BVB-Kapitän Reus oder Bayern-Allrounder Müller: Wer ist wichtiger für seinen Klub?

Borussia Dortmund

Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München! Vor dem Klassiker blicken wir auf die beiden Urgesteine Marco Reus und Thomas Müller. So unähnlich sind sich die beiden Spieler gar nicht ...

Dortmund

, 08.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
BVB-Kapitän Reus oder Bayern-Allrounder Müller: Wer ist wichtiger für seinen Klub?

Bundesliga-Urgesteine: Marco Reus (r.) und Thomas Müller. © imago

Jeder Mini-Kicker in Dortmund, der beim Training stolz sein BVB-Trikot trägt, träumt davon, das zu schaffen, was Marco Reus geschafft hat. Einmal für Borussia Dortmund auflaufen und Titel gewinnen.

Thomas Müller steht für den FC Bayern wie kein anderer

Rund 600 Kilometer weiter südöstlich haben junge Nachwuchsfußballer einen ganz ähnlichen Traum. Aber das Trikot, das sie im Traum tragen, ist nicht schwarzgelb, sondern rot und weiß. Und die Mini-Kicker in München wollen nicht so sein wie Marco Reus. Die Identifikationsfigur schlechthin ist im Süden ein anderer: Thomas Müller.

Marco Reus und Thomas Müller. Ein Ur-Dortmunder und ein Ur-Bayer. Zwei Spieler, die schon bei den ersten Gehversuchen mit Ball in den Trikots ihrer Vereine aufgelaufen sind. Zwei, die für ihre Vereine stehen wie kein anderer - und als Mini-Kicker einst selbst den Traum hatten, für ihren Verein aufzulaufen. Das haben beide Spieler geschafft. Und beide sind über die Jahre auch unersetzlich für ihren Klub geworden.

Wie unersetzlich, das können beide am Samstag (18.30 Uhr, Sky) zeigen, wenn der FC Bayern Borussia Dortmund zum deutschen Klassiker in der Allianz Arena empfängt. Aber wer ist wichtiger für seinen Verein? Ist Marco Reus mehr Dortmunder als Thomas Müller Bayer?


Wer ist seinem Verein treuer? Vergeben haben beide ihr Fußballerherz schon früh. Auf der offiziellen BVB-Seite erklärt Marco Reus: „Seit meiner Kindheit habe ich davon geträumt, in Schwarz und Gelb aufzulaufen und für diesen Klub zu spielen. Dortmund ist meine Heimat, der BVB ist mein Verein.“

Müller steht dem in Nichts nach und versichert auf der Bayern-Homepage, dass es ihm „als Ur-Bayer und Fan des Vereins eine große Ehre und Herzensangelegenheit“ sei, im Trikot der Münchener zu spielen. Und noch mehr: Thomas Müller hat die Bayern - seit er in der D-Jugend das erste Mal im rot-weißen Trikot aufgelaufen ist - nie mehr verlassen. Einen offiziellen Vertrag hat er seit dem 1. Juli 2000, sein aktueller läuft bis 2021 - pure Fußballromantik also.

BVB-Kapitän Reus oder Bayern-Allrounder Müller: Wer ist wichtiger für seinen Klub?

Marco Reus (l.) und Thomas Müller im direkten Duell. © picdpa

Auch Marco Reus kickte schon in der Jugend für den BVB, im Jahr 2006 bekam die Liebesgeschichte mit dem BVB allerdings einen Knacks. Reus wechselte als 16-Jähriger zu Rot-Weiß Ahlen. Über Borussia Mönchengladbach fand der heute 30-Jährige 2012 dann den Weg zurück zu den Schwarzgelben. Laut Vertrag bleibt das auch mindestens bis 2023 so.



Wer hat die bessere Statistik?
Was die Vereinstreue angeht, liegt Thomas Müller also vorne - und in Sachen Statistik ist der Münchner Reus deshalb auch weit voraus: Müller hat bereits 501 Pflichtspiele für die Bayern absolviert, dabei 229 Tore geschossen - Reus kommt dagegen nur auf 254 Spiele für Borussia Dortmund, 194 Mal klingelte im Kasten.


