Der BVB hat große Pläne mit Ansgar Knauff. © Bielefeld
Borussia Dortmund

BVB bindet Talent Ansgar Knauff – und hat konkrete Ziele

Borussia Dortmund hat Talent Ansgar Knauff mit einem Profi-Vertrag ausgestattet. Für den 18-jährigen Angreifer gibt es viel Lob - doch es bestehen auch Baustellen.

Ballannahme an der Strafraumkante, ein fix vorgetragener Doppelpass, schon war Ansgar Knauff vorbei an drei Gegenspielern – und vollendete letztlich mit dem stärkeren rechten Fuß. Diese Szene aus der 38. Minute des kleinen Revierderbys zwischen Borussia Dortmunds U23 und Schalkes Zweitvertretung bewies in komprimierter Form, zu welchen Offensiv-Leistungen der 18-Jährige imstande ist. Im 1:1, das den furiosen 5:1-Erfolg einleitete, steckte ebenso viel Handlungsschnelligkeit wie Konsequenz.

Am vergangenen Samstag gelang Knauf dieser Premieren-Pflichtspieltreffer bei den Senioren, es war sein fünftes Regionalliga-Spiel – und das bisher beste. Nicht nur, weil er das feine und wichtige Tor erzielte, Knauff lieferte zudem Balleroberungen, schlug passable Flanken und betätigte sich in einigen Szenen als dynamischer Tiefensprinter, sodass U23-Cheftrainer Enrico Maaßen nach Abpfiff von einer „sehr ordentlichen Leistung“ und einem „ganz guten Spiel“ sprach.

BVB-Talent Ansgar Knauff hat einen Profi-Vertrag unterschrieben

Die Zeugnisse, die Dortmunds Verantwortliche ihrem Youngster in den vorherigen Wochen ausgestellt hatten, waren ähnlich lesbar gewesen, bei Licht betrachtet jedoch – nachvollziehbar – nachsichtig formuliert. Knauff, der am Mittwoch einen bis Sommer 2023 datierten Profi-Vertrag bei der Borussia unterschrieben hat, agierte zunächst eher glücklos. Ab und an sah man ihn verärgert in die Hände klatschen – nach einem Ballverlust, einem misslungenen Dribbling oder einem Stellungsfehler.

Kurzum: Knauff wirkte noch nicht richtig angekommen, wie es immer heißt. Man hätte ihn gern selbst danach gefragt. Doch die Borussia schirmt ihr Talent ab. Dass der junge Mann die obige Bewertung nicht gänzlich ablehnt, lässt zumindest eine vom BVB durchgereichte Antwort vermuten. „Ja“, so Knauff, „inzwischen“ sei er mit sich zufrieden, „ich musste mich natürlich auch an die Art des Fußballs gewöhnen, in den ersten Spielen war das gar nicht so einfach.“

BVB-Talent Ansgar Knauff braucht noch Zeit

Zumal der Angreifer, das muss an dieser Stelle dringend Erwähnung finden, zunächst nur vereinzelt bei der U23-Mannschaft im Training vorstellig wurde. BVB-II-Coach Maaßen verweist darauf, dass Knauff „vor allem zu Beginn häufig bei der U19 oder der Ersten Mannschaft trainiert“ habe und „nicht so oft bei uns“ gewesen sei. „Es dauert also noch ein wenig, bis er all unsere Prinzipien verinnerlicht hat“, sagt der 36 Jahre alte Fußballlehrer. Da sei etwas Geduld gefragt.

Vor allem die Leistung auf Schalke, aber auch – mit Abstrichen – der Vortrag gegen Rödinghausen haben gezeigt, woran Dortmunds Entscheider glauben: dass Knauff, eigentlich ja noch Jugendspieler, bei der U23 seine Entwicklung vorantreiben kann. Denn so lautet erst einmal der Plan. Wenn der Außenstürmer nicht bei den Profis gebraucht wird – in drei Pflichtpartien stand er im Kader – und die U19 keine Highlight-Spiele absolviert, soll er in der Regionalliga spielen – und sich da für den Profifußball präparieren.

