Beim BVB-Sieg gegen Borussia M‘gladbach überzeugt Julian Weigl auf ungewohnter Position. Anschließend gibt‘s Lob von allen Seiten. Doch die Situation des 23-Jährigen bleibt verzwickt.

Dortmund

, 22.12.2018, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Julian Weigl jubelte ausgelassen. Er klatschte, er tanzte, er strahlte. Dieses Mal stand er verschwitzt vor der Südtribüne. Im Trikot. Mit 90 Minuten Fußball in den Knochen. Es muss ein ungewohntes Gefühl für den 23-Jährigen gewesen sein. Denn der BVB hat in dieser Saison zwar häufig vor der Südtribüne gefeiert, aber Weigl hat in dieser Saison nur selten Fußball gespielt.

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469 Minuten waren es vor dem 17. Spieltag wettbewerbsübergreifend, etwas mehr als fünf ganze Spiele. Weigl, immerhin Mitglied im Mannschaftsrat des BVB, kann mit seiner persönlichen Hinrunden-Bilanz nicht zufrieden sein. Im Mittelfeld sind Thomas Delaney und vor allem Axel Witsel gesetzt. Witsel ist das, was Weigl mal war: Taktgeber, Anspielstation Nummer eins, Passmaschine.

Lob von allen Seiten

Beim 2:1-Sieg im Spitzenspiel gegen Borussia Mönchengladbach aber war Weigl auf einmal wichtig. Der Bayer stand etwas überraschend in der Dortmunder Startelf. BVB-Trainer Lucien Favre beorderte ihn in die Innenverteidigung neben Ömer Toprak, weil sowohl Manuel Akanji (Muskelfaserriss) als auch Abdou Diallo (Zerrung) und Dan-Axel Zagadou (Fußstauchung) verletzt fehlten. Weigl erledigte den Job sehr solide, kam auf 81 Ballkontakte, wies eine Passquote von 93 Prozent auf und gewann 67 Prozent seiner Zweikämpfe.

Dafür gab es viel Lob von allen Seiten. „Jule und Ömer haben es hinten überragend gemacht“, sagte BVB-Kapitän Marco Reus. Sportdirektor Michael Zorc meinte: „Julian hat ein tolles Spiel abgeliefert. Mit dem Ball, aber vor allem auch gegen den Ball.“ Und Favre, sonst nicht dafür bekannt, ausschweifende Einzelurteile auszustellen, erklärte: „Er hat eine sehr gute Leistung gebracht. Er war sehr ruhig mit dem Ball und sehr clever im Spielaufbau. Ihn aufzustellen, war logisch für uns. Wir hatten keine anderen Möglichkeiten, es war die beste Lösung.“ Weigl sei sehr clever, sagte der Schweizer weiter, er habe bislang nicht so oft in der Verteidigung gespielt. „Aber er hat es sehr, sehr gut gemacht. Sein Stellungsspiel und seine Bewegungen waren hervorragend. Das war gut für uns.“

„Julian hat ein tolles Spiel abgeliefert. Mit dem Ball, aber vor allem auch gegen den Ball.“
Michael Zorc

Hervorragend. Sehr, sehr gut. Für Favres Verhältnisse waren es fast schon überschwängliche Worte. Und es war nicht das erste Lob für Weigl in der jüngeren Vergangenheit. Nach dem 2:0-Sieg in Monaco Anfang Dezember hatte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke die Leistung des Mittelfeldspielers bereits explizit hervorgehoben. Weigl hatte am letzten Gruppenspieltag der Champions League, als das Achtelfinal-Ticket für den BVB schon gebucht war, auf seiner Stammposition auf der Sechs gespielt - und er hatte auch im Fürstentum ein ordentliches Spiel gemacht.

Weigl wird die Lobeshymnen dankend zur Kenntnis genommen haben, sich aber trotzdem fragen, wie es für ihn bei Borussia Dortmund weitergehen soll. Erstmals ist er bei Borussia Dortmund nur Ersatz, obwohl er körperlich bei 100 Prozent ist. Es sei gerade nicht der richtige Zeitpunkt, um über seine Person zu sprechen, meinte Weigl nach dem Spiel gegen Mönchengladbach. Mehr wollte er nicht sagen. Dabei hätte man ihn gerne gefragt, wie er seine Situation selbst bewertet.

Vertrag bis 2021

Aus Frankreich heißt es immer wieder, Paris Saint-Germain hätte großes Interesse an Thomas Tuchels ehemaligem Musterschüler. Gerne schon im Winter. Beim BVB heißt es immer wieder, ein Verkauf von Julian Weigl, der noch einen Vertrag bis 2021 besitzt, sei kein Thema. Schon gar nicht im Winter.

BVB-Lob von allen Seiten! Doch die Situation von Julian Weigl bleibt verzwickt

Bei Lucien Favre (l.) ist Julian Weigl meistens nur zweite Wahl. © imago

Die Situation ist verzwickt: Weigl ist sportlich aktuell zu unwichtig, um nicht mit einem Wechsel zu liebäugeln. Weigl ist sportlich aber trotzdem zu wichtig oder kann es schnell werden, um sich in der anstehenden Wechselperiode Hoffnungen auf eine Freigabe machen zu dürfen. Das Spiel gegen Gladbach jedenfalls lieferte den BVB-Verantwortlichen gute Argumente, nahende Angebote für Weigl abzulehnen. Gut möglich also, dass der 23-Jährige weiter vor der Südtribüne jubeln darf und muss. Fragt sich nur, wie viel Fußball er vorher gespielt hat.

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