Billige Alibis fliegen den Hertha-Verantwortlichen jetzt um die Ohren

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Dardai, Covic, Klinsmann: Der zweite Trainerwechsel binnen weniger Monate bei Hertha BSC zeigt: Die Verantwortlichen haben die eigene Weitsicht grandios überschätzt. Unsere Gastkolumne.

von Christoph Dach

Berlin

, 30.11.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist dann doch ein großer Name geworden, vielleicht sogar: der größtmögliche. Die Rede ist, bei allem Respekt, explizit nicht von David Wagner, den Hertha BSC im Sommer gern verpflichtet hätte. Oder vom anerkannten Schweizer Fachmann Gerardo Seoane.

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Die Rede ist darüber hinaus ebenso wenig von Domenico Tedesco, Bruno Labbadia oder Dieter Hecking, mit denen Hertha BSC im Sommer zumindest verhandelt haben soll. Und die Rede ist auch nicht von Erik ten Hag von Ajax Amsterdam. Die Rede ist natürlich von: Jürgen Klinsmann.

Eigene Weitsicht wurde im Sommer 2019 grandios überschätzt

Am Mittwoch, drei Tage vor dem für alle Beteiligten richtungsweisenden Spiel zwischen Hertha und dem BVB, ist Berlins abstiegsgefährdeter Bundesligist dem Mitstreiter aus Dortmund gewissermaßen zuvorgekommen und hat seinen Cheftrainer ausgetauscht.

Billige Alibis fliegen den Hertha-Verantwortlichen jetzt um die Ohren

© Mike Wolff, TSP

Christoph Dach schreibt für den „Tagesspiegel“ über Hertha BSC.

Für Ante Covic, 44 und erst im Sommer als Nachfolger von Pal Dardai installiert, springt bis zum Saisonende allen Ernstes der ehemalige Bundestrainer ein. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Herthas Medienraum platzte aus allen Nähten, allein 15 Kamera-Teams waren gekommen. So viel Rummel, erzählten alteingesessene Reporter, habe es damals, 2012, nicht mal bei Otto Rehhagel gegeben.

Wie konnte das passieren? Warum muss Hertha so früh in der Saison den Trainer feuern? Warum ist die Mannschaft so weit von den internationalen Plätzen entfernt wie das Olympiastadion von der Alten Försterei? All diesen Fragen liegt eine simple Antwort zugrunde, sie lautet: Hybris. Herthas Verantwortliche, allen voran Preetz, haben ihre eigene Weitsicht im Sommer 2019 grandios über- und die Tragweite ihrer umstrittensten Personalie grandios unterschätzt.

Fragliche Trennung von Pal Dardai

Ohne jede Not trennte sich der Verein von Pal Dardai, der Hertha fast fünf Jahre störungsfrei und souverän durch alle Untiefen manövriert hatte. Die Mannschaft spiele zu defensiv, mitunter sogar destruktiv, sie biete nicht genug Spektakel, habe sich nicht weiterentwickelt - billige Alibis, die den Verantwortlichen nun um die Ohren fliegen: Im Grunde lief es bei Hertha wie in der Geschichte vom Fischer und seiner nimmersatten Frau.

Billige Alibis fliegen den Hertha-Verantwortlichen jetzt um die Ohren

Die Tage von Ante Covic als Hertha-Trainer sind schon wieder gezählt. © dpa

Auch bei Hertha wollten sie immer, immer mehr: Tore, Zuschauer, Geld, Spektakel. Und jetzt haben sie den Salat. Die Personalie Klinsmann zeigt nämlich vor allem eines: dass Investor Lars Windhorst mit seiner Finanzspritze von knapp 230 Millionen Euro endgültig das Sagen im Verein übernommen hat.

Gegenbauer und Preetz nicht mehr Herr im eigenen Haus

Klinsmann gilt als enger Vertrauter des Geschäftsmannes, der 49,9 Prozent an der Hertha BSC GmbH & Co. KgaA erworben hat. Auch wenn das natürlich niemand so bestätigen wird: Präsident Werner Gegenbauer und Manager Preetz sind nicht mehr Herr im eigenen Haus.

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