Andre Schürrle ist das teuerste Missverständnis der BVB-Geschichte

dzBorussia Dortmund

Nach Mario Götze verlässt auch Andre Schürrle den BVB. Es bleibt die bittere Erkenntnis, dass Borussia Dortmund mit all dem Geld wohl deutlich bessere Dinge hätte anstellen können.

Dortmund

, 15.07.2020, 18:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andre Schürrle rang sich noch einmal zu ein paar netten Worten durch, als es endgültig vorbei war. Rückblickend sei es eine Zeit „mit Höhen und Tiefen, aber auch mit vielen wertvollen Erfahrungen sowohl im sportlichen als auch insbesondere im privaten Bereich“ gewesen, teilte der ehemalige Fußball-Nationalspieler mit. „Ich danke den Verantwortlichen des BVB und wünsche dem Verein und seinen besonderen Fans alles Gute für die Zukunft.“

Der BVB und Andre Schürrle - ein teuflisch teures Missverständnis

Das klang zwar vorbildlich höflich, so wie es Schürrle in seinen vier Jahren bei Borussia Dortmund eigentlich immer war, aber in der Endabrechnung auch nicht viel glaubwürdiger als die vorgegaukelte Freude eines Enkelkindes über die selbstgehäkelten Socken von der Oma zu Weihnachten. Irgendwie hatte man sich halt deutlich mehr erhofft, der BVB sich von Schürrle - und Schürrle sich vom BVB.

Seit Mittwochvormittag nun muss niemand mehr irgendwas von diesem offensichtlichen und teuflisch teuren Missverständnis zwischen dem Weltmeister von 2014 und dem Deutschen Meister von 1956, 1957, 1963, 1995, 1996, 2002, 2011 und 2012 erwarten. Schürrle, spätestens seit Lucien Favres Dienstantritt vor zwei Jahren ohne Perspektive beim BVB und um die Erfahrung zweier nicht wirklich erfolgreicher Leihstationen beim FC Fulham in England und bei Spartak Moskau in Russland reicher, und Borussia Dortmund haben sich darauf geeinigt, den ursprünglich noch bis zum 30. Juni 2021 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen.

Andre Schürrle beim BVB: 30 Millionen Euro Ablöse und 51 Einsätze

Ganz so „einvernehmlich“, wie offiziell kommuniziert, wird die Vertragsaufhebung nicht über die Bühne gegangen sein, wohl eher so: Der Spieler erhält eine millionenschwere Abfindung und der Verein spart wenigstens noch einen gewissen Teil von Schürrles üppigem Jahressalär. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende - ungefähr für solche Einigungen dürfte sich Ferdinand von Schill diesen schlauen Spruch im Jahr 1809 ausgedacht haben.

Anders als Schürrle wollte sich von den Dortmunder Verantwortlichen am Mittwoch niemand zur Vertragsauflösung mit dem bis heute wohl teuersten Fehleinkauf der Vereinsgeschichte äußern. Und was hätten der Vorsitzende der Geschäftsführung, Hans-Joachim Watzke, oder der Sportdirektor, Michael Zorc, auch erzählen sollen? 30 Millionen Euro Ablöse an den VfL Wolfsburg im Jahr 2016 überwiesen, rund sieben Millionen Euro Gehalt pro Saison gezahlt - und dafür insgesamt 51 Pflichtspiele Schürrles für Borussia Dortmund und acht Tore gesehen: Runde Nummer? Besser nicht.

Schürrle war Wunschspielder des ehemaligen BVB-Trainers Tuchel

Immerhin, so werden sie in der BVB-Chefetage vielleicht sagen, ist das Kapitel Fehleinkäufe aus dem Sommer 2016 seit Mittwoch endlich beendet. Andre „der kommt an“ Schürrle und Mario „er macht ihn“ Götze stehen ab sofort nicht mehr auf Borussia Dortmunds Gehaltsliste. Zusammen hat die Co-Produktion des entscheidenden Tores bei der WM 2014 in Brasilien den BVB vor vier Jahren 52 Millionen Euro an Ablöse gekostet, die Gehälter der beiden Spieler in den folgenden Jahren waren in Summe sogar noch teurer.

Schürrle war der Wunschspieler des damaligen Trainers Thomas Tuchel, Götze die romantische Vision der BVB-Führung um Watzke und Zorc. Als Erfolgsgeschichte hat sich keiner der beiden Transfers entpuppt - und am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass Borussia Dortmund mit all dem Geld wohl deutlich bessere Dinge hätte anstellen können. Ganz nett und höflich ausgedrückt.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Fußball-Regionalliga
„Mister Zuverlässig“ verstärkt BVB-U23 - Maaßen bekommt Verteidiger