Ein Ziel des BVB ist es, weniger Gegentore zu kassieren als in der vergangenen Saison. Ist die Borussia dazu in der Defensive gut genug aufgestellt? Teil zwei unserer Kaderanalyse.

Dortmund

, 22.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Zehn Spieler für vier Positionen: Nicht nur im Dortmunder Mittelfeld besitzt Lucien Favre ein Überangebot. Der BVB-Trainer ist ein klarer Verfechter der Viererkette – und bei aller Aufregung um die Sturmprobleme wird es in der neuen Spielzeit vor allem darauf ankommen, defensiv stabiler als in der vergangenen Saison zu aufzutreten.

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47 Gegentore waren entschieden zu viel – und ganz nebenbei zehn mehr, als der Vizemeister aus Gelsenkirchen kassierte. Favres erste Wahl für die defensive Viererreihe ist ein offenes Geheimnis, das zeigte auch das Pokalspiel in Fürth. Teil zwei unseres BVB-Kaderchecks: die Abwehr.

Lukasz Piszczek: Der Dauerbrenner und Dauerrenner auf der Rechtsverteidigerposition war, ist und bleibt der Platzhirsch hinten rechts – das Amt des Vizekapitäns hat diesem Status sicher nicht geschadet, trotz leicht abfallender Tendenz in seinen Leistungen. Der 33 Jahre alte Pole soll – anders als in vergangenen Spielzeiten – auch Pausen verordnet bekommen. Achraf Hakimi gefällt das.

BVB erwartet mehr Stabilität durch neue Viererkette um Diallo und Akanji

Dortmunds Trainer Lucien Favre (l.) arbeitete mit Lukasz Piszczek schon von 2007 bis 2009 in Berlin zusammen. © Guido Kirchner

Manuel Akanji: „Ich traue mir das schon zu“, sagt der 23-jährige Schweizer auf die Frage, ob er sich nach dem Abgang des Griechen Sokratis für die Rolle des BVB-Abwehrchefs bereit fühle. „Ich will der Mannschaft helfen.“ Favre gibt ihm die Möglichkeit, sich als Abwehrchef zu beweisen. Akanji ist in der Innenverteidigung gesetzt.

Abdou Diallo: Mit rund 25 Millionen Euro Ablöse ist Diallo aktuell der teuerste BVB-Neuzugang dieses Sommers. Der 22 Jahre alte Franzose soll zusammen mit Akanji das bilden, was sie beim BVB zu Zeiten von Mats Hummels und Neven Subotic „Kinderriegel“ nannten. Die Eindrücke aus der Vorbereitung und dem Pokalspiel in Fürth sind vielversprechend – und Diallo gibt sich ambitioniert: „Warum sollten wir nicht sogar um Platz eins spielen?“, fragt er.

BVB erwartet mehr Stabilität durch neue Viererkette um Diallo und Akanji

BVB-Sportdirektor Michael Zorc bschreibt Abdou Diallo als einen „modernen, spielstarken und intelligenten Innenverteidiger“. © Guido Kirchner

Marcel Schmelzer: Was Piszczek hinten rechts ist, ist Marcel Schmelzer hinten links: Platzhirsch. Daran ändert sich auch unter Lucien Favre erst einmal nichts. Viele Kritiker wünschen sich Raphael Guerreiro als Linksverteidiger, der ehemalige Kapitän Schmelzer hat keinen leichten Stand. Was die Kritiker gerne übersehen: Der 30-jährige Magdeburger spielt immer, wenn er fit ist - egal unter welchem Trainer.

Ömer Toprak: Der 29-jährige Türke muss sich in seinem zweiten Jahr bei Borussia Dortmund damit zufriedengeben, dass er aktuell nur die Nummer drei in der Innenverteidigung ist. Unter Peter Stöger war er absoluter Stamm- und Vielspieler, unter Lucien Favre rangiert er in er Verteidiger-Hierarchie hinter Manuel Akanji und Abdou Diallo – und muss auf seine Chance warten.

Achraf Hakimi: Die Leihgabe von Real Madrid soll Piszczek entlasten. Der 19-jährige Marokkaner möchte sich in Dortmund als möglicher Startelf-Spieler bei den Königlichen empfehlen. Hakimi sieht im BVB einen Klub, der „jungen Spielern eine gute Chance bietet, sich gut weiterzuentwickeln“. Er wird seine Bewährungschance bekommen.

BVB erwartet mehr Stabilität durch neue Viererkette um Diallo und Akanji

Madrid-Leihgabe Achraf Hakimi erhofft sich in Dortmund ähnlich viel zu lernen wie Dani Carvajal in seiner Zeit in Leverkusen. Der Madrilene zählt mittlerweile zu den besten Rechtsverteidigern der Welt. © Guido Kirchner

Dan-Axel Zagadou: Die Aussichten des 19-jährigen Franzosen auf Spielzeit sind überschaubar. Gegen Fürth stand Zagadou nicht einmal im Kader, und diese Nicht-Nominierung wird kein Einzelfall bleiben. Er ist die klare Nummer vier unter den Innenverteidigern.

BVB erwartet mehr Stabilität durch neue Viererkette um Diallo und Akanji

Für Dan-Axel Zagadou (l.) wird es schwierig auf Einsatzzeit zu kommen. Bei Raphael Guerreiro steht sogar ein Verkauf noch im Raum. © Guido Kirchner


Raphael Guerreiro: Der Europameister aus Portugal ist einmal mehr nicht beschwerdefrei durch die Vorbereitung gekommen. Muskuläre Probleme sind ein ständiger Begleiter Guerreiros, dessen Qualitäten als Fußballer deutlich unumstrittener sind als seine Berufseinstellung. Ähnlich wie Tuchel sieht Favre eher einen Mittelfeldspieler in dem 24-Jährigen. Wenn ein zahlungskräftiger Klub kommt, könnte Guerreiro sogar noch ein Streichkandidat im überfüllten Kader werden.

Jeremy Toljan: Der U21-Europameister spielt keine Rolle in Lucien Favres Planungen. Gegen Fürth schaffte es Toljan, der stets beteuert, sich in Dortmund durchsetzen zu wollen, nicht in den Kader. Dem 24-Jährigen droht eine Saison auf der Tribüne oder in der U 23, wenn er bleibt.

Dzenis Burnic: Das Eigengewächs, eigentlich im zentralen Mittelfeld beheimatet, durfte sich in der Vorbereitung als Linksverteidiger zeigen. Die Aussichten des 20-jährigen Hammers auf Spielminuten sind ob der Konkurrenzsituation allerdings ziemlich dürftig. Trotz vernünftiger Eindrücke.

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