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Achraf Hakimi hat eine bemerkenswerte erste Bundesliga-Saison hinter sich. Auf einen rasanten Aufstieg folgt ein erstes Tief – und dann eine schwere Verletzung. Nun geht er in sein zweites Jahr beim BVB. Die Frage ist, wie viel Lust er darauf noch hat.

Dortmund

, 13.06.2019 / Lesedauer: 4 min

35,1 Kilometer in der Stunde. Der Titel kam nicht von ungefähr und auch nicht wirklich überraschend. Wenn von Achraf Hakimi die Rede ist, ist der Zusatz Rakete meist nicht weit. Der junge Marokkaner, in Spanien aufgewachsen, ist einer der schnellsten Spieler in der Bundesliga. In der vergangenen Hinrunde war er sogar der schnellste. 35,1 Kilometer in der Stunde bringen nicht viele Fußballer auf den Tacho, nur Lukas Klünter von Hertha BSC war in der Rückrunde noch schneller (35,4 km/h).

Plötzlich nicht mehr aus der Startelf wegzudenken

Schnell trifft den Nagel auf den Kopf. Es ging zügig nach oben für Hakimi bei Borussia Dortmund in der zurückliegenden Saison. Sechs Pflichtspiele musste sich die Leihgabe von Real Madrid gedulden, dann hob die Rakete ab.

Beim 7:0 gegen den 1. FC Nürnberg Ende September stand er erstmals für den BVB auf dem Platz, schoss gleich ein Tor und war danach nicht mehr aus der ersten Elf von Lucien Favre wegzudenken. Mal hinten rechts, mal hinten links, der damals 19 Jahre alte Außenverteidiger war angekommen beim BVB.

Lob von Favre, Piszczek und Watzke

Wie steil Hakimis Aufstieg beim BVB war, lässt sich rückblickend ganz gut daran erkennen, was alles so über ihn gesagt wurde in der Hinrunde. Im September, kurz nach Hakimis Debüt für den BVB, sagte Favre, dass Hakimi ein Spieler sei, der „viel vor“ habe, aber auch noch „viel lernen“ müsse.

„Er ist jung und wild, er ist offensiv. Er hat richtig Power.“
Lukasz Piszczek

Im Oktober sagte Lukasz Piszczek, der BVB-Platzhirsch auf der Rechtsverteidiger-Position: „Er ist jung und wild, er ist offensiv. Er hat richtig Power. Er ist erst 19 Jahre alt. Defensiv muss er noch ein paar Sachen verbessern und er kann noch viel lernen, aber ich bin mir sicher, dass er das schafft. Er ist ein sehr guter Außenverteidiger.“

Und im November sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auf der Mitgliederversammlung unter großem Applaus, dass er alles versuchen werde, um die Leihgabe aus der spanischen Hauptstadt fest zu verpflichten. „Mit Dir werden wir das Gleiche wie bei Paco Alcacer versuchen, aber das wird nicht ganz einfach.“

Persönliche Tiefpunkte gegen Tottenham und Augsburg

Im Jahr 2019 ist es wieder deutlich ruhiger um Hakimi geworden. Auf die starken Leistungen in der Hinrunde folgten deutlich schwächere in der Rückrunde, persönliche Tiefpunkte waren das 0:3 Tottenham (Redaktionsnote: 5,5) und das 1:2 in Augsburg (5,0). Hakimi wirkte im besten Fall überspielt, im schlechtesten Fall überfordert.

Achraf Hakimi zündete beim BVB die Rakete - und muss aufpassen, dass er nicht abstürzt

Beim 0:3 im Champions-League-Achtelfinale gegen Tottenham lief Achraf Hakimi oftmals nur hinterher. © imago

Nach dem Heimspiel gegen Stuttgart Anfang März verlor er seinen Stammplatz an Marius Wolf, der sich hinten rechts in der Viererkette beweisen durfte, als Piszczek verletzt ausfiel. Zwei Kurzeinsätze Hakimis folgten – und endeten in einem Mittelfußbruch, der die Saison für den 20-Jährigen am 27. Spieltag vorzeitig beendete.

Aussagen über Madrid-Rückkehr sorgen für Wirbel

Danach ging es zur Behandlung zurück in die spanische Heimat. Wirklich schlecht dürfte es Hakimi dort nicht gefallen haben, denn Anfang Mai sorgte ein Interview für Wirbel, das er dem TV-Sender „#Vamos“ gab.

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Es sei „ein Traum“, sagte Hakimi, „wenn ich sobald wie möglich nach Madrid zurückkehren könnte. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich das nicht will. Warten wir ab, was passiert“. Er sei nun mal ein „Madridista“ und Real Madrid eben „der beste Verein der Welt“. Das klang nicht unbedingt so, als müsse Watzke seinen Worten aus dem November noch große Taten folgen lassen.

Zidane gilt als Fan des Außenverteidigers

Und es wirft die Frage auf, wie viel Lust Hakimi noch auf sein zweites Jahr in Dortmund hat. Real Madrid, der Klub, bei dem er ausgebildet wurde, befindet sich nach einer enttäuschenden Saison im Umbruch. Zinedine Zidane, der Trainer, unter dem Hakimi für die Königlichen debütierte, soll den Umbruch nach seiner Rückkehr zu Real vorantreiben – und gilt durchaus als Fan des marokkanischen Nationalspielers.

Das alles ändert freilich nichts an der Vertragslage. Und die ist eindeutig. „Es gibt kein Szenario, dass Achraf in der kommenden Saison nicht beim BVB spielt“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc bereits im Mai, kurz nachdem Hakimis Interview für Aufsehen gesorgt hatte. Hakimi wird also nach der Sommerpause zurück in Dortmund erwartet. Er wird später als die meisten seiner Teamkollegen in die Vorbereitung starten, weil er mit der marokkanischen Nationalmannschaft beim Afrika Cup in Ägypten gefordert ist. Der Mittelfußbruch aus dem März ist auskuriert.


Perspektive für die Saison 2018/19:

Zurück in Dortmund wird dann mehr Konkurrenz auf Hakimi warten als in seinem ersten BVB-Jahr. Nico Schulz ist ein Kandidat für die Startelf hinten links und Vizekapitän Piszczek wird sein letztes Jahr in Dortmund nicht auf der Bank verbringen wollen.

Es wird einen Hakimi in der Form der vergangenen Hinrunde brauchen, damit alle Parteien froh sind über seine zweite Saison in Schwarzgelb – und die Rakete keinen Absturz erleidet.

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