Ein Doppelpack ist bei BVB-Stürmer Erling Haaland (r.) mittlerweile Standard. © imago / Team 2
Borussia Dortmund

BVB-Einzelkritik: Haaland beispielhaft, Pongracic souverän, Tor rettet Brandt

Borussia Dortmund gewinnt das Spektakel in Leverkusen mit 4:3. Haaland präsentiert sich beispielhaft, Pongracic agiert souverän, sein Tor zum 2:2 rettet Brandt. Die BVB-Einzelkritik.

Gregor Kobel: Musste nicht einen Ball halten bis zur Pause, aber zwei Mal die Kugel aus dem Netz holen. Seine Vorderleute ließen den Schweizer ziemlich im Stich. Diabys scharfe Flanke zwang ihn dann nach 68 Minuten zu seiner ersten Parade. Frimpongs Freistoß musste er halten (70.), den Ball von Alario, der alleine auf ihn zustürmte, nicht unbedingt. Wieder stark im Eins-gegen-Eins (80.), das sicherte den wichtigen Dreier. Note: 2,0

Thomas Meunier: Mal Genie, wie bei der perfekten Flanke zum 1:1 (37.), der er eine ähnlich gute zum vermeintlichen 2:1 folgen ließ (39.). Aber auch viel Wahnsinn. Gleich zwei Mal schlampig in der Ballannahme an der Seitenlinie (14./36.). Hatte zudem alle Hände voll mit Paulinho zu tun, den er in der 20. Minute auch nur durch ein Foul stoppen konnte – keine klare Aktion als letzter Mann, daher war Gelb in diesem Fall noch okay. Im Glück, dass er beim Tritt gegen Bakker nicht Gelb-Rot sah (57.). Note: 4,0

Marin Pongracic: Tja, wie sollte er sich mit Manuel Akanji abstimmen? Fakt ist: Die Lücke, durch die Florian Wirtz beim 1:0 für Bayer hindurchspazierte, war viel zu groß. Danach aber in seinem Kerngeschäft kaum zu überwinden: Guter Ballgewinn gegen Paulinho (24.), starke Zweikampfführung gegen Schick (30./43.). Ein Lichtblick und solide, solange seine Kraft reichte. Es gab Beifall bei seiner Auswechslung. Gelungenes Pflichtspieldebüt. Note: 2,5

Manuel Akanji: Hing beim 0:1 mit drin, musste danach viele Löcher auf der linken Seite stopfen, weil Guerreiro einige Male die Defensivarbeit verweigerte. Ein öffnender Ball ins Aus passte zu seinen ersten 45 Minuten, raufte sich die Haare, was zeigte, wie unzufrieden er selbst war. Schlechtes Stellungsspiel auch beim Konter, der zur Großchance für Alario führte (80.). Da stand der Sieg auf der Kippe. Note: 4,0

Raphael Guerreiro: Eine wichtige Grätsche gegen Schick, die das 0:2 verhinderte (19.) – das war zunächst seine beste Szene. Beim 0:1 mitbeteiligt. Weil er sehr hoch stand, war Dortmund auf seiner Seite oft sehr offen. Nach der Pause mit einem offensiven Lebenszeichen, sein Schuss ging knapp vorbei (47.). Viel besser zielte er bei seinem sehr sehenswerten Tor zum 3:3 (71.). Ein toller Freistoß. Note: 3,0

Jude Bellingham: In der Raute rechts zu Hause. Eine erste gute Konterchance ließ er aus, beim vermeintlichen 2:1 schaltete er schneller als alle Leverkusener. Das Tor zählte zu Recht nicht, er hätte fast dennoch eins gemacht, als er gegen Bakker sehr stark den Ball eroberte, dann aber im Abschluss etwas zu zögerlich war (44.). Beim 2:3 lief er mit zu wenig Druck auf Torschütze Diaby zu und drehte sich bei dessen verunglücktem Schussversuch auch noch weg (55.). Stark dann aber seine Grätsche gegen den Schussversuch von Adli (81.). Gab in keinem Zweikampf klein bei, Einstellung und Kampfbereitschaft sind beim Engländer immer zu sehen. Riss damit auch seine Mitspieler mit. Note: 3,0

Axel Witsel: Nach seinem Aushilfsjob in der Innenverteidigung als Sechser in der Raute aufgeboten. Rose wollte seine Abgeklärtheit und Erfahrung unbedingt auf dem Feld haben. Ließ sich schon sehr früh von Diaby viel zu leicht den Ball abluchsen, ein erster Warnschuss. Auch beim 1:2 stand er dann schlecht – durchs Zentrum fand Leverkusen immer sehr viel freien Raum vor, was aber nicht nur am Belgier lag. Bei allem Bemühen bekam er keine Struktur und Ruhe ins BVB-Spiel. Nach gut einer Stunde machte er für Malen Platz. Note: 4,0

Mahmoud Dahoud: Links in der Raute, da musste er sich erst einmal zurechtfinden. Lange nicht so prägend wie in der Zentrale. Unglückliche erste 45 Minuten. Vor dem vermeintlichem 2:1 foulte er Diaby ziemlich plump, beim 0:1 verlor er mit Guerreiro den Ball. Es blieb eine mühsame Geschichte für den Deutsch-Syrer. Unverkennbar sein Frust nach seinem verunglückten Schussversuch (62.), viele Missverständnisse prägten sein Spiel. Dazu gehörte auch sein sehr riskanter Querpass Richtung Kobel (86.). Note: 4,0

Julian Brandt: Alles Lob über eine tolle Vorbereitung hilft nicht, wenn das samstags nicht zu sehen ist. Nach einer Weiterleitung von Haaland ging er mit Tempo in den Strafraum und wollte dann über Hradecky lupfen. Das misslang gründlich, danach zunehmend von der Rolle. Seine Zweikampfführung war grausam, auch vor dem 1:2, als er 25 Meter vor dem Leverkusener Tor den Ball verlor. Beim Anspiel von Bellingham zögerte er zu lange mit dem Abschluss (33.). Hätte sich über eine Auswechslung nicht beschweren dürfen, hämmerte dann bei seinem Tor allen Frust heraus und traf aus spitzem Winkel – sehenswert, fand auch Marco Rose: „Geht doch“, konnte man von seinen Lippen ablesen. Das Tor rettete Brandts Tag. Note: 4,0

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Bundesliga, 4. Spieltag: Bayer Leverkusen – BVB 3:4 (1:1)

Marco Reus: Bei zwei guten Abschlusschancen fehlte ihm in der Anfangsphase die letzte Entschlossenheit, danach offensiv unglücklich. Der letzte Punch fehlte auch nach der Pause. Den Elfmeterpfiff beim Schlagen von Kossounou erarbeitete er sich regelrecht (73.). Ging als Kapitän voran und verteidigte am Ende mit letzter Kraft die Führung. Note: 3,0

Erling Haaland: Als Zielspieler zunächst nicht gefragt, dafür arbeitete er gut mit und fiel durch kluge Weiterleitungen als Wandspieler auf. Dortmund aber braucht vor allem seine Tore, und natürlich lieferte er erneut. Perfekte Flanke Meunier, perfekter Kopfball gegen Kossounou – 1:1 (35.). Beim vermeintlichen 1:2 bereitete er etwas unfreiwillig vor, wie er seinen Körper einsetzt, ist dennoch beispielhaft. Entschlossen auch beim Elfmeter, der Dortmund den Sieg brachte (77.). Note: 1,5

Donyell Malen (65. für Witsel), Mats Hummels (84. für Pongracic) und Marius Wolf (89. für Bellingham) bleiben ohne Note.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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