Zeitspiel

BVB-Kantersieg in Stuttgart, den keiner vergessen hat – außer Michael Zorc

Borussia Dortmund feiert im März 1996 einen Kantersieg beim VfB Stuttgart. Für BVB-Kapitän Michael Zorc ist es in mehrfacher Hinsicht eine besondere Partie. Unser Zeitspiel.
Vor dem Spiel gegen Stuttgart wurde Michael Zorc 1996 für sein 400. Bundesliga-Spiel für den BVB geehrt. © imago images/Sportfoto Rudel

Eine bittere 1:5-Klatsche: Die gab es für Borussia Dortmund in der Hinrunde gegen den VfB Stuttgart. Ganz anders sah es in der Saison 1995/96 aus. Damals fuhr der BVB auf dem Weg zur Titelverteidigung einen Kantersieg beim VfB ein.

Der BVB grüßte seit dem 12. Spieltag von der Tabellenspitze

Ein 5:0 stand am 16. März 1996 nach Abpfiff auf der Anzeigetafel des Gottlieb-Daimler-Stadions. Es war die 23. Partie der Saison. Seit dem 12. Spieltag führten die Schwarzgelben die Tabelle an. Doch ganz so souverän, wie es sich anhört, verlief die Spielzeit für die Borussia nicht.

„Das Motto, war zu zeigen, dass der Titelgewinn 1995 kein Zufallsprodukt war“, sagte Lars Ricken in einem Video-Rückblick. In den ersten drei Begegnungen blieb das Team von Ottmar Hitzfeld sieglos. Aus den folgenden 16 Spielen holte Dortmund allerdings 13 Erfolge.

Der BVB gerät vor dem Stuttgart-Gastspiel ins Straucheln

Doch nach dieser Serie geriet der BVB ins Straucheln. Aus den drei Ligapartien vor dem Stuttgart-Gastspiel holte die Mannschaft um Kapitän Michael Zorc nur einen Sieg. Dazwischen gab es eine Niederlage in der Champions League. Bei Ajax Amsterdam unterlagen die Borussen im Viertelfinal-Hinspiel 0:2.

Da stellten die Schwaben, die mit ihrem magischen Dreieck aus Giovane Elber, Krassimir Balakov und Fredi Bobic bis auf den fünften Platz vorgerückt waren, eine höhe Hürde dar. Bobic musste gegen den BVB allerdings passen.

Stephane Chapuisat wird in Stuttgart zum BVB-Matchwinner

Zudem hatte der Tabellenführer aus Dortmund Glück, dass einer seiner Spieler in dieser Partie wieder aufblühte. Die gesamte Hinrunde hatte Stephane Chapuisat aufgrund eines Kreuzbandrisses gefehlt. In seinen ersten vier Saison-Einsätzen blieb er torlos – doch das änderte sich an jenem Samstagabend in Stuttgart.

Nach 17 Minuten traf Karl-Heinz Riedle zum 1:0. Vier Minuten vor der Halbzeit erhöhte Michael Zorc auf 2:0. Dann schlug die Stunde des Stephane Chapuisat. In der 51. und 78. Minute meldete sich der Schweizer Stürmer mir einem Doppelpack zurück. Die 5.000 mitgereisten BVB-Fans sangen „Chapuisat ist wieder da“. Für den 5:0-Endstand sorgte Lars Ricken zehn Minuten vor dem Ende.

Michael Zorc absolviert sein 400. Bundesliga-Spiel für den BVB

Den erfolgreichen Tag rundete die Live-Übertragung des Privatsenders Sat.1 – trotz der ungewöhnlichen Anstoßzeit – ab. In einem Saisonrückblick schreibt der BVB von „einem Match, das jeder, der dabei gewesen ist, bis heute nicht vergessen hat“.

Wirklich jeder? Dem ist fast 25 Jahre später nicht so. Michael Zorc, der damals seine 400. Bundesliga-Begegnung für die Schwarzgelben absolvierte, hat das Spiel anscheinend verdrängt.

Zorc: „BVB-Alltagssorgen überlappen die schönen Erinnerungen“

Auf der Pressekonferenz vor dem erneuten Aufeinandertreffen (18.30 Uhr/live bei Sky) mit dem VfB wurde er auf die Partie 1996 angesprochen. „Um ehrlich zu sein, habe ich keinerlei Erinnerungen an das Spiel. Sie merken, dass die Alltagssorgen diese schönen Erinnerungen überlappen“, sagte Zorc.

Der heutige BVB-Sportdirektor hätte aber sicher nichts dagegen, wenn heute Abend ein weiterer Kantersieg gegen Stuttgart dazukommen würde – am besten sogar ein unvergesslicher.

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