Bodzek: Es gibt keinen dankbaren Zeitpunkt für ein Duell mit dem BVB

dzDüsseldorfs Vize-Kapitän im Interivew

Als Profi spielte Adam Bodzek nur für Duisburg und Düsseldorf. Wir sprachen mit dem Ruhrgebietler über Titelkandidaten, ein 3:3 in München und die Herausforderung im Spiel gegen den BVB.

Dortmund

, 17.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Adam Bodzek kennt auf den Autobahnen 2 und 3 zwischen Recklinghausen und Düsseldorf so ziemlich jeden Kilometer Asphalt persönlich. Der 33-jährige Vizekapitän von Fortuna Düsseldorf ist eine ganze Fußballerkarriere lang im Ruhrgebiet geblieben. Tobias Jöhren hat vor dem Spiel gegen den BVB mit Fortunas Mittelfeldarbeiter gesprochen.

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Sie sind ein Kind des Ruhrgebiets. Waren Sie früher auf dem Bolzplatz im BVB- oder im Schalke-Trikot unterwegs?

Ehrlich gesagt weder noch. Wenn ich mich entscheiden musste, war ich immer eher Team BVB. Aber richtiger Fan war ich nie.



Weiter als bis nach Düsseldorf hat es Sie auch als Fußballer nie weggezogen aus dem Pott. Eine Karriere in Duisburg und Düsseldorf zwischen erster und zweiter Liga. Das ist heutzutage ungewöhnlich. Wie kam’s dazu?

Ich wohne immer noch in Recklinghausen. Das hat sich irgendwie so ergeben. Der Weg nach Duisburg war nicht allzu lang. Und als ich nach Düsseldorf gewechselt bin, da habe ich zusammen mit meiner Familie überlegt, was das Beste für uns ist. Wir haben unsere Freunde hier, unsere Kinder haben Oma und Opa hier. Am Ende haben wir uns dazu entschieden, hier zu bleiben – und nach Düsseldorf ist es ja auch keine Weltreise.

Bodzek: Es gibt keinen dankbaren Zeitpunkt für ein Duell mit dem BVB

Jubel über ein 3:3 in München! Adam Bodzek hat für die Fortuna und MSV Duisburg bislang 242 Zweitligaspiele absolviert. Im Fußball-Oberhaus lief er immerhin schon 56 Mal auf. © imago

Wie war’s sportlich? Fehlten die interessanten Angebote von weiter weg oder fehlte das Interesse, weiter weg von Zuhause zu spielen?

Es hat einfach immer gepasst. Wir waren immer ein ambitionierter Zweitligist. Wir haben 2012 den Sprung in die Bundesliga geschafft. Jetzt haben wir ihn wieder geschafft. Von daher bestand nie wirklich die Notwendigkeit, einen Wechsel zu forcieren. Ich fühle mich bei der Fortuna einfach wohl, ich fühle mich auch im Ruhrgebiet wohl. Es ist gut so, wie es ist.



Ein Blick aufs Spiel am Dienstag: Alle reden immer über die jungen Wilden beim BVB. Aber am Dienstag trifft er 33-jährige Pole Bodzek auf den 33-jährigen Polen Piszczek. Ein Duell der alten Schule?

Die Mischung stimmt in beiden Mannschaften, glaube ich. Es ist schon wichtig, auch ein paar erfahrenere Spieler in der Mannschaft zu haben, die den jungen Spielern den Weg ebnen und Ihnen zeigen, wie sie sich am besten entwickeln können. Die Talente, die der BVB in der Mannschaft hat, sind natürlich sensationell. Deswegen wird es für uns ein hartes Brett, das es zu bohren gilt.

Bodzek: Es gibt keinen dankbaren Zeitpunkt für ein Duell mit dem BVB

Ihr Trainer Friedhelm Funke sagt: „Adam steht auf dem Platz immer seinen Mann.“ Was wird am Dienstag Ihre Hauptaufgabe sein?

