BVB-Fan aus Washington: Wie Laura Reynolds im Internet die Echte Liebe fand

dzSchwarzgelbe Fan-Welt

Laura Reynolds ist BVB-Fan durch und durch. In unserer Serie „Schwarzgelbe Fan-Welt“ erzählt die Amerikanerin, wie sie die Echte Liebe im Internet fand, was Joachim Löw damit zu tun hat - und warum sich dank Nobby Dickel ihr Deutsch verbessert hat.

Dortmund

, 02.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Die große Liebe im Internet zu finden ist heutzutage das Normalste der Welt. Online-Partnerbörsen haben Hochkonjunktur. Auch die Amerikanerin Laura Reynolds ist im Internet fündig geworden. Das Besondere: Statt auf Parship, Lovescout24 oder Elitepartner verliebte sich die 25-Jährige auf Twitter. Und statt den Partner fürs Leben fand sie: Echte Liebe.

Deutsches Fußballfieber bei der WM 2014

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Laura Reynolds ist seit fünf Jahren glühender BVB-Fan. Daran hat auch Joachim Löw seinen Anteil. Denn 2014 sorgte seine Mannschaft mit ihrem WM-Triumph in Brasilien weltweit für Begeisterung. So auch ein paar Kilometer südlich der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. - bei Laura Reynolds.

Neue Serie über BVB-Fans weltweit
  • In unserer neuen Serie „Schwarzgelbe Fan-Welt“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen außergewöhnliche BVB-Fans vor - egal ob prominent oder weniger bekannt, ob am Borsigplatz geboren oder wohnhaft am anderen Ende der Welt.
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„Ich hatte das Fußballfieber und mochte die deutsche Mannschaft wirklich sehr. Deshalb habe ich angefangen nach Bundesliga-Teams zu suchen - und bin auf die Borussia gestoßen“, erinnert sich Reynolds. Die damals 20-Jährige ist sehr aktiv bei dem Kurznachrichten-Dienst Twitter. „Dort habe ich sofort viele nette Menschen kennengelernt. Und mir hat es gefallen, wie der Verein bei Twitter selber mit den Fans interagiert hat.“

Fortan ist Laura Reynolds verknallt. Als dann nach der WM die letzte Spielzeit unter Jürgen Klopp ihren desaströsen Lauf nimmt, hätte das für so manche frische Fußball-Romanze vermutlich sofort wieder das Beziehungs-Aus bedeutet. Doch aus Reynolds Schwärmerei für Schwarzgelb wird genau in dieser Phase Echte Liebe. „Es war großartig für mich zu sehen, wie die Fans das Team trotz allem unterstützt haben. Der BVB war wie eine Familie - und ich wollte ein Teil davon werden.“

Verwackelte Live-Streams und Infos aus dem Internet

Also informiert sich die Studentin der klinischen Psychologie immer mehr über den BVB - via Social Media und Wikipedia. Und sie versucht, die Spiele zu verfolgen. Eine strapaziöse Angelegenheit. „Ich war in meinem letzten Semester an der Uni und ich hatte weder einen Fernseher noch das richtige Abo bei dem richtigen TV-Sender, um den BVB spielen sehen zu können. Also bin ich samstags und sonntags ganz früh aufgestanden und habe völlig verwackelte Live-Streams auf meinem Laptop geschaut - und das Ergebnis nebenbei auf Twitter verfolgt“, erinnert sie sich.

BVB-Fan aus Washington: Wie Laura Reynolds im Internet die Echte Liebe fand

Heute ist Laura Reynolds (2.v.l.) Mitglied des im April 2017 gegründeten Fanclubs „Borussia Dortmund Supporters of Washington DC“. © Privat

Und mit der Hilfe von Stadionsprecher Nobby Dickel frischt sie ihr Deutsch auf. Denn auch über das BVB-Netradio verfolgt sie damals die Spiele. „Natürlich nur, wenn meine Zimmernachbarin schon wach war.“

Gewinnspiel führt sie nach Dortmund - und ins Stadion

Auch mit Hilfe der Buzz09-App holt sie sich Informationen über den BVB, nimmt dort an einem Gewinnspiel teil - und gewinnt im Winter 2015 tatsächlich, in Begleitung ihres Vaters, einen dreitägigen Trip nach Dortmund. Inklusive: Unter anderem eine Stadion-Führung, der Besuch des BVB-Heimspiels gegen den VfB Stuttgart und ein Meet-and-Greet mit Keeper Roman Bürki bei „19.09 - der schwarzgelbe Talk“.

