BVB-Buch: „Das Leben des Wolfgang Paul“ erzählt von echter Liebe - lange vor dem Slogan

Borussia Dortmund

In Zeiten des modernen Fußballs werden Identifikationsfiguren wie BVB-Legende Wolfgang Paul selten - und von Fans schmerzlich vermisst. Bei der Präsentation seines Buches wird klar, warum.

Dortmund

, 04.12.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Buch: „Das Leben des Wolfgang Paul“ erzählt von echter Liebe - lange vor dem Slogan

BVB-Legende Wolfgang Paul wird im Januar 80 Jahre alt. © imago/Team 2

In einer Gaststube sitzen an einem runden Tisch ehemalige Fußballer inklusive des Vereinspräsidenten, der einen der Geschäftsführer an seiner Seite hat. Es gibt gutbürgerliche Schnittchen, Bier und eine Menge alter Anekdoten. Im Kamin prasselt das Feuer, die Stimmung ist locker, man erzählt von früher. Und das alles zu Ehren des ehemaligen Kapitäns, der bald 80 Jahre alt wird.

Die Szene könnte auch von einem Treffen der Alten Herren eines Kreisligisten stammen. Das Treffen am Dienstagmittag in Wickede/Ruhr findet aber nicht zu Ehren eines ehemaligen Kreisliga-Kapitäns statt. Nein, der Chef a.D. am Tisch ist kein Geringerer als Borusse Wolfgang Paul. Deutscher Meister. DFB-Pokalsieger. Europapokalsieger der Pokalsieger. Nationalspieler.

Seine Mannschaftskameraden am Tisch heißen Theo Redder und Siggi Held, neben ihnen sitzen Vereinspräsident Dr. Reinhard Rauball und Geschäftsführer Carsten Cramer.

BVB-Legende Wolfgang Paul mag das Rampenlicht nicht

Und doch: Die Stimmung ist wie bei jedem anderen Vereinstreffen auch: gesellig. Wolfgang Paul, der als Vorstopper und Abwehrchef von 1961 bis 1970 im schwarzgelben Trikot spielte, wird zwar erst im Januar 80 Jahre alt, aber an diesem kalten Dezembernachmittag wird ein Buch über sein Leben veröffentlicht.

Autor Uwe Schedlbauer und der ehemalige BVB-Teammanager Fritz Lünschermann haben sich auf Spurensuche begeben und auf 180 Seiten das Leben des ehemaligen BVB-Kapitäns aufgeschrieben: „Der Stopper. Das Leben des Wolfgang Paul“.

BVB-Buch: „Das Leben des Wolfgang Paul“ erzählt von echter Liebe - lange vor dem Slogan

Uwe Schedlbauer, Wolfgang Paul, Dr. Reinhard Rauball und Fritz Lünschermann (v.l.) bei der Präsentation des Buches. © Bargel

Warum Wolfgang Paul? „Er ist in der Öffentlichkeit nicht so bekannt wie zum Beispiel ein Aki Schmidt, aber genau deshalb wollte ich ein Buch über ihn schreiben“, erklärt Schedlbauer. „Vor allem die persönlichen Geschichten sind mir wichtig. Wolfgang hat sich um seine Ausbildung gekümmert, er wollte neben dem Fußball noch ein zweites Standbein haben“, sagt der Autor über die bodenständige BVB-Legende, die das Rampenlicht eigentlich gar nicht mag. Daher ist die gesellige Atmosphäre in der Gaststätte genau das richtige für Paul.

Im Buch geht es deshalb auch nicht nur darum, wie er mit dem BVB Titel gewann, wie er mit Verletzungen kämpfte oder was er heute als Vorsitzender des Ältestenrates von Borussia Dortmund zu tun hat.

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Es geht auch darum, wie der gelernte Uhrmachermeister und Goldschmied von der Bundeswehr zur Borussia kam, wie er als Fußballprofi nebenbei noch die Abendschule besuchte, um seinen Meister zu machen oder wie er seine Frau kennenlernte.

