BVB-Hinrundencheck Mittelfeld: Von Hoffnungsträger Brandt bis Dauerreservist Dahoud

dzBorussia Dortmund

Während der Vorrunde klemmte es zunehmend im BVB-Maschinenraum. Die System-Umstellung auf vier Mittelfeldspieler bringt bei mehreren Borussen die Stärken besser zur Geltung. Unser Zeugnis.

Dortmund

, 27.12.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In seinem ersten Jahr in Dortmund setzte Trainer Lucien Favre im Mittelfeld so oft es ging auf die Kombination Axel Witsel plus Thomas Delaney. Strategie und Ballsicherheit, Kampfkraft und Absicherung - im Zentrum spiegelt sich mit am deutlichsten wider, wie der Coach seine Elf Fußball spielen sehen will.

Schon früh in der jetzt abgelaufenen Hinrunde musste Favre variieren, mehr genötigt als gewollt. Delaney zum Beispiel kam insgesamt nur auf sechs Einsätze in der Bundesliga.

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Thomas Delaney kam auf nur sechs Bundesliga-Einsätze in der Hinrunde. © deltatre

Teils verletzungsbedingt, weil er seit Mitte November wegen eines Bänderrisses im Sprunggelenk passen musste. Doch auch zuvor blieb der Däne öfter außen vor, als ihm lieb sein konnte.

Die Statik im Dortmunder Spiel war ins Wanken geraten, mit und ohne ihn auf dem Platz. Im Herzen kam es zu Durchblutungsstörungen. Gesamtnote: 3,5


Favre tüftelte. Wie konnte er das Zentrum rund um Witsel so bestücken, dass Balance und Belastung stimmen, Geduld nicht mit Langsamkeit einherging, Kontrolle nicht mit Passivität verwechselt wurde? Auf welches Personal konnte er auf keinen Fall verzichten? Wer hat die Erwartungen erfüllt?

Gesetzt: Axel Witsel. Wenn der Belgier fit war, spielte er auch. Ungeachtet der Erfahrungen des Frühjahres 2019, als Dauerspieler Witsel sich vor Erschöpfung kaum noch über den Platz schleppten konnte, bekam er den Dauerauftrag fürs defensive Mittelfeld.

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Axdel Witsel wird häufig von seinen Mitspielern gesucht und spielt kaum Fehlpässe.

Neben dem gesetzten Witsel, der trotz seiner im Vergleich zur Vorsaison schwächeren Form unangetastet blieb und in der Liga 13 von für ihn 16 möglichen Partien absolvierte, durften im Maschinenraum andere Spieler ran. Gesamtnote: 3,0


Mahmoud Dahoud etwa erhielt einige Bewährungschancen. Sechs Teilzeiteinsätze in der Liga, zwei Einwechslungen in der Champions League, keine Partie über 90 Minuten - der für ihn im Sommer ausgerufene Neustart nach zwei enttäuschenden Jahren in Dortmund misslang.

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Mahmoud Dahoud kann mit seiner Spielzeit nicht zufrieden sein. © deltatre

Der Achter, öfter wahnsinnig als genial am Ball, verpasste es sich wieder in den Vordergrund zu spielen. Nicht ohne Grund wird er als einer der potenziellen Verkaufskandidaten genannt. Dahoud kann nicht zufrieden sein mit seiner Rolle in Dortmund - und der BVB auch nicht. Gesamtnote: 4,5


Ähnlich wenig Spielzeit musste auch Julian Weigl befürchten. An Witsel gab es seit dessen Verpflichtung kein Vorbeikommen, die Gleichung Weigl plus Witsel ging nie auf.

Doch siehe da, anders als mancherorts prognostiziert stand Passmaschine Weigl in 13 Bundesliga-Spielen auf dem Platz, dazu sechs Mal in beiden Cup-Wettbewerben.

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Julian Weigl war auch eine Alternative in der Abwehr. © deltatre

Sein Vor- und Nachteil: Als Alternative für die rechte Innenverteidiger-Position bleibt er für seinen Trainer vielseitig verwendbar. Was Favre hilft, nützt Weigl nur bedingt. So richtig festspielen konnte er sich auf keiner Position. Gesamtnote: 3,5


Auch bei einem aktuellen Nationalspieler wäre die vielseitige Verwendbarkeit beinahe zum Stolperstein geworden. Linksaußen oder gar im Sturmzentrum: Julian Brandt kam mit den ihm zugedachten Positionen im Dortmunder 4-2-3-1 ebenso wenig zurecht wie mit der Eingewöhnung an sein neues Umfeld. Einer der begabtesten deutschen Fußballer ein Opfer der Umstände?

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Julian Brandt kam beim BVB spät ins Rollen. © deltatre

Es dauerte, und zwar bis zur Trendwende nach dem schwarzgelben Krisen-November, ehe Brandt sein Können abrufen konnte. Nach der Systemumstellung auf ein Vierermittelfeld dribbelte der frühere Leverkusener durchs Zentrum, setzte seine Mitspieler gefährlich ein, sorgte für besondere Momente. Es hat zu lange gedauert, bis er in Dortmund angekommen ist.

Aber ein stark aufspielender Julian Brandt ist eines der größten BVB-Versprechen für eine (noch) bessere Rückrunde, auch wenn sein Durchsetzungsvermögen in der Defensive sicherlich noch ausbaufähig erscheint. Gesamtnote: 2,5


Gar nicht mehr fix eingeplant vor der Saison, zum Ende der Runde kaum wegzudenken aus der Mannschaft: Raphael Guerreiro galt im Sommer lange als Wechselkandidat, blieb dann aber doch in der Bundesliga und gehörte nach wechselhaften Leistungen auf Linksaußen oder als linker Verteidiger zu den Profiteuren der Systemumstellung.

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Raphael Guerreiro war an drei Toren direkt beteiligt.

Als Außenposten vor der Dreierkette kann er auf dem Flügel seine Ballsicherheit und Kreativität im Spiel nach vorne ebenso gut einbringen wie sein Können als Defensivspieler - mit eingebauter Absicherung durch den dritten Innenverteidiger. So unauffällig er manchmal auch agiert, so selbstverständlich gehört der Portugiese zur (erweiterten) Stammelf nach wettbewerbsübergreifend 19 Einsätzen in der Hinrunde. Gesamtnote: 3,0


Von Tobias Raschl, der im Februar 20 Jahre alt wird, heißt es, er mache die Fortschritte, die das Trainerteam von ihm sehen wolle. Zu einem Einsatz im Profigeschäft hat es für den zentralen Mittelfeldspieler dennoch nicht gereicht. Zehnmal Regionalliga - eigentlich zu wenig für ein Top-Talent wie ihn. Der Erfolgsdruck in Dortmund erschwert die Aussichten auf Einsätze. Gesamtnote: ohne Bewertung

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