50 Jahre Hundebiss! Friedel Rausch: Dann hätte er sich die Zähne ausgebissen!

BVB-Zeitspiel

Aus den Derbys der Saison 69/70 blieb vor allem der legendäre Hundebiss ins Hinterteil von Friedel Rausch in Erinnerung. Doch es war nicht der einzige Tiermoment der BVB-Duelle mit Schalke.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 06.09.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
50 Jahre Hundebiss! Friedel Rausch: Dann hätte er sich die Zähne ausgebissen!

Aua! Die Schäferhunde beißen bei Friedel Rausch und Gerd Neuser zu. © imago

„Passt auf den Wiener auf!“ Mit dieser Schlagzeile machte am 6. September 1969 das „Borussen-Echo“ darauf aufmerksam, dass der Schalker Neuzugang „Hansi“ Pirkner aus Österreichs Hauptstadt ein gefährliches Bürschchen auf dem linken Flügel sei. Das hätten die Borussen beherzigen sollen, denn Pirkner bestätigte die mahnende Überschrift auf eindrucksvolle Art und Weise: Eine Ecke segelte herein, Pirkner war zur Stelle, BVB-Keeper Rynio hatte das Nachsehen, Schalke führte in der 37. Minute mit 1:0.

40.000 Besucher - die Rote Erde platzt aus allen Nähten

Hinter dem Tor hatten sich schon zu Spielbeginn zahlreiche Besucher aus Gelsenkirchen ein Plätzchen gesucht, die dort eigentlich nicht hin gehören. Eigentlich… Die Rote Erde war nämlich mit über 40.000 Besuchern so überfüllt, dass jeder danach gierte, gute Sichtmöglichkeiten zu erhaschen.

Nach dem Pirkner-Treffer rannten dann zahlreiche freudetrunkene Schalke-Fans auf das Feld und sorgten für eine höchst unübersichtliche Situation. Die BVB-Ordner, die mit einem ganzen Rudel herrlicher Deutscher Schäferhunde für Ruhe und Ordnung sorgen sollten und wollten, flitzten hinterher und versuchten, den Platz wieder von den Fans zu „befreien“! Leider trugen die Hunde keine Maulkörbe.

Zwei Schäferhunde erwischen Rausch und Neuser

Und so kam es, wie es kommen musste: Die Tiere waren mit der Situation mental überfordert und bissen genervt in alle Richtungen. Dabei gruben sich die Zähne zweier Prachtexemplare in das Hinterteil von Friedel Rausch und in die Kniekehle von Gerd Neuser, beide vom FC Schalke 04.

50 Jahre Hundebiss! Friedel Rausch: Dann hätte er sich die Zähne ausgebissen!

Kurz nach der schmerzhaften Attacke durch Schäferhund Rex wird Friedel Rausch an seinem Allerwertesten behandelt. © dpa

Natürlich hatten die Vorfälle das Potenzial für einen handfesten Skandal. Die Medien überschlugen sich in ihrer Berichterstattung; der BVB musste den beiden Verletzten jeweils 500,- DM Schmerzensgeld zahlen.

Dieter Kürten erhält überraschende Antwort von Friedel Rausch

Der gebissene Schalker Spieler und spätere Trainer Friedel Rausch allerdings ging höchst entspannt mit der Situation um. Als ihn einige Zeit später Moderator Dieter Kürten im „Aktuellen Sportstudio“ fragte, was denn passiert wäre, wenn der Hund ihn von vorn gebissen hätte, konterte er schlagfertig: „Dann hätte er sich die Zähne ausgebissen!“ Jahre später konnte der im November 2017 gestorbene Friedel Rausch erst recht über diesen kuriosen Beitrag zur Bundesliga-Geschichte lachen.

Das Spiel ging nach einer längeren Unterbrechung munter weiter. Es endete letztlich unentschieden 1:1. Den Ausgleichstreffer markierte Werner „Acker“ Weist in der 65. Spielminute. Weist, der später zum FC Schalke wechselte, war in der Saison 1969/70 mit 20 Toren nach dem „uneinholbaren“ Gerd Müller (38 Treffer) die Nr. 2 der Bundesliga-Torschützen.

Schalker lassen im Rückspiel Löwen Spalier stehen

Übrigens gab es eine weitere Tierepisode beim Rückspiel Ende Januar 1970 in der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn: Schalkeboss Günter Siebert, ein Mann mit Gespür für öffentlichkeitswirksame Auftritte, hatte beim Raubtierpark des Grafen Westerhold einige halbwüchsige Löwen „an Land gezogen“, die beim Einlaufen der beiden Teams „Spalier“ standen und wohl als eine Replik an das Ereignis des Hinspiels gedacht waren. Auch diese Partie endete unentschieden 1:1; das Tor für den BVB erzielte erneut „Acker“ Weist.

In der Saison-Endabrechnung landete der BVB auf dem fünften, der FC Schalke auf dem neunten Rang. Respektabel, aber nicht gerade überwältigend oder für die sportliche Ewigkeit bestimmt. Die legendären Hundebisse zu Dortmund hingegen aus dem September 1969 werden fraglos unvergesslich bleiben!

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