BVB-Kadercheck: Schmale Innenverteidigung könnte zum Problem werden

dzBVB-Serie Teil 1

Das Transfer-Fenster ist geschlossen, der BVB-Kader für die Saison 2020/21 steht. In unserer Serie beleuchten wir die einzelnen Mannschaftsteile von Borussia Dortmund. Teil 1: Tor und Abwehr.

Dortmund

, 07.10.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Borussia Dortmund hat seine Mannschaft am letzten Tag der erweiterten Sommer-Transferperiode nicht mehr verändert. Er halte den Kader für „sehr ausgewogen“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc. In unserem BVB-Kadercheck beleuchten wir, wie der BVB in den einzelnen Mannschaftsteilen aufgestellt ist. Teil 1: Tor und Abwehr.


Schweizer Zuverlässigkeit im BVB-Tor

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Luca Unbehaun ist nach auskurierter langer Verletzung nun die offizielle Nummer drei, ansonsten setzt Borussia Dortmund im Tor auf Schweizer Zuverlässigkeit. Roman Bürki hat seinen Vertrag im Frühjahr verlängert, Marwin Hitz ist eine ideale Nummer zwei. Der ruhige Stellvertreter hat seine Rolle akzeptiert und konnte seine Zuverlässigkeit auch schon in dieser Saison unter Beweis stellen, als jetzt Bürki mit einem Infekt ausfiel. Dass der Vertrag von Hitz am Saisonende ausläuft, wird spätestens zu Beginn des kommenden Jahres Thema für Sportdirektor Michael Zorc werden.

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In der Abwehr hat Borussia Dortmund in der Sommerpause nachgelegt und den Abgang von Achraf Hakimi mit der ablösefreien Verpflichtung von Thomas Meunier kompensiert. Felix Passlack hat sich in der Vorbereitung durch seine engagierte Trainingsarbeit überraschend in den Vordergrund gespielt und einen Kaderplatz verdient. Ansonsten gab es personell keine Veränderungen.

Favre agiert mit dem BVB wieder mit Dreierkette

Taktisch hat Favre in der Vorbereitung die Viererkette wieder aus der Schublade geholt, angesichts der bescheidenen Erfolge und nach Intervention auch aus der Mannschaft aber vorerst wieder zu den Akten gelegt. Gegen den Ball eine Fünferkette, mit Ball im Dreierverbund – damit fühlt sich der BVB auf dem Platz auch in dieser Saison deutlich wohler.

Innen lässt sich allerdings eine Problemstelle entdecken: Mit nur drei gelernten Innenverteidigern (Mats Hummels, Manuel Akanji, Dan-Axel Zagadou) und den zwei umgeschulten Kräften Lukasz Piszczek und Emre Can ist Dortmund nicht allzu üppig aufgestellt, wenn Favre mit Dreierkette spielen lässt und einer dieser Spieler, wie derzeit Zagadou, auch noch verletzt fehlt. Höchsten Ansprüchen beim Aufbau aus der eigenen Kette heraus genügt Akanji, der in den bisherigen Spielen mit einigen groben Fehlabspielen auffiel, aktuell nicht.

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Wie standfest die Borussia defensiv ist, lässt sich noch nicht abschließend beurteilen. In den Heimspielen gegen Gladbach und Freiburg hielten sich die offensiven Vorstöße der Gäste noch in Grenzen, der FC Augsburg sorgte mit schnellen Kontern für die eine oder andere Verlegenheit. Unter Druck, das zeigten auch die Bayern im Supercup in ihrer besten Phase, lässt die Dortmunder Defensive noch einiges (und zu viel) zu.


BVB hat außen keine Not

Dass der BVB keinen zusätzlichen Innenverteidiger verpflichtet hat, sei auch der „wirtschaftlichen Vernunft“ geschuldet, wie Zorc erklärt hat. Größere Rotationsmöglichkeiten, die spätestens nach der Länderspiel-Phase wichtig werden, hat Favre daher erst wieder, wenn sich Zagadou gesund zurückmeldet.

Auf den Außenbahnen hat der BVB keine Not – auch wenn es zum Saisonbeginn auf der linken Seite einen Engpass gab, als in Nico Schulz, Raphael Guerreiro und Marcel Schmelzer gleich drei Linksverteidiger gleichzeitig verletzt fehlten. Passlack hat sich als eine solide Alternative in den Vordergrund gespielt. Momentan aber eher noch nicht in Partien gegen selbst offensiv spielstarke Gegner, wie der Supercup in München aufzeigte. Dort geriet er bei erhöhtem defensiven Arbeitsaufkommen mehrfach ins Schwimmen.

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Rechts ist Meunier ein anderer Spielertyp als Hakimi, dessen Vorwärtsausrichtung der Borussia defensiv so manche brenzlige Situation beschert hat. Auf dem Papier kann Meunier die Seite besser abdichten, in der Praxis kämpft er aber noch mit Anpassungsschwierigkeiten, auch seine Flankenläufe haben noch nicht die Produktivität, für die Hakimi stand. Nach auskurierter Verletzung sollte Mateu Morey schnell wieder eine echte Alternative für die rechte Außenbahn sein, auch Passlack, der auf beiden Seiten spielen kann, stünde bereit.

BVB-Kadercheck Teil 1: Abwehr und Tor

Fazit: Die Dortmunder Defenive genügt hohen Ansprüchen – ob sie auch höchsten genügt, wird vielleicht die Gruppenphase in der Champions League zeigen. Mit Auswärtsspielen in Hoffenheim, in Berlin und in Frankfurt sowie dem Gipfel gegen die Bayern Anfang November wird es auch in der Bundesliga bis Weihnachten noch deutlich kniffliger als bislang.

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