Als der BVB 2011 als Titelverteidiger in Mainz spielte, sah es bis kurz vor Schluss nicht gut aus. Für das Spiel und für die Saison. Doch dann kam Lukasz Piszczek.

Dortmund

, 24.11.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nur zwei Siege. Drei Niederlagen. Insgesamt nur Platz acht in der Tabelle nach sechs Spielen. Seit sieben Monaten kein Auswärtsspiel gewonnen. So richtig wohl fühlte sich der BVB anscheinend nicht, weit entfernt von der Heimat, weit entfernt von der Gelben Wand.

Saisonerwartungen des BVB wurden bis dato nicht erfüllt

Hatten die Borussen doch in der vergangenen Saison beinahe jeden Gegner an eben jene sprichwörtliche Wand gespielt. Der siebte Spieltag der Saison 2011/2012 begann unter keinen guten Vorzeichen für Borussia Dortmund. Der Vorjahres-Meister, mit Jürgen Klopps sogenanntem Vollgasfußball, konnte den Erwartungen bis hierhin überhaupt nicht gerecht werden. Nun traf man auf Mainz. Im Stadion am Bruchweg (damals Coface Arena) trat der BVB mit zwei Niederlagen in Serie im Gepäck an und wollte es jetzt endlich besser machen. Das war am 24. September 2011.

Eine halbe Stunde war gespielt. Eine gute halbe Stunde, die Hoffnung machte für Schwarzgelb. Doch dann die 33. Minute: Ein grober Abwehrfehler des BVB und Nicolai Müller traf mit der ersten Mainzer Chance - und das im Liegen. 1:0 für Mainz. Schock für den BVB. Doch die Borussen liefen weiter an. Versuch um Versuch wehrte der Mainzer Torhüter Heinz Müller ab. Bis zur 64. Minute: Ivan Perisic traf für den BVB. Endlich der Ausgleich.

BVB in Mainz 2011: Piszczeks Kehrtwende „durch 16 Abwehrbeine hindurch“ Richtung Double

Nicolai Müller (l.) besorgte die Mainzer Führung gegen den BVB. © dpa

Immerhin einen Punkt würde man bei diesem Ergebnis aus Mainz mitnehmen. Ob das den Ansprüchen Borussia Dortmunds genügen würde? Ein Punkt vom Bruchweg für den Titelverteidiger? Wohl eher nicht.

Mannschaften finden sich mit Remis ab

Weiter und weiter lief der BVB an, hatte 70 Prozent Ballbesitz. Shinji Kagawa, Mario Götze oder auch Robert Lewandowski probierten es immer wieder, doch vergeblich. Dann die 90. Minute: Sowohl auf den Rängen als auch dem Platz stellten sich bereits alle auf Punkteteilung ein. Immerhin nicht verloren - aus BVB-Sicht. Einen Punkt gewonnen - aus Mainzer Sicht.

Borussia Dortmund bekam nochmal einen Freistoß, seitlich des Mainzer Strafraums. Der Ball, getreten von Perisic, segelte in den Strafraum. FSV-Torwart Müller wehrte ihn mit beiden Fäusten ins Feld ab. Genau in die Richtung von Lukasz Piszczek. Der Rechtsverteidiger sah das Spielgerät in hohem Bogen auf sich zu fliegen, nahm sich ein Herz und den Ball direkt aus der Luft. Aus gut 25 Metern vor dem Tor hielt er einfach drauf. Der Versuch hatte zwar Tempo, war aber kein Schuss der schönen Sorte, geradlinig wie ein Strich oder mit einer kunstvoll geschwungenen Flugkurve. Es steckte augenscheinlich vielmehr Verzweiflung darin. Oder auch einfach die Erkenntnis, dass hier wohl abermals keine drei Punkte mitzunehmen waren.

Schuss wird länger und länger

Der Ball sprang einmal auf. Sprang zweimal auf. Dreimal. Passierte das Bein eines Verteidigers und noch eins. Torwart Heinz Müller sah das Geschoss erst in letzter Sekunde, machte sich lang und länger, doch der Schuss wurde ebenso lang und länger und der Ball landete schließlich unten links im Netz.

BVB in Mainz 2011: Piszczeks Kehrtwende „durch 16 Abwehrbeine hindurch“ Richtung Double

Schwarzgelbe Jubeltraube: Nach dem 2:1 wird Torschütze Lukasz Piszczek unter seinen Mannschaftskollegen begraben. © dpa

Lukasz Piszczek hatte mit dieser Verzweiflungstat plötzlich die ganze Stimmung gekippt und wurde begraben: unter einem Haufen feiernder Mitspieler. Mit seinem ersten Bundesligator für den BVB läutete Piszczek eine Kehrtwende für den BVB ohnegleichen ein - „durch 16 Abwehrbeine hindurch“, wie Trainer Jürgen Klopp es damals formulierte. Keine einzige Niederlage sollte mehr folgen. 27 Saisonspiele in Folge ungeschlagen. Der BVB stand 224 Tage später abermals feiernd mit der Meisterschale auf dem Siegerpodest.

Weitere sieben Tage holte man auch noch den DFB-Pokal gegen Bayern München. Der erste Double-Gewinn der Vereinsgeschichte war perfekt. Das Tor Piszczeks war der Befreiungsschlag. „Ich bin überglücklich, dass mir mein erstes Bundesligator gelungen ist und wir gewonnen haben“, jubelte der Pole damals nach dem Spiel in Mainz und hatte fortan noch sehr viel zu jubeln.

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