Steht vor der Rückkehr ins BVB-Mannschaftstraining: Dan-Axel Zagadou. © imago / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

Alarmstufe Rot: BVB sehnt Zagadou-Rückkehr herbei – Vorsicht ist geboten

Mit Beginn der entscheidenden Saisonphase gehen dem BVB die Innenverteidiger aus. Die Rückkehr von Dan-Axel Zagadou wird sehnlichst herbeigewünscht - doch es ist Vorsicht geboten.

Muskelverletzungen bleiben zum Leidwesen von Borussia Dortmund in dieser verkürzten und daher besonders intensiven Saison ein viel zu großes Thema. Als vorerst letzten Spieler der Borussia hat es Manuel Akanji getroffen, den es im Abschlusstraining vor dem Revierderby auf Schalke erwischte. Muskelfaserriss, mindestens zwei Wochen Pause – das trifft wiederum den BVB vor Beginn einer entscheidenden Saisonphase an einer ganz empfindlichen Stelle.

Das Verletzungspech BVB-Defensive ist ständig präsent

Der Borussia gehen die Innenverteidiger aus. Im Sommer hatte der Klub auf dieser Position auf die Verpflichtung eines vierten gelernten Manndeckers verzichtet. Akanji, Mats Hummels und Dan-Axel Zagadou bilden das Korsett, dazu als „Not-Reserve“ noch Emre Can und Lukasz Piszczek. Das schien ausreichend zu sein, wenn auch die beiden Letztgenannten keine gelernten Kräfte sind – aber schon erprobt genug auf dieser Position.

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Das Verletzungspech war aber gerade in der Defensive ständig präsent. Mit Zagadou konnte der BVB in dieser Saison bislang so gut wie gar nicht planen. Im Sommertrainingslager in Bad Ragaz musste er einen Comebackversuch nach seinem im Frühjahr 2020 erlittenen Außenbandriss im Knie abbrechen, weil erneut Schmerzen an der geschädigten Stelle auftraten. Es schloss sich eine nächste Zwangspause bis weit in den Herbst an.

BVB-Innenverteidiger Zagadou ist seit Monaten außer Gefecht

Zusammengenommen pausierte „Daxo“ beinahe neun Monate. Und als er zurück war, war die Freude über die Rückkehr des „Big Man“ nur von kurzer Dauer. 165 Minuten stand er in sechs Spielen in der Liga auf dem Platz, 18 im letzten Gruppenspiel der Champions League in St. Petersburg und immerhin 90 im Zweitrunden-Pokalspiel bei Eintracht Braunschweig. Mitte Januar im Heimspiel gegen Mainz 05 aber musste er bei seinem zweiten Liga-Startelfeinsatz der Saison vorzeitig vom Platz. Diesmal zwickte nicht das Knie, diesmal rissen Muskelfasern im Oberschenkel.

Knapp sechs Wochen dauert nun schon die Reha-Phase. Muskelfaserrisse benötigen einen individuellen Genesungsplan, je nach Ausprägung der Verletzung, wovon auch Thorgan Hazard ein Lied singen kann. Auch er soll wie Zagadou in dieser Woche endlich ins volle Teamtraining zurückkehren, dient aber als warnendes Beispiel, welch‘ gravierenden Folgen eine zu frühe intensive Belastung haben kann. Weil sich Hazard bei seinem Comeback nach ausgeheiltem Faserriss in Braunschweig kurz vor Weihnachten gleich wieder und an derselben Stelle verletzte, geht der BVB bei Zagadou mit großer Vorsicht vor.

Zagadou fehlt Borussia Dortmund an allen Ecken und Enden

„Wir hoffen, dass wir am Wochenende vielleicht schon mit ihm planen können“, sagt Sportdirektor Michael Zorc zwar. Die Vorsicht aber steht über allem: Nach dieser kompletten Trainingswoche warten sechs Spiele in 21 Tagen auf die Borussia, darunter zwei K.o.-Spiele mit möglicherweise 30 Extraminuten. Da will gut überlegt sein, wie man den ohnehin verletzungsanfäligen Franzosen heranführen kann.

Dabei fehlt Zagadou dem Team an allen Ecken und Enden. Abwehrchef Mats Hummels hat nur zwei der bislang 32 Pflichtspiele wegen leichterer Blessuren verpasst. Er ist Dortmunds Dauerbrenner, was die Spielminuten angeht – auch, weil auf der Bank selten Alternativen zu finden waren. Akanji kommt auch auf 27 Pflichtspiele, zwei verpasste er wegen seines positiven Corona-Befundes, zwei wegen Knieproblemen. Jetzt der Faserriss.

Emre Can steht als BVB-Alternative Gewehr bei Fuß

Da bei Akanji die Rückkehr wohl frühestens zum Spiel in München zu erwarten ist, rückt Zagadou gleich verstärkt in den Fokus. Für das Trainerteam wird es darum gehen, ihn so schnell wie möglich und behutsam wie nötig an die Maximalbelastung heranzubringen. Emre Can steht als Alternative Gewehr bei Fuß, er machte seine Sache im Derby ordentlich. Es warten freilich Partien auf die Borussia, in denen die Abwehr deutlich stärker gefordert sein wird als am Samstag in der Schalker Arena. Die Situation in der Innenverteidigung sei angespannt, gibt auch Lizenzspieler-Leiter Sebastian Kehl zu. „Wir hoffen, dass Dan-Axel in dieser Woche voll trainieren kann und er uns dann wieder zur Verfügung steht“, sagt der 41-Jährige. Der Plan für Zagadou steht.

Nach seiner langen Pause im Fußballjahr 2020, in dem er sich quasi von März bis Ende November mehr in Behandlungsräumen als auf dem Fußballplatz wiederfand, stand der Franzose erstmals im Dezember wieder in der Dortmunder Startelf. Beim unbefriedigenden 1:1 in Frankfurt war der 21-Jährige sogleich wieder eine der positiven Erscheinungen im Dortmunder Team. Seine Ruhe am Ball hat er nicht eingebüßt, seine lange Pause war ihm damals kaum anzumerken. Das ist auch die Hoffnung für das erneute Comeback: Der BVB setzt darauf, dass Zagadou auch diesmal keine lange Eingewöhnungsphase brauchen wird. Nur der Körper muss mitspielen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe
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