

Borussia Dortmund

Julian Brandt glänzt gegen Düsseldorf in zentraler Rolle. BVB-Trainer Favre scheint die richtige Position für ihn gefunden zu haben - und der Neuzugang hofft, sich im Zentrum festspielen zu können.

Dortmund

, 08.12.2019, 11:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt: Ich zweifle nie an mir

Julian Brandt findet sich im BVB-Mittelfeld immer besser zurecht. © imago/Team 2

Sie sind ein Mann für kluge Antworten, daher eine einfache Frage: Warum nicht immer so?

Grundsätzlich muss man sagen, dass wir keine Roboter sind. Wir alle machen Fehler und es gibt manchmal einfach Phasen, da läuft es überhaupt nicht so, wie du es dir vorstellst. Das Wichtige ist, dass wir es meiner Meinung nach zum richtigen Zeitpunkt noch geschafft haben, so ein bisschen aus dieser Situation, in der viel Negatives um uns herum passiert ist, herauszukommen. Mit dem Sieg bei Hertha und dem Erfolg gegen Düsseldorf haben wir eine Atmosphäre geschaffen, die gerade in Hinblick auf Dienstag wichtig ist.


Man hatte das Gefühl, dass Sie auf der Achter-Position so richtig aufgeblüht sind. Kann man das so sagen?

Es macht mir auf jeden Fall sehr viel Spaß, auf dieser Position zu spielen. Das hat man heute nicht nur bei mir gesehen, sondern an der ganzen Mannschaftsleistung. Ich glaube, wenn man aus dem Zentrum aktiv ist, dann kann das ein Spiel beleben. Ich finde auch, dass Axel Witsel es gut gemacht hat. Man ist in der Position an alle Spieler angeknüpft und sozusagen die Verbindung zwischen Defensive und Offensive.

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Es hieß oft, dass Sie und Marco Reus nicht zusammen spielen könnten. Haben Sie das heute widerlegt?

Ich bin generell kein Freund davon, nach Ausreden zu suchen. In den letzten Wochen war es allerdings teilweise sehr schwierig. Manchmal braucht man Zeit, um sich aneinander zu gewöhnen. Die Abläufe klappen immer besser. Man weiß, wo der Spieler steht, auch wenn man ihn nicht sieht.


Woran liegt sowas?

Ich selbst habe eine Zeit lang auf der Außenbahn gespielt, dann als Stürmer, jetzt spiele ich zentral. Marco war gefühlt für mich auf dem Platz immer woanders. Wenn sich sowas nach einer gewissen Zeit verselbstständigt, dann merkt man auch, dass es so werden kann, wie es in der letzten Saison in Leverkusen gewesen ist. Vor allem, weil man oft den Vergleich zu Kai Havertz und mir in der letzten Saison zieht. Das sind leider Prozesse, die nicht immer von heute auf morgen funktionieren. Die Geduld hatten wir beide, also Marco und ich. Wir glauben daran, dass es funktioniert. Heute hat man auch schon gute Ansätze gesehen.


Sind Sie jetzt so richtig in Dortmund angekommen?

Ich weiß natürlich auch, dass gerade in den letzten Wochen und Monaten nicht immer alles perfekt geklappt hat. Man wird an vielen Toren und Vorlagen gemessen. Das ist für Offensivspieler so und das hat man zu akzeptieren. Wenn aber die Gewöhnungsphase vorbei ist und man sich etwas mehr auf einer Position festspielt, dann wird man über die Spiele gesehen viel konstanter. Für mich war es wichtig, dass es gegen Hertha und heute gut geklappt hat - und am Dienstag soll es genauso gut klappen wie heute.

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Haben Sie in den vergangenen Wochen an sich gezweifelt?

Ich zweifle nie an mir, das ist wirklich so. Ich habe ein sehr gesundes Selbstbewusstsein. Natürlich hinterfrage ich manche Sachen, das sollte man schon machen. Vielleicht liegt es daran, dass man nicht gut drauf ist oder an sonstigen Dingen. Ich zweifle aber nicht daran, dass ich es kann. Ich glaube, dass viele gute Dinge auch in mir stecken. Ich bin auf dem Weg dahin, dass es bei Borussia Dortmund so ist, wie viele es von mir schon kennen.


Es gab schon zwei Momente in dieser Saison, wo man hätte glauben können, dass der Trend richtig positiv ist. Was macht Sie optimistisch, dass es dieses Mal auch konstant klappen kann?

Siege bringen immer Selbstbewusstsein, das ist klar. Entscheidend ist aber auch die Art und Weise. Ich finde, in der ersten Halbzeit in Berlin haben wir ein gutes Spiel gemacht. Es war nach dem Platzverweis schwer, aber auch dort konnte man positive Aspekte erkennen und sehen, dass viel Leidenschaft mit dabei war und wir gut verteidigt haben. Heute hat man einfach gesehen, dass viel Spielwitz, Spielfreude und Selbstvertrauen dabei waren. Jadon Sancho hat zwei Mal getroffen, Marco Reus auch. Zwei Namen, die in der Vergangenheit genannt wurden, als viele sich gefragt haben, was los ist. So kommt das eine zum anderen. Man muss sich am Ende in einen Flow arbeiten, dann wird es bei Borussia Dortmund wie in der letzten Saison. Dann passieren viele, viele gute Dinge.


Defensiv war heute und in Berlin eine deutlich höhere Stabilität zu erkennen. Sehen Sie einen Zusammenhang zum neuen taktischen System?

Offensiv haben wir eine sehr gute Raumaufteilung. Wir können immer untereinander spielen, wir können den Ball halten. Das macht den Gegner müde. Es ist für uns sehr wichtig, dass man auch merkt, dass wir nicht nur kontern, sondern den Ball auch mal halten können. Defensiv ist es so, dass wir gerade durch die Hereinnahme von Dan-Axel Zagadou eine körperliche Maschine auf dem Platz haben. Der räumt alles weg. Auch zusammen mit Manuel Akanji. Allgemein: Wenn man drei Spieler hinten hat, hilft das natürlich.


Mit welchem Gefühl gehen Sie in das wichtige Spiel gegen Slavia Prag am Dienstag in der Champions League?

Ich habe grundsätzlich immer ein gutes Gefühl, aber gerade nach dem heutigen Spiel auf jeden Fall.

Aufgezeichnet von Tobias Jöhren in der Mixed Zone.
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