BVB-Boss Watzke vor dem Topspiel gegen Leipzig: In Dortmund muss man erst einmal etwas holen

dzBorussia Dortmund

Der BVB fühlt sich nach vier Siegen in Serie bereit für das Spitzenspiel gegen Tabellenführer Leipzig. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schlägt selbstbewusste Töne an.

Dortmund

, 15.12.2019, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Ende wurde das Aufregerthema zur Randnotiz und konnte getrost weggelächelt sowie charmant abmoderiert werden. „Warum wir in der ersten Hälfte keinen Elfmeter bekommen haben, weiß ich nicht“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc halb amüsiert, halb fassungslos. „Das ist für mich komplett fußballfremd.“

Gleich dreimal hätten Schiedsrichter Benjamin Cortus auf dem Rasen und Video-Assistent Benjamin Brand im Kölner Keller zu dem Schluss kommen können, dass es eigentlich langsam mal an der Zeit war, auf den Elfmeterpunkt zu zeigen, aber sie entschieden sich dreimal dagegen. Bei Edimilson Fernandes‘ Trikotzupfer gegen Marco Reus (19.), bei Fernandes‘ Tritt gegen Thorgan Hazard (34.) und zu allem Überfluss auch bei Jeremiah St. Justes Torwarteinlage nach einer Viertelstunde, als der Mainzer Verteidiger Reus‘ Hereingabe sicher unter sich begrub. „Vielleicht“, mutmaßte Zorc, „haben sie in Köln auch eine schwarze Mattscheibe vor sich gehabt.“

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Dass Zorc nach dem Spiel mit einer guten Portion Humor über diese Szenen sprechen konnte, lag daran, dass Borussia Dortmund gegen überforderte Hausherren auch ohne Strafstoß vier Tore geschossen hatte. Kapitän Reus mit seinem ersten Auswärtstor in dieser Saison seit der ersten Runde des DFB-Pokals, Jadon Sancho nach sensationeller Vorarbeit von Dan-Axel Zagadou, Thorgan Hazard dank eines strammen Schusses und einer wackeligen Torwartparade sowie Nico Schulz mit seinem ersten Treffer im BVB-Trikot überhaupt sorgten für klare Verhältnisse in der Opel Arena.

Systemumstellung zahlt sich für den BVB aus

Unter dem Strich stand ein hochverdienter 4:0-Sieg der Dortmunder, die erstmals in dieser Saison auch auswärts über die volle Spielzeit wie eine Spitzenmannschaft auftraten. Für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre war es der vierte Pflichtspiel-Erfolg in Serie - und der vierte Sieg seit der Umstellung von einer Vierer- auf eine Dreierkette in der Defensive, die bei gegnerischem Ballbesitz auch mal zu einer Fünferkette werden kann.

„Ich persönlich empfinde das neue System für unseren Kader als sehr passend.“
Hans-Joachim Watzke

Die Systemumstellung sei eine „Intuition“ gewesen, sagte BVB-Trainer Lucien Favre, der vor drei Wochen nach dem 3:3 daheim gegen den SC Paderborn und dem 1:3 beim FC Barcelona noch mit dem Rücken zur Wand gestanden hatte und nun auf einmal wieder ziemlich fest im Sattel sitzt. „Wir mussten etwas ändern“, gab Favre zu Protokoll. „Wir pressen jetzt gut, das fängt vorne an. Wir machen es gut, wir sind kompakter. Wir sind besser geworden in der Balleroberung, aber es gibt immer noch viel zu tun.“

Vom obersten Boss der Schwarzgelben gab‘s Lob für die Intuition des Trainers - oder dessen Mut, wie auch immer das letztendlich zu betiteln ist. „Ich persönlich empfinde das neue System für unseren Kader als sehr passend“, sagte Hans-Joachim Watzke am Sonntag im Gespräch mit dieser Redaktion, „insgesamt hat es der Trainer sehr gut gelöst.“

Der BVB schaltet vom Krisen- in den Angriffsmodus

Und so ist innerhalb von nur 22 Tagen aus einem Klub im Krisenmodus wieder ein Klub im Angriffsmodus geworden. Die Zuversicht ist zurück bei Borussia Dortmund, das Selbstvertrauen auch, wenngleich jeder weiß, dass eine Niederlage am kommenden Dienstag im Heimspiel gegen RB Leipzig den Rückstand auf die Roten Bullen auf sieben Punkte anwachsen lassen würde. Aber es besteht eben auch die Möglichkeit, sich bis auf einen Punkt heranzuarbeiten.

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Die RN-Analyse zum 4:0 des BVB in Mainz

„Bei allem Respekt vor Leipzig“, erklärte Watzke, „in Dortmund muss man erst einmal etwas holen. Es wird eine Herausforderung für uns gegen eine ambitionierte Mannschaft, aber wir haben auch gegen Barcelona, Leverkusen und Mailand Top-Heimspiele abgeliefert.“ Und Zorc meinte: „Es wartet ein Spitzenspiel auf uns - und wir wollen es gewinnen.“

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