BVB-Talent Ansgar Knauff erhält Lob

Lars Ricken, NLZ-Direktor und seit Knauffs Wechsel von Hannover 96 nach Dortmund im Jahr 2016 enger Wegbegleiter des in Göttingen geborenen Talents, lobt: „Sein Antritt und seine Schnelligkeit sind herausragend, aber er ist auch trickreich am Ball und verfügt über gute Abschlussqualitäten.“ All dies wies er in der vergangenen Saison noch in der U19-Auswahl des BVB nach, durfte in der Sommervorbereitung dann bei den Profis mitmachen – und hinterließ laut Ricken einen „guten Eindruck“.

Knauff, mit mehr Platz vor sich besser als in engster Enge, brachte sich ein, traf doppelt beim 5:1-Test gegen Drittligist Duisburg. „Das Tempo ist seine Waffe, am Flügel sehe ich ihn etwas stärker als im Halbraum, da kann er zwar auch aufs Tor gehen, aber ebenfalls Flanken sowie letzte Pässe spielen“, erklärt U19-Trainer Mike Tullberg. Und U23-Coach Maaßen, der ihn bisher links draußen aufbietet, sagt: „Ansgar ist ein sehr leichtfüßiger Spieler“, neben dem „Top-Speed“ sei die „Geradlinigkeit“ dessen größte Fähigkeit.

Lars Ricken fordert noch mehr Aktionen von BVB-Talent Ansgar Knauff

Dennoch bleiben – logisch – verschiedene Baustellen bei diesem Offensiven, der zuvor vor allem über rechts sprintete. „Sein und unser Ziel muss es sein, noch mehr in torgefährliche Situationen zu kommen, um mit Toren und Vorlagen den Unterschied zu machen“, findet Nachwuchschef Ricken. Und U23-Manager Ingo Preuß sieht in Knauff „riesiges Entwicklungspotenzial, in manchen Situationen muss er aber noch mehr anbieten, muss noch giftiger und bissiger sein, damit er auch defensiv besser wird und mehr Bälle erobert.“

Gewiss: Damit meint er nicht, sich in Provokationen zu verstricken, wie es kürzlich in Knauffs sechstem Regionalliga-Spiel gegen Rödinghausen der Fall war. In Hälfte eins hatte sich der Hochbegabte für ein paar Sekunden nicht unter Kontrolle, trat nach einem Gegenspieler. Der Referee übersah diese Aktion – und Knauff, emotional überhitzt, musste erst mal abkühlen, „ruhig, Ansgar, ruhig“, sagte Verteidiger Lennard Maloney, unterstützt von zur Mäßigung mahnender Gesten. Erst danach fand sein Kollege zurück in die Spur.

Lars Ricken freut sich über die Entwicklung vom BVB-Talent

Nach und nach sollen Defizite wie diese behoben werden. Bislang, betont Ricken, habe der Youngster in Dortmund große Entwicklungsschritte vollzogen: „Als Ansgar zur U15 zu uns kam, war er der schmächtigste Spieler im Team und hatte auch noch lange mit Wachstumsproblemen zu kämpfen. Trotzdem haben wir, seine Trainer und er selbst immer an ihn und an seine Qualitäten geglaubt.“ Knauff habe sich „stetig weiterentwickelt“, Ricken wertet das als „absolute Erfolgsgeschichte“.

Eine, der aus BVB-Sicht noch mehr folgen kann. Knauff, als intern klassifiziertes Top-Talent nach wie vor in der Trainingsgruppe von Top-Talentetrainer Otto Addo, wird mit den Worten zitiert: „Mein Ziel ist es, für die Bundesligamannschaft des BVB zu spielen, dafür werde ich alles geben.“ Neben Glück und Gesundheit erachtet Ricken die „Widerstandsfähigkeit“ als elementar dafür. Knauff, in bisher drei Fällen Teil des Profi-Pflichtspielkaders, müsse sich gegen stärkere Spieler durchsetzen, Rückschläge verdauen – „und immer weiter an sich arbeiten“.

Über den Autor
Volontär
Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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Leon Elspaß
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