Den BVB im Signal Iduna Park spielen zu sehen ist auch vier Jahre später noch ihr schönstes BVB-Erlebnis: „Die Gelbe Wand zu sehen, mit allen zusammen ‚You‘ll never walk alone‘ zu singen - das war einfach großartig. Es gibt nichts Vergleichbares“, erinnert sie sich. „Ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass dieser Trip stattgefunden hat. Ich bin so dankbar dafür.“

Hoffen auf Pokal-Auslosung und die Champions League

Nach Dortmund hat sie es seitdem leider nicht mehr geschafft. Aber sie ist schon ein ganzes Stück näher gekommen. Seit Dezember 2018 wohnt Laura Reynolds in Garmisch-Partenkirchen und arbeitet dort in einem amerikanischen Hotel. Da sie oft unter der Woche frei hat, hofft sie, in der Saison 2019/20 einige Champions-League- oder Pokal-Spiele der Borussen besuchen zu können. Oder Auswärtsspiele. In Augsburg zum Beispiel. „Aber niemals in München“, steht für sie fest.

Einmal konnte die Amerikanerin den BVB seither aber doch noch live spielen sehen. Auf dem USA-Trip der Borussen im Sommer 2018. In Charlotte, North Carolina, beim 3:1-Testspiel-Sieg gegen den FC Liverpool. Mit zwei Toren und einer Vorlage der entscheidende Mann auf dem Platz: Christian Pulisic.

„Wir kennen den BVB - da spielt doch Pulisic“

„Er ist solch eine Inspiration für die jungen Spieler in den USA“, sagt Reynolds. Oft habe sie Menschen mit Christian-Pulisic-Trikots im Park kicken gesehen. Und immer, wenn sie sie angesprochen und von ihrer Liebe zum BVB erzählt habe, habe es geheißen: „Ja klar, wir kennen den BVB. Da spielt doch Christian Pulisic.“

BVB-Fan aus Washington: Wie Laura Reynolds im Internet die Echte Liebe fand

Auf der USA-Reise 2018 traf Laura Reynolds auch auf BVB-Ikone Roman Weidenfeller. © Privat

Das ändert sich bekanntlich in diesem Sommer. Ab der nächsten Saison schnürt „Captain America“ seine Schuhe in der englischen Premier League für den FC Chelsea. „Sein BVB-Abschieds-Video hat bei mir für feuchte Augen gesorgt“, sagt Reynolds, die Pulisic bei seinem neuen Verein aber nur das Beste wünscht: „Er hat kein großes Ego und ist sehr Bescheiden. Und das bei all seinem Erfolg.“

Saison 2014/15 ist für Reynolds der Maßstab

Das gilt in gewisser Weise auch für Reynolds selber. Zumindest, was ihre Erwartungshaltung an den BVB angeht: „Es ist witzig, denn ich gehe in gewisser Weise immer noch mit der Einstellung aus der Saison 2014/15 ‚Hey, wenigstens sind wir noch nicht ganz tot‘ an die Sache heran.“ Deshalb blickt sie zufrieden auf die vergangene Saison zurück. „Es hat sich großartig angefühlt, so lange an der Spitze zu stehen.“

Und doch muss sie gestehen: „Natürlich ist es schwer, nicht enttäuscht zu sein, wenn man quasi schon eine Hand an der Meisterschale hatte. Am Ende hatten wir es aber auch einfach nicht verdient.“

Ob sie denn glaubt, dass der BVB nächste Saison Chancen auf den Titelgewinn hat? „Das kann natürlich nur die Zeit zeigen. Aber ich werde immer an den BVB glauben.“ So läuft das eben nun mal bei der Echten Liebe.

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