Wenn’s nur an mir liegen soll, dann wird’s eng für uns. (lacht) Wir müssen es schon als Mannschaft probieren. Wir müssen eng zusammenstehen und gute Abstände auf dem Platz haben. Ich werde versuchen, dabei zu helfen und alles zu organisieren. Sobald wir dem BVB Räume geben, haben wir ein Problem. Das Hauptaugenmerk wird natürlich darauf liegen, gut zu verteidigen. Wir haben aber die Chance, uns vor ausverkauftem Haus mit dem Herbstmeister und der aktuell besten Mannschaft in Deutschland zu messen. Da freuen wir uns drauf.



Vor dem 3:3 in München haben Sie gesagt: „Wir werden bestimmt nicht von vornherein sagen, dass wir dort verlieren.“ Hat gut geklappt. Was sagen Sie dieses Mal?

Genau dasselbe. Wir wissen, wie schwierig es wird. Aber wir werden uns einen Plan zurechtlegen und versuchen, ihn bestmöglich umzusetzen. Wenn wir einen guten Tag erwischen und das Spielglück vielleicht ein bisschen auf unserer Seite liegt – warum denn nicht?



Ist das gerade ein dankbarer Zeitpunkt, um gegen Borussia Dortmund zu spielen, weil man bei dem einen oder anderen BVB-Profi so ein bisschen den Eindruck gewinnt, dass die Hinrunde langsam etwas an die Substanz geht?

Da müssen wir nach dem Spiel drüber sprechen. (lacht) Aber vor dem Spiel ist mein Eindruck eher, dass es im Moment keinen dankbaren Zeitpunkt gibt, um gegen den BVB zu spielen. Die Mannschaft tritt unheimlich souverän auf, präsentiert sich sehr selbstbewusst, strahlt eine enorme Sicherheit aus, die Automatismen greifen. Ich lasse mich gerne positiv überraschen, aber so richtig müde wirken die Jungs auf mich nicht.

Bodzek: Es gibt keinen dankbaren Zeitpunkt für ein Duell mit dem BVB

Seit 2011 spielt Adam Bodzek bei Fortuna Düsseldorf im defensiven Mittelfeld. Von drei Pflichtspielen gegen den BVB verlor er zwei - einmal im DFB-Pokal erst im Elfmeterschießen. Einmal erkämpfte die Fortuna in Dortmund ein 1:1. © imago

Der BVB ist in dieser Saison noch ungeschlagen in der Bundesliga. Welche sportlichen Waffen bringt die Fortuna mit auf den Rasen, um daran etwas zu ändern?

Wir müssen gut verteidigen – und wir haben in dieser Saison schon bewiesen, dass wir das können. Bei Ballgewinnen und Umschaltmomenten haben wir mit unseren schnellen Spielern auch viel Qualität auf dem Platz. Ich glaube schon, dass wir mit dem einen oder anderen Nadelstich dem BVB wehtun können. Wenn sich Chancen ergeben, müssen wir eiskalt zuschlagen.



Zum Abschluss noch eine Frage, die nicht so despektierlich gemeint ist, wie sie vielleicht klingt. Was ist wahrscheinlicher: Dass der BVB Deutscher Meister wird oder dass Fortuna Düsseldorf die Klasse hält?

Für mich ist beides sehr wahrscheinlich. Da können wir uns doch drauf einigen, oder? (lacht)



Klar. Aber warum wird es so kommen?

Beim BVB merkt man einfach, dass in dieser Saison alles passt. Mir fehlt die Fantasie, um mir vorstellen zu können, dass die Dortmunder einbrechen werden. Ich weiß nicht, ob sie am Ende immer noch neun Punkte Vorsprung haben werden, aber ich sehe die Wahrscheinlichkeit als sehr hoch an, dass sie bis zum Ende ganz oben stehen.



Und die Fortuna?

Ich sehe bei uns eine positive Entwicklung. Wir finden uns immer besser zurecht in der Bundesliga. Wir erarbeiten uns Torchancen, wir sind auf dem richtigen Weg. Deswegen bis ich fest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten können.

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