Zwei Jahre nach dem Prozess um den Tod eines Babys: Mutter muss jetzt ins Gefängnis

dzEntscheidung des BGH

Mehr als zwei Jahre nach dem Dortmunder Urteil hat der Bundesgerichtshof die Revision im Fall eines getöteten Säuglings zurückgewiesen. Die Mutter des Kindes muss nun ins Gefängnis.

Bergkamen

, 26.06.2020, 14:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser Prozess hatte am Dortmunder Schwurgericht fast alle Grenzen gesprengt. Über vier Jahre verhandelten die Richter, an 95 Sitzungstagen wurden unzählige Zeugen und Sachverständige vernommen. Immer wieder lehnte die Angeklagte über ihre Verteidiger Rüdiger Deckers und Christian Koch die Richter als befangen ab. Genauso oft aber stellten dann andere Richter fest, dass ihre Kollegen alles andere als voreingenommen und parteiisch waren.

Alle Sachverständigen wurden zu den zwei großen Fragen vernommen: Kann es sein, dass eine Mutter ihren sieben Monate alten Säugling zu heftig schüttelt, dass der kleine Kopf in der gemeinsamen Bergkamener Wohnung gegen einen harten Gegenstand prallt? Kann es weiter sein, dass die Frau anschließend niemandem etwas sagt und so tatenlos zuschaut, wie ihr Baby stirbt. Am Ende gingen die Richter genau von diesem Sachverhalt aus.

Der BGH stellt keine Rechtsfehler im Urteil fest

Und so hat ihn nun auch der Bundesgerichtshof festgestellt. Die Revision der Angeklagten werde als unbegründet verworfen, sagte der zuständige 4. Strafsenat. Und weiter: „Das Rechtsmittel hat keinen Erfolg, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat.“

Für die Mutter des toten Babys bedeutet das: Sie wird schon bald die verhängte Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten antreten müssen. Dass die Dortmunder Richter davon vier Monate als bereits verbüßt eingestuft haben, weil das Verfahren über die Maßen lange gedauert hat, wird dabei nur ein schwacher Trost sein.

Die Frau hat stets bestritten, etwas mit dem Tod des Jungen im Sommer 2010 zu tun zu haben. Nach ihrer Version der Geschichte befand sie sich gerade in der Küche, um eine Trinkflasche vorzubereiten, als das Kind aus dem Elternbett auf den Boden gefallen sein muss. Die schweren Kopfverletzungen, die eine Hirnblutung nach sich zogen, müsse er sich also bei dem harten Aufprall zugezogen haben.

Die Sachverständigen waren sich im Prozess nicht einig

Zahlreiche Sachverständige hatten im Prozess jedoch Zweifel an dieser Darstellung angemeldet - vor allem, weil sich ihrer Ansicht nach auch deutliche Zeichen eines Schütteltraumas bei dem Kind zeigten. Andere Experten hatte genau das jedoch verneint.

Am Ende legten die Richter sich fest, dass ein Sturz aus einer Höhe von wenigen Zentimetern keine derart gravierenden Schädelbrüche verursachen könne.

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