BVB-Kapitän kämpft an vielen Fronten: Marco Reus ist ein Gesicht der Krise

dzBorussia Dortmund

BVB-Kapitän Marco Reus quält sich bislang mehr schlecht als recht durch die Saison. Der 30-Jährige kämpft an vielen Fronten - das ist harte Arbeit, wenn die Ergebnisse ausbleiben.

Gelsenkirchen

, 27.10.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die nackte Bilanz ist noch in Ordnung bei Marco Reus. Fünf Treffer hat er in der Bundesliga an den ersten neun Spieltagen erzielt, damit reiht er sich ein in die große Gruppe von Bundesliga-Spielern, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen, dem immer neue Rekorde aufstellenden Robert Lewandowski auf den Fersen zu bleiben.

Dass die Statistik auch Reus‘ Borussia im Revierderby in vielen wichtigen Kategorien (Ballbesitz, Zweikampfquote, Sprints, schnelle Läufe) vorne sah, zeigt allerdings den begrenzten Aussagewert der nackten Zahlen. Sie gaben für den BVB den Spielverlauf nur arg unzureichend wieder, und auch der Kapitän sitzt mit im Boot und quält sich bislang mehr schlecht als recht durch die Saison. „Individuell und als Kollektiv fehlt uns die Leichtigkeit“, gab der 30-Jährige nach dem 0:0 auf Schalke zu, „und uns fehlt auch die Form.“

So ehrlich hatte die Probleme zuvor noch niemand benannt. Kein Funktionär, kein Mitspieler. Reus vertritt sehr regelmäßig klare Positionen. Nun war für ihn der Zeitpunkt gekommen, um ohnehin erkennbare Missstände deutlich anzuprangern.

Reus: „Wir sind viel zu spät wach geworden“

Die Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen, seine große Enttäuschung war dennoch erkennbar. Und Marco Reus kleidete sie in entsprechende Worte. „Unterm Strich haben wir bis zum Ende zu wenig gemacht“, zog er frustriert Bilanz. „Darum dürfen wir nicht zufrieden sein. Positiv war heute allein, dass wir kein Gegentor kassiert haben.“ Reus sprach von einem glücklichen Punktgewinn, das hatten alle nicht anders gesehen. „Ich muss klar sagen, dass wir nach vorne 70 bis 75 Minuten wenig investiert haben. Wir sind viel zu spät wach geworden.“

BVB-Kapitän kämpft an vielen Fronten: Marco Reus ist ein Gesicht der Krise

© Deltatre

Doch die Probleme liegen viel tiefer, als nur in einem besonderen Spiel nicht an die eigene Leistungsgrenze gekommen zu sein. Auch bei Marco Reus, der die Anführer-Rolle in der vergangenen Saison vorbildlich ausgefüllt hat, den sie aber in dieser Spielzeit erkennbar fordert. Reus kämpft an vielen Fronten. Er will auf dem Platz vorneweg gehen, er muss aber in der Kabine auch motivieren, schlichten und moderieren. Das gelingt leichter bei Erfolg, es ist harte Arbeit, wenn die Ergebnisse ausbleiben. Und bei der Borussia stimmten sie zuletzt zu oft nicht. Darunter leidet auch Reus‘ persönliche Leistung.

Reus erzielte bereits 46 Mal das 1:0 für den BVB

„Wir brauchen mehr Mut, mehr Vertrauen in uns und mehr Zielstrebigkeit in unserem Spiel“, sagte er in den Katakomben der Veltins-Arena. Das war ein Appell an die Mitspieler, aber auch einer an sich selbst. Reus hat nach seinem Siegtreffer gegen Gladbach nun schon 46 Mal für den BVB das wichtige 1:0 erzielt, diese Anführerqualitäten gingen ihm aber in dieser Saison zu häufig ab - auch am Samstag auf Schalke. Aufs Tor schoss Reus nicht, er leistete eine mickrige Vorlage zu einem Torschuss, hatte nur 40 Ballkontakte - und jeder vierte Pass von ihm war ein Fehlpass.

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Diese statistischen Zahlen gaben dann doch ganz gut den Ist-Zustand bei Marco Reus wieder, der sich nicht davon freimachen kann, zu weit von seinem individuellen Leistungsvermögen entfernt zu sein. Wie so viele andere. „Vielleicht“, sinnierte er, „müssen wir durch diese Phase einfach durch.“ Ohne zu wissen, wie lange die Durststrecke noch dauern wird. Das „wir“ hätte Reus erneut auch durch „ich“ ersetzen können.

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