BVB-Abwehrchef Hummels: Elf Gegentore sind viel zu viel

Wackelige Defensive

Mats Hummels kritisiert nach Borussia Dortmunds drittem 2:2 in der Liga nacheinander die vielen Gegentore - und hadert mit dem fehlenden Glück des BVB.

Freiburg

, 05.10.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Abwehrchef Hummels: Elf Gegentore sind viel zu viel

Mats Hummels erklärte nach dem 2:2 in Freiburg: „Wir spielen nicht perfekt, aber man muss auch sehen, dass wir mit ein bisschen Glück Tabellenführer wären.“ © dpa

Insgesamt analysiert der BVB-Abwehrchef die Lage nach dem enttäuschenden Auftritt in Freiburg fast schon überraschend diplomatisch.


Wieder ein 2:2 in der Liga. Was denken Sie so kurz nach dem Spiel?

Wir ärgern uns natürlich sehr. Wir kassieren wieder ein spätes 2:2. Freiburg hatte nach dem 1:1 keinen einzigen Torschuss mehr. Ich kann mich zumindest an keinen erinnern, der relevant gewesen wäre. Insofern war es schon Pech, dass wir aus diesem Spiel mit einem 2:2 rausgehen. Auch wenn wir vorher bestimmt kein perfektes Spiel gemacht haben. Wie das 2:2 am Ende zustande kommt, ist trotzdem unglücklich, weil wir nach dem 2:1 nicht mehr viel zugelassen haben.


Sie haben nach rund 75 Minuten einen bösen Tritt einstecken müssen. Das Publikum hat Sie danach allerdings bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Was war da los?

Ich habe die Szene gerade nochmal gesehen. Wie formuliert man das jetzt am besten?

BVB-Abwehrchef Hummels: Elf Gegentore sind viel zu viel

Glück im Unglück: Mats Hummels musste eine bösen Tritt aufs Sprunggegelnk verkraften. © imago

Diplomatisch vielleicht?

(lacht) Sagen wir es mal so. Ich kenne das Freiburger Publikum als ein sehr faires. Heute hat es sich ausnahmsweise mal völlig vertan bei der Einschätzung dieser Szene. Ich glaube, wer die Szene gesehen hat, der weiß, dass es ziemliches Glück ist, dass ich da verletzungsfrei rauskomme. Es ist nichts kaputt gegangen. Und jeder, der es nochmal im Fernsehen sieht, würde danach vielleicht nicht mehr pfeifen.


Jetzt kommt die Länderspielpause. Ist das ganz gut, um die jüngsten Ergebnisse in der Bundesliga sacken lassen zu können? Oder würden Sie lieber weiterspielen und den Trend korrigieren?

Es ist ehrlich gesagt egal. Viele Spieler sind bei der Nationalmannschaft und sind mit dem Kopf woanders. Der Rest schaltet ein bisschen ab und kommt erst einmal runter. Ich glaube nicht, dass es einen großen Unterschied macht. Aber natürlich wären wir lieber mit einem Sieg in die Pause gegangen. Was positiv ist, ist, dass noch keine Mannschaft in der Tabelle wegmarschiert ist. Wir reihen uns ein in diese unglaublich enge Konstellation. Noch weiß keine Mannschaft zu 100 Prozent zu überzeugen.


Wie groß ist der Hals trotzdem, den Sie mit in die Länderspielpause nehmen?

Wie gesagt, wir haben wieder Punkte liegen lassen. Zum zweiten Mal auswärts wegen eines Eigentores kurz vor Schluss. Man muss es realistisch betrachten. Wir spielen nicht perfekt, aber man muss auch sehen, dass wir mit ein bisschen Glück Tabellenführer wären. In den Situationen, die zu den Eigentoren führen, kann man jeweils von Pech reden. Wir wissen aber, dass wir uns verbessern müssen. Trotzdem bleibe ich dabei, dass es heute eher unglücklich gelaufen ist für uns.

Jetzt lesen

Wenn Sie sagen, dass der BVB Dinge verbessern muss - was schwebt Ihnen dann genau vor?

Ballbesitz. Zu 100 Prozent den Ballbesitz. Das haben wir auch gerade in der Kabine schon diskutiert. Ich hatte das Gefühl, dass Freiburg am Ende eigentlich ein bisschen platt war. Mit besserem Ballbesitzspiel und mit mehr Spielintelligenz hätten wir hier heute den Sieg mitgenommen.


Eigentlich sind Sie der falsche Ansprechpartner, weil Sie wieder einmal sehr solide verteidigt haben. Aber haben Sie auch bei all Ihren Mitspielern das Gefühl, dass jeder alles reingeworfen hat, um das 2:1 über die Zeit zu bringen?

Ja, eigentlich schon. Wir haben halt falsche Entscheidungen getroffen. Kurz vor dem 2:2 hätten wir einen ganz einfachen Konter spielen können, aber wir geben den Ball viel zu leicht her und bleiben so in unserer Hälfte. Das sind die Dinge, die uns momentan von richtigen Spitzenmannschaften unterscheiden. Da müssen wir klüger sein, vielleicht auch körperlich noch besser dagegenhalten. Da haben wir ein wenig Nachholbedarf. Aber noch einmal: Wir spielen nicht schlecht, wir spielen nur nicht so gut, wie wir es könnten.


Woran liegt das? Ist das Formschwäche? Ist das fehlende Konzentration?

Ich weiß es nicht, ganz ehrlich. Sonst wäre es ja einfacher in den Griff zu bekommen.

Und wie würden Sie insgesamt den Saisonstart bewerten?

In der Champions League gut, das passt. Vier Punkte, alles okay. In der Bundesliga haben wir eindeutig zu viele Gegentore kassiert. Elf Gegentore sind viel zu viel. Daran müssen wir arbeiten. Es muss schwieriger sein, gegen uns Tore zu erzielen. Alles in allem ist das die entscheidende Sache, in der wir uns verbessern müssen.

Aufgezeichnet von Tobias Jöhren in der Mixed Zone.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger SC Paderborn

Früher für Eintracht nun gegen den BVB: Christopher Antwi-Adjei ist zurück in Dortmund

Hellweger Anzeiger Borussia Dortmund

BVB-Spieler Mario Götze feiert sein Bundesliga-Jubiläum - mit Höhen und Tiefen

Meistgelesen