BVB-Legende Weidenfeller: Interview würde mir nicht mehr so entgleiten

Borussia Dortmund

Roman Weidenfeller und der BVB haben mal „a grandios Saison gespielt“. Auch Jahre später hängt ihm das Zitat noch nach. So kam es dazu.

Dortmund

, 02.07.2020, 14:07 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Legende Roman Weidenfeller.

BVB-Legende Roman Weidenfeller. © Guido Kirchner

Roman Weidenfeller ist eine BVB-Legende. 16 Jahre lang spielte er für Borussia Dortmund, absolvierte als Torhüter 394 Partien. Auch nach seiner aktiven Karriere ist er den Schwarzgelben treu geblieben. In einem Interview mit der Rheinischen Post spricht Weidenfeller über seine schwarzgelbe Vergangenheit und seine berufliche Zukunft. Aber nicht nur.

Das sagt BVB-Legende Roman Weidenfeller über...

...die BVB-Meisterschaft 2011 und sein legendäres Zitat: „Unser damaliger Pressesprecher hat mich aus dem Feier-Pulk gezogen und gesagt, du Roman, mach da noch das Interview. Und dann stand da der Reporter von Al Jazeera, sprach meinen Namen komisch aus und stellte mir auf Englisch Fragen. Ich hatte ehrlich gesagt keine Lust auf das Gespräch, war nach dem Spiel komplett woanders, dachte auch nicht, dass es überhaupt ausgestrahlt wird und hatte leicht einen sitzen von den ersten Kaltgetränken. Weil ich aber total gute Laune hatte, habe ich einfach drauf los erzählt. Und so ist dann der Satz entstanden: I think we have a grandios Saison gespielt.“

... die Nachwirkungen des Zitats: „Sie können sich vielleicht vorstellen, dass meine Arbeitskollegen die Vorlage dankend angenommen haben. Eigentlich, habe ich mich über mich geärgert. Aber nach einer Weile habe ich damit meinen Frieden gefunden und auch an meinen Englischkenntnissen gearbeitet. Du entwickelst dich als Mensch weiter. Das gehört alles dazu und es ist okay so. Ich habe das nicht auf mir sitzen lassen und an mir gearbeitet. Heute würde mir so ein Interview nicht mehr so entgleiten.“


... die Dominanz des FC Bayern München und dass Kinder, die acht Jahre alt sind, keinen anderen Meister kennen: „Wenn man sich das so vor Augen führt, ist das schon wirklich verrückt. Mein Sohn ist vier Jahre alt. Aber es spiegelt auch die Realitäten wieder. Man muss anerkennen, dass der FC Bayern einfach einen Schritt voraus ist. Auch in dieser Saison waren sie wieder diesen Tick besser. Die Bundesliga muss nur aufpassen, in der Meisterfrage nicht zu langweilig zu werden, aber Mats Hummels hat ja schon angekündigt, nächste Saison einen Platz nach oben klettern zu wollen. Sehr gerne.“

... BVB-Coach Lucien Favre: „Was er geleistet hat, ist sicher gut. In zwei Jahren wurde er zwei mal Vizemeister, aber natürlich wünschen sich die Menschen im Revier, speziell in Dortmund sehnlich den Titel. Er ist fachlich ein herausragender Trainer. Entwickelt Junge Spieler immer weiter. Da man in Dortmund jeden Trainer mit Jürgen Klopp vergleicht, hat jeder Trainer einen schweren Stand. Favre ist allerdings kein Entertainer, sondern eher ein Fußball-Romantiker. Einen Jürgen Klopp gibt es nur einmal, das muss man einfach akzeptieren. Was Favre sicherlich Kredit gekostet hat, im vergangenen Jahr dachten alle, Dortmund würde sicher Meister. Es ist anders gekommen und das hat für große Enttäuschung gesorgt. Ich denke schon, dass er die Fähigkeit besitzt, dieses Team weiterzuentwickeln.“


... seinen Ex-Trainer Jürgen Klopp: „Klopp ist ein fantastischer Mensch, mit dem du ernste Gesprächen führen, aber auch flachsen kannst. Er ist auf den Punkt bei der Sache, wenn es ums Training oder ein Spiel geht. Er hat dieses gewisse Etwas, etwas Außergewöhnliches. In einer Saison können so viele Dinge passieren, es gibt verschiedene Interessen. Als Trainer musst du jede noch so kleine Strömung spüren. Du musst Dinge laufen lassen, aber auch eingreifen, um die Kontrolle zu behalten. Und du musst das Überzeugung ausstrahlen, dass du selbst es umsetzen kannst, was du sagst.“

Jetzt lesen

... wo er sich in Zukunft sieht: „Eher im Management. Ich arbeite ja derzeit als Markenbotschafter für den BVB und bin dort im Marketingbereich angedockt. Mir ist klar, dass ich als Ex-Spieler nicht automatisch ganz oben einsteige. Ich bin bereit zu lernen und es macht Spaß, sich weiterzubilden. Nebenbei bin ich ja auch noch TV-Experte bei RTL, repräsentiere für Puma und bin Familienvater.“

Lesen Sie jetzt