Wer günstig zum eigenen Heim kommen will, zieht nach Bergkamen

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Die Bergkamener Einwohnerzahl wächst langsam aber stetig. Es ziehen mehr Menschen in die Stadt als wegziehen. Etwas überraschend kommen auch viele Menschen aus Lengerich und Borgentreich.

Bergkamen

, 28.01.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Bürgermeister Roland Schäfer zum Neubürgerabend einlädt und mit den Neu-Bergkamenern ins Gespräch kommt, dann hört er oft die gleiche Begründung für den Umzug: In Bergkamen sind die Baugrundstücke noch einigermaßen bezahlbar. Deshalb kommen vor allem Familien aus den Nachbarstädten und vor allem aus Dortmund nach Bergkamen, weil sie hier ein Eigenheim bauen oder kaufen.

Wer günstig zum eigenen Heim kommen will, zieht nach Bergkamen

In Bergkamen gibt es immer noch ein ganze Reihe von Neubaugebieten und die Grundstückspreise sind günstiger als in anderen Städten in der Umgebung. © Stefan Milk

Dortmunder kommen wegen der niedrigen Grundstückspreise

Besonders in Dortmund seien die Grundstückspreise deutlich höher als im Kreis Unna und besonders in Bergkamen, das die niedrigsten Grundstückspreise im Kreis aufweist, sagt Schäfer. Das liegt nach seiner Ansicht auch daran, dass Dortmund jahrelang zu wenig Grundstücke für neue Eigenheime ausgewiesen habe.

Die Nachfrage ist groß, das Angebot relativ niedrig – und das treibt die Preise in die Höhe. „Für viel ist es nicht möglich, auch in Dortmund ein eigenes Haus zu leisten, bei uns schon“, sagt Schäfer.

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Deshalb ist es wohl auch kein Wunder, dass Bergkamen aus Dortmund den größten Wanderungsgewinn zieht. 256 Dortmunder zogen nach Bergkamen, 190 Bergkamener zogen nach Dortmund – das machte einen Wanderungsgewinn von immerhin 66 Menschen.

Niedrige Mieten und immer noch Leerstände

Die günstigen Preise treffen übrigens nicht nur auf den Grundstücksmarkt zu. Auch Mietwohnungen sind im Vergleich preisgünstiger als in den meisten Städten der Umgebung – und es gibt immer noch einen größeren Leerstand, wie Schilder von großen Vermietern in einigen Wohngebieten zeigen. Darauf bieten sie Wohnungen an.

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Den zweithöchsten Wanderungsgewinn verzeichnete Bergkamen ausgerechnet aus einer unmittelbaren Nachbarstadt: Zwar wollten 2017 insgesamt 339 Bergkamener lieber in der Nachbarstadt Kamen leben. Dafür zogen aber 379 Kamener nach Bergkamen. Das macht einen Wanderungsgewinn von immerhin 42 Einwohnern für Bergkamen.

Wer günstig zum eigenen Heim kommen will, zieht nach Bergkamen

Auch bei Wohnungen gibt es noch Leerstände. Manche werden auch als Eigentumswohnungen verkauft. © Stefan Milk

Ein Minus im Kreis nur bei Werne, Selm und Bönen

Auch bei fast allen anderen Kommunen im Kreis Unna verzeichnet die Stadt eine mehr oder weniger großen Wanderungsgewinn.

Umstrittene Einwohnerzahl

Eine Kleine oder doch schon eine Große Mittelstadt

  • Wie viele Einwohner Bergkamen tatsächlich hat, ist zwischen den Statistikern beim Land und der Stadt seit Jahren umstritten.
  • Nach der Landesstatistik hatte Bergkamen Ende 2017 48.829 Einwohner.
  • Nach der eigenen Rechnung aufgrund der in der Stadt angemeldeten Menschen hat Bergkamen aber schon seit einiger Zeit schon wieder über 50.000 Einwohner.
  • Das hat für Bergkamen eine gewisse Bedeutung: Die Stadt wird in der Kategorie „Kleine Mittelstadt“ mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern geführt.
  • Wenn die zur „Großen Mittelstadt“ mit über 50.000 Einwohnern würde, hätte sie Anspruch auf etwas höhere Schlüsselzuweisungen vom Land.

Es gibt nur drei Ausnahmen: Die Nachbarstadt Werne, gegenüber der Bergkamen einen Wanderungsverlust von Minus 44 aufweist, Selm (-31) und Bönen (-13). Der Bürgermeister erklärt das damit, dass Werne überproportional Plätze in Pflegeheimen für Senioren hat – und offenbar für viele ältere Bergkamener wegen seiner Innenstadt, dem Solebad und der ländlicheren Umgebung attraktiv ist.

Das deckt sich mit den Zahlen der Landesdatenbank: Bergkamen hat in fast allen Altersgruppen einen Zugewinn bei der Wanderung. Es gibt nur drei Ausnahmen: In der Altersgruppe zwischen 50 und 65 Jahren gibt es einen leichten und in der Altersgruppe ab 65 Jahren einen größeren Wanderungsverlust.

Einen Verlust gibt es auch in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen. Offenbar weil viele zum Studieren in eine andere Stadt ziehen.

Viele Zuzüge aus Lengerich und Borgentreich

Die Landesstatistik weist zwei sehr erstaunliche Werte aus: Erhebliche Wanderungsgewinne verzeichnet Bergkamen aus Lengerich zwischen Münster und Osnabrück und aus der Gemeinde Borgentreich. Der Ort, dessen Namen viele Bergkamener vermutlich gar nicht kennen, liegt an der östlichen Landesgrenze von NRW im Kreis Höxter, fast unmittelbar an der Weser.

Sozialdezernentin Christine Busch kann das Rätsel um die überraschende Beliebtheit von Bergkamen im nördlichsten und im östlichsten Westfalen leicht lösen: In Lengerich und in Borgentreich gibt es Erstaufnahme-Einrichtungen für Flüchtlinge. Bergkamen hat 2017 aus beiden Einrichtungen Zuweisungen bekommen.

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