BVB-Kadercheck: Dortmunder Jugendstil und der unersetzliche Guerreiro

dzBVB-Serie Teil 2

Das Transfer-Fenster ist geschlossen, der BVB-Kader für die Saison 2020/21 steht. In unserer Serie beleuchten wir die einzelnen Mannschaftsteile von Borussia Dortmund. Teil 2: Das Mittelfeld.

Dortmund

, 09.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Borussia Dortmund hat seine Mannschaft am letzten Tag der erweiterten Sommer-Transferperiode nicht mehr verändert. Er halte den Kader für „sehr ausgewogen“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc. In unserem BVB-Kadercheck beleuchten wir, wie der BVB in den einzelnen Mannschaftsteilen aufgestellt ist. Teil 2: Das Mittelfeld.

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Die größte Investition (25 Millionen Euro) dieses Corona-Transfersommers tätigte Borussia Dortmund für einen Spieler aus der zweiten englischen Liga, gerade mal 17 Jahre jung. Das sagt schon viel aus über die große Überzeugung, die hinter dem Werben um Jude Bellingham steckt. Der BVB hatte den Spieler seit längerer Zeit auf dem Radar, eine Pandemie, die alle Klubs wirtschaftlich ins Mark treffen sollte, änderte nichts an dem Willen, diesen talentierten Jungen in diesem Jahr in ein Dortmunder Trikot zu bekommen.

BVB hat mit Bellingham und Reyna die Weichen gestellt

In der Herzkammer des Spiels hat der BVB die Weichen für die Zukunft gestellt und setzt auf jugendliche Dynamik und Begeisterung. Bellingham und der gleichaltrige Giovanni Reyna, der in seiner sechsmonatigen Lehrzeit seit Jahresbeginn rasant hinzulernte, haben sich gegen deutlich erfahrenere und ältere Konkurrenten durchgesetzt und besetzten mit Erfolg in den bisherigen Partien zwei Schlüsselpositionen im Mittelfeld. Bellinghams Ballsicherheit und Auge helfen der Borussia ebenso wie Reynas Qualitäten als Vorbereiter. Sein Zusammenspiel mit Erling Haaland entwickelt sich schon jetzt zu einem Faustpfand.

Bei allem Staunen über den erfolgreichen Dortmunder Jugendstil sind zwei andere Personalien für die hohen Ambitionen der Borussia noch entscheidender: Der überraschende Verbleib von Jadon Sancho entbindet Trainer Lucien Favre von der großen Herausforderung, Ersatz für 40 (!) Torbeteiligungen in der abgelaufenen Saison zu finden. Sancho ist der Unterschiedspieler im Kader, wenn es ihm gelingt, formstabil zu bleiben und die Eskapaden abseits des Platzes zu minimieren. Mit ihm kann Borussia Dortmund nach den Sternen greifen, ohne ihn wären sie wohl auch in dieser Saison unerreichbar. Große Freude herrscht auch über die doch vergleichsweise schnelle Rückkehr von Kapitän Marco Reus, der Favre im offensiven Bereich zusätzliche Optionen gibt.


Verlust von Hakimi tut dem BVB weh

Der Verlust von Achraf Hakimi tut allerdings weh und schlägt sich vor allem im Tempo nieder, mit dem der BVB den Ball über die rechte Seite nach vorne bringt. In den bisherigen Partien agierte Dortmund oft zu statisch, gerade weil auch Hakimis Nachfolger Thomas Meunier mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sein kann.

In Breite wie Tiefe scheint Dortmunds Kader auf allen Mittelfeldpositionen gut aufgestellt zu sein. Für jede Position hat Favre mindestens eine Alternative. Axel Witsel genießt auch in seinem dritten Jahr das absolute Vertrauen des Trainers, unantastbar scheint der Belgier nach einer wechselvollen Saison allerdings nicht mehr zu sein. Witsel muss sich steigern, wenn Dortmund seine Ziele erreichen will.

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Leidtragende der rasanten Entwicklung der beiden Youngster Bellingham und Reyna sind bislang der Däne Thomas Delaney, Mahmoud Dahoud und vor allem Nationalspieler Julian Brandt, dessen Formkurve in der Vorbereitung in den Keller rauschte. Der enge Spielplan sollte aber auch diesen Spielern reichlich Gelegenheiten bieten. Favre hat deutlich großflächigere Rotationen bereits angekündigt. Die Herausforderung wird sein, auch die nicht so häufig berücksichtigten Spieler auf einem hohen Formlevel zu halten.

BVB-Kadercheck Teil 2: Das Mittelfeld

Fazit: Eine echte Schwachstelle ist im Mittelfeld nicht zu finden, wenn es dem Trainer gelingt, den Konkurrenzkampf positiv anzuheizen und er bedenkenlos rotieren kann. Von den beiden 17-Jährigen kann man allerdings kaum erwarten, dass sie ihrem Klub 40 Pflichtspiele oder mehr auf gleichbleibend hohem Niveau bringen.

Leistungsschwankungen und einen gewissen Kräfteverschleiß muss Favre im Saisonverlauf angesichts der Terminfülle aber nicht nur bei seinen beiden Top-Youngstern einkalkulieren und kompensieren. Problematisch könnte es zudem auf der linken Seite werden, wenn Dortmund die Ballfertigkeit eines Raphael Guerreiro ersetzen muss. Dessen Niveau erreichen seine Positions-Konkurrenten nicht annähernd.

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