BVB-Gegner im Fokus: Club Brügge hat viele Sorgen nach Skandal um belgischen Fußball

dzGastkolumne

Vom Club Brügge, der es dem BVB im ersten Champions-League-Spiel der Saison so schwer gemacht hat, ist kaum noch etwas übrig. Das Team steckt in der Krise - auch wegen eines Wettskandals.

von Junior Verbeeke

Brügge

, 28.11.2018, 14:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manchmal verändert sich alles ganz schnell. Die Erinnerungen an die positive Berichterstattung aus Deutschland und das Lob der BVB-Spieler nach dem knappen 1:0-Sieg gegen den Club Brügge im September sind noch frisch. Brügge war in toller Form und bereitete dem BVB große Probleme. Das war am 18. September. Brügge hatte bis zu diesem Zeitpunkt kein einziges Spiel in der belgischen Liga verloren – und auch gegen Borussia Dortmund waren die Chancen zum Sieg durchaus vorhanden gewesen, aber ein verrücktes und dummes Gegentor ließ die Blauschwarzen am Ende mit leeren Händen dastehen.

Heute, gut zwei Monate später, ist alles anders in Brügge. Am Mittwochabend wird von der Mannschaft, die den BVB vor so viele Probleme stellte, nur die Hälfte übrig sein. Kein Karlo Letica, kein Matej Mitrovic, kein Thibault Vlietinck, kein Jelle Vossen, kein Arnaut Danjuma: Vor allem Danjumas Fehlen aufgrund einer Knöchelverletzung ist ein großes Problem. Der Niederländer ist eine der Entdeckungen der belgischen Liga.

Zur Person

Junio Verbeeke

BVB-Gegner im Fokus: Club Brügge hat viele Sorgen nach Skandal um belgischen Fußball
Sportreporter Junior Verbeeke (27) berichtet seit 2016 für Het Nieuwsblad/Sportwereld, die führende Sportzeitung in Belgien. Für uns blickt er auf turbulente Zeiten im belgischen Fußball und den heutigen BVB-Gegner Club Brügge.

Und doch ist es beileibe nicht das größte Problem in Brügge. Seit Anfang Oktober steckt das Team im Formtief – und findet bislang kein Mittel dagegen. Es mag Zufall sein oder auch nicht, aber der Beginn der Formkrise ging einher mit dem Skandal um Bestechung und Geldwäsche im belgischen Fußball. Am 10. Oktober wurden zahreiche Protagonisten des belgischen Fußballs verhaftet. Brügges Trainer, Ivan Leko, konnte zwei Tage lang keine Trainingseinheiten leiten, weil er im Zuge des Skandals für 36 Stunden in Gewahrsam genommen wurde. Der Grund: Als Leko Trainer der OH Leuven war, hieß sein Berater Dejan Vjelkovic – und Vjelkovic ist die zentrale Figur in diesem Skandal.

Leko hat „nichts Falsches“ gemacht

In der Folge aber wurde relativ schnell deutlich, dass Leko nichts mit den Spielverschiebungen zu tun hatte. Die Polizei wollte ihn lediglich zu einigen Geldflüssen aus der Vergangenheit zwischen ihm und Vjelkovic befragen. Normalerweise hätte das wohl nicht für eine Verhaftung gereicht, aber die belgische Polizei wollte in diesem Skandal nicht das geringste Risiko eingehen. Leko kam nach der Befragung frei – ohne Auflagen.

BVB-Gegner im Fokus: Club Brügge hat viele Sorgen nach Skandal um belgischen Fußball

Im Hinspiel hatten Jadon Sancho und der BVB große Schwierigkeiten mit den Belgiern. © imago

Am Tag danach wurde er beim Training von den Fans begeistert empfangen. Der Applaus der Anhänger rührte ihn zu Tränen. Auch im Klub genießt Leko vollstes Vertrauen. Er habe „nichts Falsches“ getan, hieß es in einem Statement des Klubs. Zwar wird Leko den Steuerbehörden noch einige Fragen über die Herkunft einiger Tausend Euro beantworten müssen, aber das ist im Kontext des Skandals eher eine Kleinigkeit als eine große Sache.

Denn der Skandal hat Belgien erschüttert und die Zeitungen über Wochen dominiert, der Club Brügge und sein Trainer Ivan Leko allerdings spielen in der Skandal-Berichterstattung längst keine Rolle mehr.

Brügge steckt in der Formkrise

Die sportliche Krise ist trotzdem noch da. Von den letzten sieben Ligaspielen hat Brügge nur eines gewonnen, hinzu kam ein überzeugender Sieg in der Champions League bei der AS Monaco. Aufgrund der schlechten Ergebnisse in jüngster Vergangenheit und der Verletzungssorgen kursiert in Brügge durchaus ein wenig Angst, in Dortmund eine richtige Klatsche zu kassieren. Jeder hier weiß, dass das Borussia Dortmund von heute nicht mehr das Borussia Dortmund aus dem September ist.

Kurzum: Der Respekt in Brügge vor dem BVB ist sehr groß – und die Chancen auf einen Sieg sind eigentlich gleich Null. Hoffnung macht nur, dass die Mannschaft von Ivan Leko in dieser Saison in der Champions League bislang immer überzeugt hat. Vielleicht gelingt das ja auch in Dortmund.

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