Augen auf im DFB-Pokal: Der BVB und die drei größten Stolperfallen

Zeitspiel

Als klarer Favorit tritt der BVB in der ersten Runde des DFB-Pokals beim MSV Duisburg an. Das Duell Goliath gegen David lief für Borussia Dortmund nicht immer wie geplant. Unser Zeitspiel.

Dortmund

, 14.09.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Roman Weidenfeller ist bedient: Im Oktober 2010 scheiterte der BVB im DFB-Pokal an Offenbach.

Roman Weidenfeller ist bedient: Im Oktober 2010 scheiterte der BVB im DFB-Pokal an Offenbach. © dpa

In den vergangenen beiden Jahren war für Borussia Dortmund jeweils im Achtelfinale gegen Werder Bremen Endstation. Das 2:3 (0:2) im Februar dieses Jahres war aus BVB-Sicht bereits eine unrühmliche Angelegenheit, doch es war beileibe nicht das erste Mal, dass sich die alte Binsenweisheit für Schwarzgelb bewahrheitet hat: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Vor dem Spiel bei Drittligist MSV Duisburg heute Abend (20.45 Uhr, bei uns im Live-Ticker) blicken wir auf die drei größten Dortmunder Pokal-Patzer:

01.) BVB als Europas bester Klub beim Drittligisten:

Einer davon ereignet sich am 28. Oktober 1997. Borussia Dortmund tritt als amtierender Champions-League-Sieger im Pokal-Achtelfinale bei Drittligist Eintracht Trier im Moselstadion an. Der Gastgeber schwimmt auf einer Euphorie-Welle, führt die Regionalliga West/Südwest an und hat bereits UEFA-Cup-Sieger Schalke 04 aus dem Wettbewerb geworfen. Der BVB hingegen steckt nach einem verkorksten Saisonstart in einer Krise.

Für den BVB trifft gegen Trier nur Jürgen Kohler

Rudolf Thömmes, der schon gegen Schalke den entscheidenden Treffer erzielt hatte, netzt den Ball in der 37. Minute zur Führung für die Gastgeber ein. Kurz nach der Pause ist es erneut Thömmes, der von BVB-Verteidiger Rene Schneider im Strafraum zu Fall gebracht wird. Den fälligen Elfmeter verwandelt Marek Czakon. In der 53. Minute gelingt Jürgen Kohler nach Vorarbeit von Andreas Möller zwar noch der 1:2-Anschlusstreffer, doch es reicht nicht einmal für die Verlängerung.

Ein Tag zum Vergessen in Trier: Der damalige BVB-Trainer Nevio Scala.

Ein Tag zum Vergessen in Trier: Der damalige BVB-Trainer Nevio Scala. © dpa

„Die haben 120 Prozent gebracht und wir haben nicht annähernd die 100 Prozent gebracht, und wenn man dann 0:2 hintenliegt, dann wird es für jede Mannschaft schwierig“, meint Knut Reinhardt im ARD-Interview. „Trier war besser und hat verdient gewonnen“, erklärt Steffen Freund. Trainer Nevio Scala muss seinen Platz nach einer enttäuschenden Saison räumen.


02.) Zweiter BVB-Anzug zwickt gegen Wolfsburgs Amateure:

2001 tritt der von Matthias Sammer trainierte BVB als Bundesliga-Tabellenführer in der ersten Pokalrunde beim Viertligisten VfL Wolfsburg II an. Einige Wochen zuvor hatte der Dortmunder Millionen-Angriff um den Brasilianer Marcio Amoroso und das tschechische Duo Tomas Rosicky und Jan Koller Wolfsburgs erste Mannschaft in der Liga 4:0 vom Platz geschickt. Gegen die Zweitvertretung treten die Schwarzgelben allerdings mit dem zweiten Anzug an - und der zwickt an diesem 25. August gewaltig.

BVB-Sturmlauf mit Koller, Rosicky und Amoroso schlägt fehl

Von den festen Größen stehen nur Christian Wörns, Christoph Metzelder, Micky Stevic und Lars Ricken in der Startelf. Außerdem die Routiniers Jörg Heinrich und Fredi Bobic. Ersatz-Torhüter Philipp Laux (heute Sportpsychologe beim BVB) zeigt eine überzeugende Leistung - kann einen Schuss von Uche Igwe (64.) aber nicht entscheidend klären - Ingo Vandreike bringt Wolfsburg in Führung.

Hoch die Hände: Ingo Vandreike (l.) schoss den VfL Wolfsburg II zum Pokal-Sieg gegen Borussia Dortmund.

Hoch die Hände: Ingo Vandreike (l.) schoss den VfL Wolfsburg II zum Pokal-Sieg gegen Borussia Dortmund. © dpa

Nun sollen es die etablierten Spieler richten: Koller, Rosicky und Amoroso werden eingewechselt - doch der Sturmlauf schlägt fehl. Die Schuld für die Niederlage nimmt Sammer auf seine Kappe: „Ich habe nichts dagegen, wenn mir die Niederlage zugeschrieben wird“, sagt er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. BVB-Manager Michael Meier schimpfte: „Es ist schon erstaunlich, dass wir seit 1990 in diesem Wettbewerb nichts mehr zu Stande bringen.“ Dafür sollte es in der Liga klappen: Am Ende der Saison beschenken sich Sammer & Co. mit der Meisterschale.


03.) Pokal-Blamage für Borussia Dortmunds junge Wilde:

Meisterlich feiern mit dem BVB durfte auch Jürgen Klopp - allerdings nicht am 27. Oktober 2010. An diesem Tag tritt die Dortmunder Elf in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Drittligist Kickers Offenbach an. Der BVB hat in der Liga mit sieben Siegen aus neun Spielen einen herausragenden Start hingelegt, nur der FC Bayern München liegt knapp vor den Schwarzgelben.

Der BVB scheitert immer wieder an Robert Wulnikowski

Die spielerische Überlegenheit des BVB kontern die Gastsgeber mit unermüdlichem Einsatz, über 90 und auch über 120 Minuten vereiteln die Kickers um ihren Torhüter Robert Wulnikowski jede Dortmunder Möglichkeit. Und die Kickers sorgen auch selbst für Gefahr, so lenkt Roman Weidenfeller einen Fernschuss an die Latte.

Mario Götze und Neven Subotic konnten die Dortmunder Pokal-Blamage gegen Offenbach nicht verhindern.

Mario Götze und Neven Subotic konnten die Dortmunder Pokal-Blamage gegen Offenbach nicht verhindern. © picture alliance / dpa

Das namhafte BVB-Aufgebot muss gegen den Drittligisten ins Elfmeterschießen. Dort treffen nur Nuri Sahin und das eingewechselte Talent Damien Le Tallec, Lucas Barrios und Robert Lewandowski scheitern an Wulnikowski. Da auch BVB-Schlussmann Roman Weidenfeller nur einen Offenbacher Elfmeter entschärfen kann, siegt der Underdog mit 4:2.

BVB-Trainer Klopp: „Alles angerichtet für eine Sensation“

„Wir waren ständig am Drücker, doch es hat die Durchschlagskraft gefehlt. Am Ende war dann alles angerichtet für eine Sensation“, sagt BVB-Trainer Klopp. Sein Gegenüber Wolfgang Wolf erklärte die Offenbacher Taktik: „Wir wollten die Null so lange wie möglich halten, das ist gelungen. Im Elfmeterschießen spielt dann auch das Glück eine große Rolle.“

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