BVB-Boss Hans-Joachim Watzke präsentiert sein Buch - doch der Star ist Jürgen Klopp

Signal Iduna Park

Hans-Joachim Watzke bringt ein Buch über seine Zeit beim BVB heraus. Der Star ist aber Jürgen Klopp. Beide verbindet „eine klassische Männerfreundschaft“. Und noch viel mehr.

Dortmund

, 10.10.2019, 19:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke präsentiert sein Buch - doch der Star ist Jürgen Klopp

Verbrachten einen launigen Abend im Signal Iduna Park: Hans-Joachim Watzke (l.) und Jürgen Klopp. © Groeger

Bühne frei. Applaus für Hans-Joachim Watzke. Jubelrufe bei Jürgen Klopp. Der Meister- und Welttrainer, in Dortmund überlebensgroß, schwebt mit seinem Geist noch immer über dem BVB. Und als er am Donnerstag auch physisch einfliegt, gehörte die Aufmerksamkeit erstmal ihm.

Das wiehernde Lachen des Jürgen Klopp

Lautes Klatschen, noch bevor er auf die Bühne der „lit.Ruhr“ tritt. Keine Frage: Der 52-Jährige, in Jeans, Hemd und Pulli ist der Star. Es dauert keine Minute, bis das „wiehernde Lachen“ (O-Ton Watzke) den Raum erfüllt und die 400 Gäste einfängt.

Die Zeit mit Klopp und Sportdirektor Michael Zorc sei „ein Unikat“, so bewertet Watzke die Zeit zwischen 2008 und 2015. „So ein Verhältnis, wie ich es mit Jürgen über sieben Jahre beim BVB hatte, das hat es so vorher nicht gegeben. Und so ein Verhältnis wird es wahrscheinlich auch nie wieder geben.“ Das empfindet der BVB-Boss exakt so. Doch in der bis dato sportlich nur bedingt zufriedenstellenden Saison wirkt der - leicht verklärte? - Blick zurück ein Stück deplatziert. Alle wissen das.

Watzke: „Dann hätte man mich ja sofort entlassen“

Der Veröffentlichungstermin des Buches stand lange fest, die Präsentation gemeinsam mit Klopp auch. Die Borussia Dortmund KGaA ist zwar börsennotiert, aber ein Fußballverein nicht immer rational. „Die Grundsatzentscheidung ist vor neun Monaten gefallen. Wir konnten dann auch nicht warten, bis wir mal wieder ein Spiel gewinnen“, erklärt Watzke. Seit Mitte September sind die Borussen sieglos.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke präsentiert sein Buch - doch der Star ist Jürgen Klopp

Mit Buch und Pils: Hans-Joachim Watzke (l.), gefolgt von Jürgen Klopp. © Groeger

Der BVB-Boss hätte Klopp noch im Mai 2018 dem derzeitigen Cheftrainer Lucien Favre vorgezogen, er würde Klopp wohl jeden Tag zurückholen, wenn er denn könnte. Er habe das auch tatsächlich mal versucht. „Das war mehr für mich gedacht. Wir standen vor der Frage, wen holen wir. Wenn dann irgendwann rausgekommen wäre, vier Wochen später bei Jürgen in einem Interview oder so, dass ich ihn nicht gefragt hätte, dann hätte man mich ja sofort entlassen.“

Klopp spricht über eine großartige Zeit

Jeder Coach - Lucien Favre ist der vierte seit dieser Ära - muss ein Stück weit scheitern an der Überhöhung der Vergangenheit. Eine Konstellation, die dem BVB in Gegenwart und Zukunft höchste Hürden aufbaut im wiederkehrenden Vergleich mit der Zeit zwischen 2010 und 2013.

Er könne ja verstehen, dass es „gerade nicht so cool ist, wo der BVB nur Achter ist“, und er „der ehemalige Trainer, der im Rückblick noch viel besser ist als er tatsächlich war. Aber man muss doch über eine Zeit sprechen können, die extrem großartig war. Und dazu gehörten ja nicht nur Aki Watzke und ich.“ Klopp zählt Michael Zorc auf, den früheren Pressesprecher Josef Schneck, Norbert Dickel und Carsten Cramer. Diese Zeit und das, was Watzke geleistet habe, sei speziell, einzigartig. „Eine klassische Männerfreundschaft.“

„Wir haben beide, lapidar gesagt, ein ziemlich großes Mundwerk. Und wir haben beide kein Problem damit, was einzustecken.“
Jürgen Klopp

Es gehe ihm nicht um Vergleiche zwischen aktuellen oder vorherigen Trainern, betont auch Watzke. „Hier geht es um eine rein menschliche Komponente.“ Er habe ein gutes Verhältnis zu allen Trainern gehabt seit Klopp, sagt Watzke, und zählt Lucien Favre, Peter Stöger und Peter Bosz auf. Der Name Thomas Tuchel fällt auffallend nicht. Dessen Biografie erscheint übrigens in Kürze.

Was Klopp und Watzke verbindet? Beide sind Erfolgsmenschen, beide von ihren Vätern geprägt, beide nahezu romantisch in Fußball vernarrt. Und, wie Klopp sagt: „Wir haben beide, lapidar gesagt, ein ziemlich großes Mundwerk. Und wir haben beide kein Problem damit, was einzustecken.“

Seit 2001 ist Watzke Schatzmeister der Borussia, seit 2005 Geschäftsführer. Seine Verdienste suchen ihresgleichen. Mehrere Anfragen für ein Buch, für eine Biografie, habe er abgelehnt. „Das glaubt mir zwar niemand, aber ich mag das eigentlich nicht so.“ Letztlich habe ihn eine melancholische Reflektion geleitet: „Vielleicht kriegst du irgendwann mal Enkel. Dann kannst du denen mal was zeigen, dass der nicht nur Blödsinn im Leben gemacht hat.“ Also habe er sich gedacht, du machst das einmal, und im Leben nie wieder.

Watzke: „Ich bin kein guter zweiter Mann“

Michael Horeni, Sportredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, bekam den Zuschlag als Co-Autor. Nach vielen gemeinsamen Gesprächen hat er ein Buch zusammengefasst, in dem seine Einblicke und die Erzählungen von Watzke und Klopp ineinanderfließen. Der gebürtige Sauerländer mit Wurzeln im Ruhrgebiet zitiert auf der Bühne aus dem Buch: „Wenn es ein Gen zum Glücklichsein gibt, dann ist das bei mir nicht besonders stark entwickelt.“ Klopp bricht in Lachen aus.

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Abschlussfrage von Moderator Alex Bommes: „Wenn Friedrich Merz Bundeskanzler würde, würden Sie dann lieber Finanz- oder Wirtschaftsminister?“ Watzke: „Ich bin kein guter zweiter Mann.“ Es sei denn, der erste Mann heißt Jürgen Klopp.

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