Wer ist auf dem Platz wichtiger für seinen Verein? Fußballerisch sind die beiden Urgesteine schwer zu vergleichen. Schlitzohr Müller ist nicht als Filigrantechniker bekannt, das hält ihn aber nicht vom Toreschießen ab - auch aus den unmöglichsten Positionen. Reus dagegen ist ein feiner Techniker, das hat ihm nicht zuletzt den Titel als Deutschlands Fußballer des Jahres eingebracht. Was die Führungsrolle auf dem Feld angeht, hat Reus die Nase vorn: Der 30-Jährige ist unangefochtener Kapitän der Dortmunder, auch die Rückkehr von Mats Hummels änderte daran nichts. Thomas Müller muss sich bei Bayern als Vizekapitän hinter Manuel Neuer einreihen. Punkt für Reus.

BVB-Kapitän Reus oder Bayern-Allrounder Müller: Wer ist wichtiger für seinen Klub?

© Deltatre

Wer war für seinen Verein bisher erfolgreicher? Eine ganz klare Sache für Thomas Müller: Reus holte 2017 den DFB-Pokal mit dem BVB, Müller holte diesen Cup mit den Bayern bereits fünfmal. Hinzu kommen acht Deutsche Meistertitel sowie ein Erfolg in der Champions League - übrigens gegen Reus und den BVB.


Wer hat in der Nationalmannschaft die Nase vorn? Aktuell ist hier Marco Reus der Gewinner, ist im Team von Joachim Löw einer der Führungsspieler - Müller wurde Anfang des Jahres aussortiert. Dafür ist die Ausbeute mit dem Adler auf der Brust bei Müller eindeutig besser: In 100 Pflichtspielen „müllerte“ es 38 Mal im gegnerischen Tor, der 30-Jährige wurde 2014 Weltmeister mit dem DFB-Team, 2010 war er mit fünf Treffern WM-Torschützenkönig in Südafrika. Reus stand bisher „nur“ 44 Mal für Deutschland auf dem Feld, erzielte dabei 13 Tore. Titel mit der Nationalmannschaft: Fehlanzeige.

BVB-Kapitän Reus oder Bayern-Allrounder Müller: Wer ist wichtiger für seinen Klub?

Marco Reus (l.) und Thomas Müller spielten gemeinsam in der deutschen Nationalmannschaft - bis Müller Anfang 2019 von Bundestrainer Joachim Löw aussortiert wurde. © dpa

Wer ist aktuell in besserer Form? Beim Thema aktuelle Form läuft es auf beiden Seiten nicht optimal. Sowohl Marco Reus als auch Thomas Müller spielen nicht ihre beste Saison. Dortmunds Kapitän hat - mal wieder - mit Verletzungen zu kämpfen und hängt seiner Traumform aus der vergangenen Saison hinterher. Müller blieb unter (dem mittlerweile entlassenen) Niko Kovac meist nur die Reservistenrolle beim FCB.


Wer ist mehr mit der Stadt verbunden? Trotz aktueller Formschwankungen sind beide Spieler absolute Fanlieblinge. Kein Wunder: Marco Reus ist sogar in Dortmund geboren, wohnt aktuell mit seiner Freundin Scarlett Gartmann und der gemeinsamen Tochter im Süden der Stadt. Thomas Müller hat ein paar Kilometer von München entfernt in Weilheim das Licht der Welt erblickt und wohnt mit seiner Frau Lisa auf einem gepachteten Reiterhof in Otterfing, etwa 30 Kilometer von München entfernt.

Wer passt von der Art her besser zu seinem Verein? Sowohl Müller als auch Reus können den Mund aufmachen - und zwar so richtig. Beispiel? Reus platzte nach dem 2:2 in Frankfurt im September der Kragen, als die Mentalität seiner Mannschaft in Frage gestellt wurde: „Ihr geht mir so auf die Eier mit eurer Mentalitätsscheiße“, sagte der BVB-Kapitän bei „Sky“. Und kaum ein Fußballer ist so ehrlich wie Thomas Müller. Als der vor der Kamera mit Niko Kovac‘ Aussage, dass er Müller als Ersatzspieler sehe, konfrontiert wurde, reagierte der Münchner ganz gelassen: „Ich war natürlich überrascht. Aber ich bin bei so etwas nicht so empfindlich. Es gab mit dem Trainer bereits ein Vier-Augen-Gespräch. Damit ist die Geschichte für mich ausgeräumt.“


Fazit: Die beiden Urgesteine sind bei den Fans beliebt, eng mit ihrem Heimatverein verbunden und auch sportlich unglaublich wichtig für ihre Klubs. Müller spielt länger und erfolgreicher für Bayern, Reus ist dafür „echter“ Dortmunder. Aber wofür die Bayern ihren Müller und die Dortmunder ihren Reus am meisten lieben? Dafür, dass sie eben selbst mal die kleinen Mini-Kicker waren, die einen großen Traum verfolgten.

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