Zwei rechts, zwei links, eine fallen lassen

Stricken-Welle rollt

Christine Dyczka bietet in ihrem Laden „Handarbeiten - Wolle“ alles an, was man aus Wolle stricken kann. Neben dem Verkaufsangebot locken wöchentliche Kurse regelmäßig die Kundschaft an.

13.10.2018, 17:01 Uhr / Lesedauer: 3 min
Zwei rechts, zwei links, eine fallen lassen

Stricken ist ihre Welt: Christine Dyczka bietet in ihrem Handarbeitsladen nicht nur Wolle in allen Variationen an, sondern auch regelmäßig Strickkurse. Denn der Trend zum selbstgemachten Strick hält an. Drawe © Marcel Drawe

Zwei Maschen heben, eine fallen lassen. So sieht der Alltag für Christine Dyczka aus.

Ihrem Laden „Handarbeiten - Wolle“ geht es gemächlich zu, der Stress bleibt draußen. Seit 14 Jahren ist sie die Inhaberin des Strickladens, so ruhig wie heute war Dyczka nicht immer.

„Als ich neu eröffnet habe, haben die Gäste applaudiert“, erinnert sich Dyczka, während sie eine Masche um Masche strickt. Sie selbst sei sehr nervös gewesen, verrät sie. „Ich dachte ‚heute applaudiert ihr für den neuen Laden, im nächsten Jahr könnt ihr dann zur Insolvenz vorbeischauen.‘“ Doch das Horrorszenario blieb der gebürtigen Polin erspart, mit einem großen Angebot und raffinierten Ideen konnte sie sich bis heute halten.

Hier gibt´s Biersocken

Dass ihr die Kunden die Treue halten, habe gleich mehrere Gründe, so verkaufe sie nur Ware von guter Qualität. „Den Unterschied merken die Leute spätestens dann, wenn sie qualitativ minderwertige Wolle aus dem Internet bestellt haben, die sich nur schlecht verarbeiten lässt.“ Alles von Alpakawolle bis hin zur Marinowolle hat sie im Angebot. Kaschmirwolle gäbe es allerdings nur auf Bestellung, erklärt Dyczka: „Die ist einfach zu teuer, deswegen wird sie nur selten gekauft.“

Neben den Rohstoffen hat Dyczka natürlich auch jedeMenge selbst Gestricktes und auch Gehäkeltes im Angebot. Bunte Mobiles mit Motiven wie farbenfrohen Enten, Schafen und Fantasiefiguren sind echte Hingucker, dazu kommen Mützen, Schals und alles, was die Stricknadeln hergeben. Die Biersocken haben ihren Namen, weil der helle Stoff mit dem Teddyfell am Saum ein bisschen wie ein kühles, Blondes aussieht. Mit einem gestrickten Henkel an der Socke und einer Flasche im Inneren wird daraus eine raffinierte Geschenkidee, die die Kunden natürlich auch anziehen können. Wenn die Socken eine bestimmte Größe haben sollen, müssen sie allerdings bei Dyczka vorbestellt werden. Doch um im Geschäft zu bleiben, braucht es heute mehr als ein gutes Verkaufsangebot. Deswegen bietet Dyczka auch regelmäßig Strickkurse an. Teilnehmen kann hier jeder, egal ob blutige Anfänger oder geübte Profis. Die Kurse sind nicht projektbezogen, das heißt die Teilnehmer können ihre eigenen Ideen umsetzen oder nach selbstgekauften oder im Internet gefundenen Mustern arbeiten.

Die Anleitungen sind oft gerade für weniger geübte Handwerker nicht immer gleich eindeutig, hier kann die Expertin weiterhelfen. Auch Fehler im Muster fallen Dyczka sofort auf. „Meistens sehe ich direkt, wenn etwas nicht stimmt“, berichtet sie. „Das wollen die Leute natürlich nicht gerne hören.“ Denn wenn das Muster falsch ist, hilft nur noch auftrennen und neu stricken. Dreimal pro Woche gibt Dyczka die Kurse, Montags und Dienstags jeweils von 13 bis 15 Uhr während ihrer Mittagspause, Mittwochs zwischen 18 bis 20 Uhr.

Heilende Wirkung

Dass Stricken nur etwas für ältere Semester sei, kann die Ladeninhaberin nicht so pauschal bestätigen. Natürlich sei ein größerer Teil der Kunden schon im Rentenalter, besonders der Dienstagskurs habe ein hohes Durchschnittsalter. „Das liegt aber eben auch an der Uhrzeit. Mittwochs ist das Publikum deutlich jünger weil dann auch Berufstätige dazustoßen, die an den anderen Tagen keine Zeit haben.“ Wer keine eigenen Ideen hat und einfach etwas selbst machen will, für den hat Dyczka zahlreiche Vorlagen aus gesammelten Zeitschriften.

Dass das Stricken wieder populärer wird, sieht Dyczka auch in der heilenden Wirkung, die einige Forscher der Tätigkeit zuschreiben. Die beidhändige Arbeit stimuliert beide Gehirnhälften. In der Psychologie gibt es verschiedene Methoden, die mit genau diesem Effekt in der Trauma- und Verhaltenstherapie große Erfolge erzielen.

Auch Monika Springorum kommt öfter zu Dyczka in den Laden, auch ohne erkennbares Trauma. „Ich stricke gerade an einem Pulli“, so Springorum. Dafür braucht sie türkise Wolle, die sie im Laden von Dyczka vorbestellt hat. Nun komme sie alle paar Wochen vorbei und kaufe ein paar Knäule davon. Zwei Monate lang lagert Dyczka die Wollknäule für die Kundin, danach würden sie in den normalen Verkauf kommen. „So können die Kunden sich kaufen, was sie brauchen, ohne große Vorräte anzuschaffen.“

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