Nationalmannschaft

Mit BVB-Profi Süle: 0:1 gegen Ungarn – Deutschland weit weg von WM-Form

Die DFB-Elf unterliegt in der Nations League gegen Ungarn mit 0:1. Die erste Niederlage unter Hansi Flick ist kurz vor der WM keine Kata(r)strophe, aber ein Alarmsignal.
Niklas Süle mit gesenktem Kopf.
Im Hintergrund jubeln die Gäste: Deutschland verliert mit 0:1 gegen Ungarn. © IMAGO/Schüler

In dem letzten Gewaltschuss von Joshua Kimmich lag auch eine Spur Verzweiflung. Mit vollem Risiko donnerte der Mittelfeldspieler die Kugel von der Strafraumkante in Richtung ungarisches Tor. Haarscharf flog der Ball links am Kasten vorbei, wieder nichts, auch die letzte Chance zum Ausgleich vertan (87.). Es blieb beim 0:1 (0:1) der DFB-Elf gegen Ungarn.

Deutsche Nationalmannschaft enttäuscht gegen Ungarn

60 Tage vor dem deutschen Auftaktspiel bei der Weltmeisterschaft in Katar enttäuschte die Nationalmannschaft vor allem in der denkbar schwachen ersten Hälfte. Nach der Pause wurde Hansi Flicks Elf deutlich stärker und hätte auch den Ausgleich verdient gehabt. Doch die erste Niederlage im 14. Spiel unter dem nicht mehr neuen Bundestrainer ließt sich nicht mehr verhindern.

Flick vertraute wie zu erwarten war im Tor auf Marc-André ter Stegen, der den an Corona erkrankten Kapitän Manuel Neuer vertrat. Jonas Hofmann durfte als Rechtsverteidiger beginnen, im Angriff startete Leipzigs Timo Werner im doppelten Heimspiel. Hinter ihm sollte eine Bayern-Reihe mit Serge Gnabry, Thomas Müller und Leroy Sané für Akzente sorgen. Nun: In den ersten 45 Minuten blieb das ein frommes Wunschdenken, nicht zuletzt die Münchner Abteilung Attacke schleppte ihre maue Form aus dem Klub mit zur Nationalmannschaft.

Adam Szalai trifft sehenswert gegen die DFB-Elf

Deutschland häufte Ungenauigkeiten im Spielaufbau und stand sich dabei selbst im Weg. Der DFB-Elf fiel offensiv außer weiten Diagonalbällen hinter die Abwehrkette der Gäste wenig ein, und auch dieses Mittel war selten probat. Aus dem behäbigen Aufbau mit zu vielen Ballkontakten und langsamen Zuspielen entwickelte sich keine Dynamik, von den gewünschten direkten Kombinationen fanden wenige ihren Adressaten. Wenig Breite, kaum Tiefe, keine gegenläufigen Bewegungen – die Ungarn konnten mit ihrem Zehn-Mann-Block vor dem eigenen Sechzehner bequem verschieben und ihre Gegenspieler so zustellen. Pässe in die gefährlichen Räume waren so gar nicht möglich. Als Serge Gnabry, der offensiv kaum ein Bein auf die Erde bekam, bei einem der wenigen schnellen Konter vor dem Versuch einer Flanke der Ball vom Fuß sprang, gab es erste Pfiffe im mit 39.513 Zuschauer ausverkauften ehemaligen Zentralstadion. Zur Pause schrillten sie laut durchs weite Rund.

Anders die Gäste, nicht zu Unrecht bis dato Tabellenführer in der Nations-League-Gruppe mit Deutschland, Italien und England. Mit zu ihren Spielern passenden Mitteln verlegten sie sich auf kompaktes Verteidigen und schnelles Umschalten. Ein ums andere Mal schien das vielversprechender zu sein als die deutschen Kaugummi-Angriffe. Kimmich konnte einen der zahlreichen ungarischen Konter nur mit einem Trikotzupfer gegen Dominik Szoboszlai stoppen – eine Gelbe Karte als Ausdruck deutscher Hilflosigkeit (25.). Zu dem Zeitpunkt stand es bereits 0:1. Bei einer Ecke von Szoboszlai sprintete Adam Szalai zum ersten Pfosten und verlängerte die Hereingabe sehenswert mit der Ferse, der Ball flog im hohen Bogen an ter Stegen vorbei ins Netz. Dem Torhüter blieb ebenso das Nachsehen wie Müller, der den 34-jährigen Kapitän der Ungarn in dessen vorletztem Länderspiel nicht hatte stoppen können (17.). Ein sehenswertes Tor.

DFB-Elf kann nicht mehr Gruppenerster der Nations League werden

Als Torchance der Flick-Elf ließ sich bis dahin nicht mehr als eine Szene notieren. Es dauerte tatsächlich bis zur 39. Minute, ehe David Raum von links auf Müller flankte. Dessen Kopfball stellte Peter Gulacsi jedoch vor keinerlei Probleme. Flick, bis dahin in 13 Partien unbezwungen (9 Siege, 4 Remis), reagierte und brachte für Gnabry den Verteidiger Thilo Kehrer, der mit Niklas Süle und Antonio Rüdiger fortan eine Dreierkette bildete.

Eine gute Idee des Trainers, tatsächlich kam mehr Schwung in die Bemühungen, der Ball lief temporeicher durch die eigenen Reihen und nach vorne: Sané traf aus spitzem Winkel nur Gulacsi (51.), Müller nach Ablage von Hofmann sogar ins Tor – doch der Gladbacher stand zuvor klar im Abseits (53.). Der schwache Werner (57.) und dreimal Kimmich (60., 77., 87.) kamen zu weiteren Abschlüssen. Deutschland näherte sich dem Ausgleich, der jedoch nicht mehr fallen wollte. Stattdessen rettete ter Stegen noch zweimal gegen Martin Adam (72., 84.).

In der Nations League kann die DFB-Elf vor dem abschließenden Auftritt in England (Montag, 20.45 Uhr) nicht mehr Gruppenerster werden. Und womöglich bedeutender: Deutschlands WM-Gegner werden sich diese Partie mehrfach anschauen. Sie gab reichlich Anschauungsmaterial, wie Flicks Elf zu stoppen ist.

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