BVB-Präsident Reinhard Rauball plaudert aus dem Nähkästchen

Schon in den ersten Minuten hat der Präsident übrigens etwas zu meckern - mit einem Schmunzeln. „Ich habe Wolfgang Paul damals als erster Stopper genannt, nicht Max Michallek“, sagt Reinhard Rauball, als er das Mikro in die Finger bekommt. „Ob ich da Rechte geltend mache, überlege ich mir noch.“ Und wie er Paul beim ersten Treffen begrüßt hat, weiß der BVB-Präsident auch noch genau: „Langer, darf ich mich vorstellen, mein Name ist Reinhard Rauball.“

BVB-Buch: „Das Leben des Wolfgang Paul“ erzählt von echter Liebe - lange vor dem Slogan

Theodor Redder (l.) und Dr. Reinhard Rauball (M.) sind nur zwei der Weggefährten von Wolfgang Paul, die im Buch „Der Stopper - Das Leben des Wolfgang Paul“ einen Platz gefunden haben. © imago/Thomas Bielefeld

Es ist wie in einer anderen Zeit in der kleinen Gaststätte in Wickede, eine Zeit, in der Profis wie Wolfgang Paul für immer Borussen geblieben sind. Während die Autoren aus dem Buch vorlesen, kommt Ex-BVB-Spieler Patrick Owomoyela in die Stube, aber auch hier keine Spur von modernen, hochoffiziellen Gepflogenheiten. „Der Patrick hat ja auch schon auf die Enkelkinder von Wolfgang aufgepasst, der darf natürlich nicht fehlen“, sagt Co-Autor Fritz Lünschermann zur Begrüßung.

Ex-BVB-Profi Wolfgang Paul ist zufrieden mit seiner Biographie

Und was sagt der Jubilar selbst zu seinem Buch? „Ich habe schonmal durchgeblättert, das sieht gut aus“, sagt Paul. Vor allem die alten Bilder aus seiner Jugend gefallen dem 79-Jährigen.

Mehr Zeit hat der Ex-Profi aber nicht, er muss schon wieder weiter, jemand möchte mit ihm und Siggi Held sprechen. Keine Star-Allüren, keine Smartphones in der Hand und keine Selfies für Instagram - ein ganz normales Treffen von ehemaligen Mannschaftskameraden, die 1966 als erste deutsche Fußballer den Europapokal der Pokalsieger in den Himmel recken durften.

Fußballromantiker sehnen sich nach der guten alten Zeiten

Die Schnittchenplatten leeren sich, die Gesellschaft verläuft sich so langsam. Das Treffen der „Alten Herren“ von Borussia Dortmund neigt sich dem Ende zu. In den Zeiten des modernen Fußballs, den Zeiten von Ausstiegsklauseln und Disziplinlosigkeiten von Spielern wünscht sich so mancher Fan und Fußballromantiker des Öfteren genau diese Zeiten zurück.

Einmal Borusse, immer Borusse. Echte Liebe. Echte Kameradschaft. Bei Zusammentreffen wie diesem sind diese Zeiten immer noch spürbar - und jetzt auch in einem Buch festgehalten.

Das Buch und die Autoren:
  • Das Buch „Der Stopper - Das Leben des Wolfgang Paul“ ist im Blundus Media GmbH-Verlag erschienen und umfasst 180 Seiten. Es ist ab sofort erhältlich im örtlichen Buchhandel sowie im Online-Shop des BVB und des Blundus-Verlags und kostet 10 Euro.
  • Die Autoren: Uwe Schedlbauer (60) ist selbstständiger Autor sowie PR-Berater und begeistert seit Jahren die BVB-Fans nicht nur mit seinen Büchern, sondern auch mit seinen Events „Schwarzgelbe Geschichten“.
  • Fritz Lünschermann (64) war von 1978 bis 1988 für die Ruhr Nachrichten tätig. Als BVB-Ehrenmitglied vertritt der langjährige Teammanager heute als Vorsitzender des Betriebsrates der KGaA die Interessen der schwarzgelben Mitarbeiterschaft.
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